Neue Erkenntnis - alte Strategie

Da die Politik sich in immer größerer Panik versucht zu übertrumpfen möchte ich in diesem Eintrag zuerst nochmals auf die aktuellen Studienergebnisse bezüglich der Krankheitsschwere von Omicron eingehen.

In einer aktuellen US-amerikanischen Studie, welche von der amerikanischen Gesundheitsbehörde CDC in Auftrag gegeben wurde, sind 52 297 Omicronfälle mit 16 982 Deltafälle in einem Zeitraum vom 30.11.2021 bis zum 01.01.2022 verglichen worden. Krankenhauseinweisungen traten bei 235 (0,5%) bzw. 222 (1,3%) der Fälle mit Omicron- bzw. Delta-Varianteninfektionen auf. Die Infektionen mit Omicron-Varianten hatten eine Verringerung des Risikos für nachfolgende Krankenhausaufenthalte um 52%, für symptomatische Krankenhausaufenthalte um 53%, für die Aufnahme auf einer Intensivstation um 74% und für die Mortalität um 91% im Vergleich zu Infektionen mit Delta-Variante. Null Fälle mit Omicron-Varianteninfektion wurden mechanisch beatmet, verglichen mit 11 Fällen mit Delta-Varianteninfektionen während des gesamten Nachbeobachtungszeitraums (p<0,001). Die mediane Dauer des Krankenhausaufenthalts war bei hospitalisierten Fällen mit Infektionen mit Omicron-Varianten um 3,4 (2,8 - 4,1) Tage kürzer als bei hospitalisierten Patienten mit Infektionen der Delta-Variante, was eine Verringerung der Krankenhausaufenthaltsdauer um 69,6 % (64,0 - 74,5 %) widerspiegelt. (J.A. Lewnard: “Clinical outcomes among patients infected with Omicron (B.1.1.529) SARS-CoV-2 variant in southern California”, medRxiv, 11.01.2022, preprint!)

Eine aktuelle Studie aus Kanada mit 29 594 Omicron-Fällen im Vergleich mit 11 622 Delta-Fällen zeigte, dass es 59 (0,51%) Krankenhausaufenthalte und 3 (0,03%) Todesfälle unter den Omicron-Fällen, verglichen mit 221 (1,6%) Krankenhausaufenthalten und 17 (0,12%) Todesfällen unter den Delta-Fällen gab. Das Risiko eines Krankenhausaufenthalts oder des Todes war bei Omicron-Fällen um 65% niedriger im Vergleich zu Delta-Fällen, während das Risiko für Aufnahme oder Tod auf der Intensivstation um 83% niedriger war. (A.C. Ulloa: “Early estimates of SARS-CoV-2 Omicron variant severity based on a matched cohort study, Ontario, Canada”, medRxiv, 02.01.2022, preprint!)

Eine retrospektive Kohortenstudie analysierte Daten von 577 938 SARS-CoV-2-infizierten Patienten aus einer multizentrischen, landesweiten Datenbank in den USA zwischen dem 01.09.2021 und dem 24.12.2021. Dabei waren 14 054 Omicron-Fälle ("Emergent Omicron-Kohorte") und 563 884 Delta- Fälle ("Delta-Kohorte"). Bei den Krankenhausaufenthalten ergab sich ein 44% geringeres Risiko bei der Omicron-Variante gegenüber der Delta-Variante und bei der Aufnahme auf die Intensivstation um 33% geringeres Risiko. Auch bei Kindern wurden signifikant mildere Verläufe bei der Omicronvariante im Vergleich zur Deltavariante gesehen. (L. Wang: “Comparison of outcomes from COVID infection in pediatric and adult patients before and after the emergence of Omicron”, medRxiv, 02.01.2022, preprint!).  

In einer Schottischen Analyse ergab sich ein um 66% reduziertes Risiko durch eine Omicroninfektion im Krankenhaus aufgenommen zu werden im Vergleich zu einer Deltavarianteninfektion. (A. Sheikh: “Severity of Omicron variant of concern and vaccine effectiveness against symptomatic disease: national cohort with nested test negative design study in Scotland”, The University of Edinburgh, 22.12.2021).

In einem englischen Bericht wird die Risikoreduktion für einen Krankenhausaufenthalt von einem Tag und länger durch die Omicronvariante gegenüber einer Deltavarianteninfektion mit 40 - 45% angegeben. (N. Ferguson: “Report 50 : Hospitalisation risk for Omicron cases in England”, MRC Centre for Global Infectious Disease Analysis, Imperial College London, 22.12.2021).

 

 

In der oben abgebildeten Grafik sind die Infektionszahlen in Deutschland (our world in data) mit der Intensivbelegung in Deutschland (DIVI, Tagesreport) verglichen. Hier erkennt man auch den eindeutigen Trend zu weniger Intensivpatienten trotz stark ansteigender Inzidenz. Zu beachten ist aber, dass die Zahlen der Intensivpatienten in der Regel der Infektionszahlen hinterherhinken.

 

Gesundheitsminister Lauterbach sagte bei der Debatte im Bundestag am 13.01.2022: “Nur die Impfpflicht führt uns aus der Pandemie.“ und auch folgendes: „Wenn wir uns alle weigern würden, die gut erforschte und nebenwirkungsarme Impfung zu nutzen, um uns selbst und andere vor Tod und schwerer Krankheit zu schützen, würden wir die Pandemie wahrscheinlich nie beenden können.“

Eine repräsentative INSA-Umfrage, welche von dem unabhängigen Journalisten Boris Reitschuster in Auftrag gegeben wurde, ergab bei 15% aller Befragten schwere Nebenwirkungen durch die Impfung. Hochgerechnet auf die Gesamtbevölkerung wären dies ca. 8,64 Millionen Menschen. Lediglich 40% der Geimpften, also weniger als die Hälfte, gaben an, dass sie gar keine Nebenwirkungen nach der Impfung hatten. (B. Reitschuster: „Exklusiv-Umfrage zeigt, wie häufig starke Impfnebenwirkungen wirklich sind“, reitschuster.de, 15.02.2022).

Dies deckt sich auch mit der Situation in meiner Praxis, wo ich inzwischen mehr schwere Impfkomplikationen als schwere Covid-19-Fälle sehe.

Bei einer kanadischen Studie wurden bei insgesamt 19 740 741 verimpfter Dosen mRNA-Impfstoff 297 Berichte über Myokarditis/ Perikarditis gefunden, was 0,0015% entspricht. Unter diesen traten 69,7% nach der zweiten Dosis des COVID-19-mRNA-Impfstoffs und 76,8% bei Männern auf. Das Durchschnittsalter der Personen mit einem gemeldeten Ereignis betrug 24 Jahre. Die höchste Melderate von Myokarditis/Perikarditis wurde bei Männern im Alter von 18-24 Jahren nach mRNA-1273 (Moderna) als zweiter Dosis beobachtet. Die Rate in dieser Altersgruppe war 5,1x höher als die Rate nach BNT162b2 (BioNTech) als zweiter Dosis. Die Gesamtmeldequoten waren höher, wenn das Interdosisintervall für beide Impfstoffprodukte kürzer war (d. h. ≤30 Tage). Unter den Personen, die mRNA-1273 (Moderna) für die zweite Dosis erhielten, waren die Raten für diejenigen, die eine Kreuzimpfung im Gegensatz zu einem homologen Impfschema hatten, höher. (S.A. Buchan: “Epidemiology of myocarditis and pericarditis following mRNA vaccines in Ontario, Canada: by vaccine product, schedule and interval”, medRxiv, 05.12.2021, preprint!).

 

Serologisch kann man unterscheiden ob jemand die Infektion oder einen Impfstatus besitzt. Nach der Impfung produziert der Körper Antikörper gegen das Spike-Protein (S-Antikörper). Nach einer Infektion produziert der Körper allerdings noch Antikörper, welche gegen andere Oberflächenstrukturen des Virus gerichtet sind, so z.B. gegen eine Nukleoprotein-Struktur (N-Antikörper). Wenn also nur S-Antikörper gemessen werden, so liegt ein Status nach Impfung vor und wenn gleichzeitig noch N-Antikörper gefunden werden, so wurde die Infektion durchgemacht. Der Überwachungsbericht der englischen Gesundheitsbehörde nimmt darauf Bezug. Auf die Gesamtbevölkerung in England berechnet wurden bei 18,7% N-Antikörper und bei 98,0% waren S-Antikörper positiv in der Zeit vom 16.08. bis 10.10.2021. Der zeitliche Verlauf wird in „Figure 3“ dargestellt.

 

Je jünger die Jahrgänge in England sind, desto höher ist die Durchseuchung, was man an den vermehrten N-AK-Titer erkennen kann. In der Altersgruppe 17-29 betrug der Z.n. Infektion in den Wochen 33-44 insgesamt 28,8%. Die Altersgruppe < 17 Jahren wurde nicht untersucht. (siehe folgende Grafik).

Auf Seite 23 des Berichts über die Überwachung von Impfstoffen der englischen Gesundheitsbehörde steht folgendes: “…recent observations from UK Health Security Agency (UKHSA) surveillance data that N antibody levels appear to be lower in individuals who acquire infection following 2 doses of vaccination.” Es scheint also, dass der N-Antikörpertiter bei Personen, welche nach einer Doppeltimpfung einen Impfdurchbruch erlitten, niedriger ist. (UK Health Security Agency: “COVID-19 vaccine surveillance report, Week 42”).

Ob hier die Impfung zu einer verminderten Immunantwort führt sollte in weiteren Studien überprüft werden. Dies ist insbesondere auch mit dem Blick auf den Eintrag von mir vom 19.06.2021 „Veränderung angeborener Immunantwort durch die Impfung“ interessant, in dem ich eine Studie zitiere, welche eine komplexe funktionellen Reprogrammierung angeborener Immunantworten durch den BioNTech-Impfstoff nachweisen. (F. K. Föhse: “The BNT162b2 mRNA vaccine against SARS-CoV-2 reprograms both adaptive and innate immune responses”, medRxiv, 06.05.2021, preprint!). 

 

Insgesamt ist die wissenschaftliche Datenlage doch eindeutig, dass die Omikronvariante zum einen deutlich ansteckender ist (siehe meinen vorigen Eintrag), aber deutlich milder im Verlauf ist. Andere Länder wie z.B. Spanien reagieren bereits darauf: „Trotz Rekordwerten bei den Neuinfektionen soll es in Spanien keine schärferen Maßnahmen geben. Mit einer neuen Strategie plant die Regierung die Pandemie als normale Krankheit einzustufen.“ (zdf, 14.01.2022). Das zdf ist sich natürlich nicht zu schade als nächsten Satz „Kritiker halten die "Grippalisierung" von Corona für fahrlässig.“ anzuhängen. Auch England hat während der Omikronwelle nicht die Nerven verloren. Der Infektionsverlauf zeigt, dass die Welle durchgegangen ist. (siehe Abbildung)

 

 

 

Prof. C. Drosten erkannte diesen Umstand auch indem er auf der Bundespressekonferenz am 14.01.2022 sagte: „London, die haben wirklich eine Wand gehabt, mit wenig Maßnahmen, und jetzt ist das sogar ein bisschen von selbst zum Stillstand gekommen … Da geht die Inzidenz eindeutig runter.“

 

Da die Omicronvariante inzwischen die anderen Varianten verdrängt hat und durch die neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse sollte die Strategie an den milden Omiconverlauf und dem immer noch unklaren Risikoprofil der Impfung angepasst werden. Es spricht nichts mehr für eine Impfpflicht für die Gesamtbevölkerung und die schon beschlossene Impfpflicht für medizinische Berufe müsste jetzt wieder zurückgenommen werden.

 

 

16.01.2022

 

 

 

Omicron: Der Ausweg aus der Pandemie?!

Die neue Omicron-Variante wurde am 26.11.2021 von der WHO als besorgniserregende Variante eingestuft und entwickelt sich schnell zur weltweit dominanten Variante.

Die Infektiosität der neuen Omicron-Variante in Südafrika wurde mit einem Modell-Inteferenzsystem in der Provinz Gauteng berechnet. Omicron ist ca. 100,3% (95% KI: 74,8 - 140,4%) übertragbarer als das das ursprüngliche SARS-CoV-2 und 36,5% (95% KI: 20,9 - 60,1%) übertragbarer als die Delta-Variante. Eine durch frühere Infektion oder Impfung bestehende Immunität wird durch Omicron in 63,7% (95% KI: 52,9 - 73,9%) untergraben. (W. Yang: “SARS-CoV-2 transmission dynamics in South Africa and epidemiological characteristics of the Omicron variant”, EuropePMC, 21.12.2021, preprint!) 

Diese hohe Infektiosität beruht auf einer viel höheren Rate an asymptomatischen Verläufen wie bei den anderen Virusvarianten. Die hohe Prävalenz asymptomatischer Infektionen ist wahrscheinlich ein wichtiger Faktor für die weit verbreitete, schnelle Verbreitung der Variante weltweit wie eine gemeinsame Studie aus Südafrika und den USA zeigt. (N. Gerret: “High Rate of Asymptomatic Carriage Associated with Variant Strain Omicron”, medRxiv, 27.12.2021, preprint!)

In ihrem Spikeprotein hat die Omicron-Variante mehr als 30 Mutationen welche zu einer Immunflucht gegenüber neutralisierenden Antikörpern führt. (E. Cameroni: „Broadly neutralizing antibodies overcome SARS-CoV-2 Omicron antigenic”, Nature, 32.12.2021;  Y. Cao: “Omicron escapes the majority of existing SARS-CoV-2 neutralizing antibodies”, Nature, 23.12.2021;  S. Cele: “SARS-CoV-2 omicron has extensive but incomplete escape of Pfizer BNT162b2 elicited neutralization and requires ACE2 for infection”, Nature, 23.12.2021;  D. Planas: “Considerable escape of SARS-CoV-2 Omicron to antibody neutralization”, Nature, 23.12.2021)

Eine sehr kleine in vitro-Studie mit insgesamt 20 Patientenseren zeigte nach 5 oder mehr Monaten nach der Impfung mit dem BioNTech-Impfstoff eine geringe Neutralisationseffizienz gegen Delta und Wildtyp. Nach der dritten Impfung wurde eine 100-fache Steigerung der Neutralisationseffizienz von Omicron mit einer 4-fach reduzierten Neutralisation im Vergleich zu der gegen die Delta-Variante gesehen. (I. Nemet: “Third BNT162b2 vaccination neutralization of SARS-CoV-2 Omicron infection”, MedRxiv, 14.12.2021, preprint!)

Eine weitere in vitro-Studie aus der Schweiz untersuchte in 104 Blutproben, bestehend aus Rekonvaleszentenproben nach Infektion mit frühpandemischem SARS-CoV-2 (prä-VOC) oder mit Alpha, Beta, Gamma oder Delta, Nachimpfproben nach Doppeldosis-mRNA-Impfung sowie Proben nach Impfstoff-Durchbruchinfektionen mit Delta oder Omicron die Neutralisation gegen sieben SARS-CoV-2-Isolate (B.1, Alpha, Beta, Gamma, Delta, Zeta, Omicron). Es wurden die höchsten Neutralisationstiter gegen die homologe (zuvor infizierende) Variante mit geringerer Neutralisationseffizienz gegen heterologe Varianten gefunden. Rekonvaleszentenproben von Prä-VOC-SARS-CoV-2-, Alpha-, Beta-, Gamma- und Delta-infizierten Personen zeigten alle einen signifikanten Verlust der Neutralisation für Omicron, jedoch in unterschiedlichem Maße (23,0-fach bei Beta-Rekonvaleszenten bis zu 56,1-fachen in Alpha-Rekonvaleszenten), was darauf hindeutet, dass eine infektionsbedingte Immunität, unabhängig von der infektiösen Variante, höchstwahrscheinlich nur schlecht gegen Omicron schützt. Doppeltgeimpfte Personen zeigten eine robuste Neutralisation gegen B.1 und nur geringfügig niedrigere Neutralisationstiter für Alpha, Beta, Gamma, Delta und Zeta, mit einer fold change reduction (Messung der Veränderung des Expressionsniveaus eines Gens) für heterologe Viren zwischen 2,8 (für Alpha) bis 6,9 (für Beta). Im Gegensatz zu Rekonvaleszenten wurde die Flucht aus der Neutralisation für Zeta bei geimpften Personen weitgehend wiederhergestellt, während Omicron eine stark reduzierte Neutralisation des 85,7-fachen im Vergleich zu SARS-CoV-2 vor der VOC zeigte. Robuste Neutralisationstiter wurden bei doppelt geimpften Personen mit anschließenden Delta-Durchbruchinfektionen beobachtet, die Omicron auch mit einem Verlust von nur 12,5-fach neutralisierten. Personen mit einer Omicron-Durchbruchinfektion zeigten sowohl für Delta als auch für Omicron hohe Neutralisationstiter, mit nur einem 1,5-fachen Verlust für die Delta-Neutralisation. Dies deutet darauf hin, dass eine Infektion mit antigen-unterschiedlichen Varianten die Immunität gegen Varianten stärken kann, die dem Impfstamm antigen-ähnlich sind. (M. Bekliz: “Neutralization of ancestral SARS-CoV-2 and variants Alpha, Beta, Gamma, Delta, Zeta and Omicron by mRNA vaccination and infection-derived immunity through homologous and heterologous variants”, MedRxiv, 31.12.2021, preprint!)

Jedoch ist es allgemein bekannt, dass das zelluläre System mit den SARS-CoV-2-spezifischen T-Zellen eine Schlüsselrolle bei der Covid-19-Krankheitausprägung spielt. (R. Moderbacher: „Antigen-specific adaptive Immunity to SARS-CoV-2 in acute COVID-19 and associations with age and disease severity”, Cell, 16.09.2020;  Y. Peng: “Broad and strong memory CD4 + and CD8 + T cells induced by SARS-CoV-2 in UK convalescent individuals following COVID-19”, Nature, 04.09.2020;  M. Liao: “Single-cell landscape of bronchoalveolar immune cells in patients with COVID-19”, Nature, 12.05.2020) 

Eine Studie welche das zelluläre System bei 61 Probanden untersuchte kam zu dem Ergebnis, dass trotz der Mutationen im Spike-Protein die SARS-CoV-2 Omicron-Variante dennoch von der zellulären Komponente des Immunsystems erkannt wird. Es wurde in der zellulären Immunantwort keine signifikanten Unterschiede in den einzelnen Probandengruppen (doppeltgeimpft, dreifachgeimpft, kreuzgeimpft, geimpft mit Impfdurchbruch, genesen mit nachfolgender Impfung). (L. De Marco: “Preserved T cell reactivity to the SARS-CoV-2 Omicron variant indicates continued protection in vaccinated individuals”, bioRxiv, 30.12.2021, preprint!). Dies erklärt die beobachtete geringe Krankheitsschwere der Omicroninfektion. Leider wurde keine reine Genesenengruppe untersucht, sondern nur geimpfte Personen.

Eine weitere aktuelle Studie, welche das humorale und zelluläre System auf die Immunantwort bei Omicron untersuchte stellte fest, dass es nur eine minimale Immunflucht auf der T-Zell-Ebene gibt, trotzt abfallenden Antikörpertiter. Leider wurde auch hier die Gruppe der Genesenen nur bezüglich der Antikörpertiter untersucht. Es wurden Patienten nach Immunisierung mit den verschiedenen Impfstoffen (ChAdOx-1, Ad26.COV2.S, mRNA-1273 und BNT162b2) untersucht. (C. H. GeurtsvanKessel: “Divergent SARS CoV-2 Omicron-specific T- and B-cell responses in COVID-19 vaccine recipients”, medRxiv, 29.12.2021, preprint!)

Zu dem gleichen Ergebnis kam auch eine südafrikanische Studie. Sie untersuchte die Fähigkeit von T-Zellen, mit Omicron-Spike bei Teilnehmern zu reagieren, die mit Ad26.CoV2.S oder BNT162b2 geimpft wurden, und bei ungeimpften COVID-19- genesenen Patienten (n = 70). Das Ergebnis war, dass 70-80% der CD4+- und CD8+-T-Zell-Reaktion auf Spike in allen Studiengruppen aufrechterhalten wurden. Darüber hinaus ähnelte die Größe der kreuzreaktiven T-Zellen von Omicron der der Beta- und Delta-Varianten, obwohl Omicron wesentlich mehr Mutationen aufwies. Diese Ergebnisse zeigen, dass trotz der umfangreichen Mutationen von Omicron und der verringerten Anfälligkeit für neutralisierende Antikörper die Mehrheit der T-Zell-Reaktionen, die durch Impfung oder natürliche Infektion induziert werden, die Variante gegenseitig erkennt. Eine gut erhaltene T-Zell-Immunität gegen Omicron wird wahrscheinlich zum Schutz vor schwerem COVID-19 beitragen. (R. Keeton: “SARS-CoV-2 spike T cell responses induced upon vaccination or infection remain robust against Omicron”, medRxiv, 28.12.2021, preprint!)

Bis zum 9. Dezember wurden in Dänemark insgesamt 785 Omicron-Fälle registriert. Die täglichen Fallzahlen stiegen schnell an, mit täglichen Steigerungen von mehr als 40% ab dem 4. Dezember. Das Alter der Fälle lag zwischen 2 und 95 Jahren (Median: 32) und 433 (55%) waren männlich. Neun Fälle (1,2%) wurden stationär behandelt, ein Fall wurde bisher intensivmedizinisch behandelt und kein Fall ist gestorben. Fälle wurden im ganzen Land weit verbreitet identifiziert, aber die meisten waren in zwei Hauptepizentren im westlichen Teil Dänemarks und im Gebiet der Hauptstadt gruppiert. Insgesamt wurden 599 (76%) Fälle vollständig geimpft und weitere 56 (7,1%) hatten eine vollständige Impfung plus eine Auffrischungsdosis erhalten. (L. Espenhain: “Epidemiological characterisation of the first 785 SARS-CoV-2 Omicron variant cases in Denmark, December 2021”, Eurosurveillance, 16.12.2021). Dies zeigt zum einen, dass die Ausbreitung durch Superspreaderevents begünstigt wurde und unterstreicht die mangelnde Wirkung der Impfung, bei allerdings hauptsächlich milden Verläufen. Zudem zeigt es, dass es in Dänemark ein deutlich besseres System zur Erfassung der Covid-Fälle gibt wie in Deutschland.

In dem aktuellen Lagebericht des RKI wurden zwischen dem 21.11.2021 und 27.12.2021 in Deutschland (Datenstand 28.12.2021) insgesamt 10.443 (Verdachts-) Fälle der Omicronvariante übermittelt. Für 6.788 Fälle (65%) wurden Angaben zu den Symptomen übermittelt, es wurden überwiegend keine oder milde Symptome angegeben. Am häufigsten wurde von Patienten mit Symptomen Schnupfen (54 %), Husten (57 %) und Halsschmerzen (39 %) genannt. 124 Patientinnen und Patienten wurden hospitalisiert, vier Person sind verstorben. Für 543 (5 %) Fälle wurde eine Exposition im Ausland angegeben. 186 (2,7%) Patienten waren ungeimpft, 4.020 (59%) waren vollständig geimpft, von diesen wurde für 1.137 eine Auffrischimpfung angegeben. Auf Basis der übermittelten Daten wurden unter allen übermittelten Omicron-Infektionen 148 Reinfektionen ermittelt, zu keiner der von Reinfektion betroffenen Person wurden Vorerkrankungen übermittelt. („Wöchentlicher Lagebericht des RKI zur Coronavirus-Krankheit-2019 (COVID-19)“, RKI, 30.12.2021) 

 

Nach dem Darstellen der aktuellen wissenschaftlichen Daten nun noch kurz ein paar Zitate aus der Politik:

"Wir haben zu viele ungeimpfte Leute in Deutschland, gerade über 60, und die sind jetzt natürlich richtig in Gefahr, also für die wird es jetzt richtig gefährlich" (Prof. Christian Drosten, Deutschlandfunk, 31.12.2021).

„Auch wenn man sich drei oder vier Mal impfen lassen muss - was ist ein kleiner Piks gegen den Schutz vor einer potenziell schweren oder sogar tödlichen Krankheit?“ (Markus Söder, Ministerpräsident von Bayern, Neujahrsansprache 2022)

"Tun wir miteinander alles - aber auch wirklich alles - dafür, dass wir Corona im neuen Jahr endlich besiegen können." (Olaf Scholz (SPD),Bundeskanzler, Neujahrsansprache 2022).

Von dem Gedanken dieses Virus „besiegen“ zu können hat sich die Wissenschaft allerdings schon längst verabschiedet. Vielmehr kommt es durch Mutation zu einer klinischen Abschwächung des Virus was zu einer Persistenz führen wird. Dies habe ich bereits ausführlich am 11.03.2021 in meinem Homepageeintrag: „SARS-CoV-2: Eine Zukunftsperspektive“ (Rubrik: Coronanachrichten 2021) beschrieben! Und nach den Daten die wir bisher über Omicron haben dürfte diese Zukunftsperspektive für SARS-CoV-2 mit dieser Variante zutreffen.

 

In diesem Sinne wünsche ich allen ein gutes und vor allem friedliches Jahr 2022.

 

 

01.01.2022

 

Nachtrag: Auf Seite 14 des wöchentlichen Lageberichts des RKI wurde die Zahl der Ungeimpften unter den gemeldeten Omikronfällen am 03.01.2022 korrigiert von vorher: 186 auf 1.097. („Wöchentlicher Lagebericht des RKI zur Coronavirus-Krankheit-2019 (COVID-19)“, RKI, 30.12.2021, Korrektur 03.01.2022)

 

05.01.2022