Veränderung angeborener Immunantwort durch die Impfung

Die Forschungsteams des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI), der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), sowie der Universität Bonn und des Radboud University Medical Center und Erasmus MC in den Niederlanden haben in einer noch nicht peer-reviewed Studie die Wirkung des BNT162b2-mRNA-COVID-19-Impfstoffs (BioNTech / Pfizer) sowohl auf die angeborene als auch auf die adaptive (humorale und zelluläre) Immunantwort untersucht. Dabei wurde herausgefunden, dass der mRNA BNT162b2-Impfstoff eine komplexe funktionelle Reprogrammierung angeborener Immunantworten induziert, die bei der Entwicklung und Verwendung dieser neuen Impfstoffklasse berücksichtigt werden sollten. (F. K. Föhse: “The BNT162b2 mRNA vaccine against SARS-CoV-2 reprograms both adaptive and innate immune responses”, medRxiv, 06.05.2021, preprint!).

Zunächst einmal bestätigten die Forscher eine gute Antikörperantwort auf die Impfung, wie es bereits durch den Impfstoffentwickler nachgewiesen wurde. (U. Sahin: “COVID-19 vaccine BNT162b1 elicits human antibody and TH1 T cell responses”, Nature, 30.09.2020).

Bereits mehrere andere Studien berichteten über eine 6- bis 14-fach verringerte Neutralisierung bei der B.1.351-Variante (Südafrika-Variante). (D. Planas: ”Sensitivity of infectious SARS-CoV-2 B.1.1.7 and B.1.351 variants to neutralizing antibodies”, Nature Medicine, 26.03.2021).   X. Shen: “Neutralization of SARS-CoV-2 Variants B.1.429 and B.1.351.”, New England Journal of Medicine, 07.04.2021   P. Wang: “Increased Resistance of SARS-CoV-2 Variants B.1.351 and B.1.1.7 to Antibody Neutralization”, BioRxiv , 12.02.2021, preprint!). Diese Daten werden durch die Studie von Föhse et al. bestätigt, indem sie ebenfalls eine verminderte Immunantwort für B.1.351 feststellten. Der Beweis von Kustin et al, dass die B.1.351-Variante und evtl. auch andere Varianten der impfstoffinduzierten humoralen Immunität bis zu einem gewissen Grad entkommen können wird ebenfalls durch die Studie gestützt. (T. Kustin: “Evidence for increased breakthrough rates of SARS-CoV-2 variants of concern in BNT162b2 mRNA vaccinated individuals”, Nature Medicine, 14.06.2021).

In der Zulassungsstudie wurde eine Aktivierung virusspezifischer CD4+- und CD8+-T-Zellen und eine Hochregulation immunmodulatorischen Zytokinen wie IFN-γ durch die BNT162b2-Impfung gemessen. (U. Sahin: “COVID-19 vaccine BNT162b1 elicits human antibody and TH1 T cell responses”, Nature, 30.09.2020). Die Ergebnisse von Föhse et al. zeigen, dass die BNT162b2-Impfung eine bessere humorale als zelluläre Immunantwort induziert. Bei Geimpften, welche nur eine Dosis des BioNTech-Impfstoffes bekamen wurden in verschiedenen anderen Studien bereits eine schwache T-Zellantwort gefunden. (M. Prendecki: “Effect of previous SARS-CoV-2 infection on humoral and T-cell responses to single-dose BNT162b2 vaccine”, The Lancet, 25.02.2021;   M. Stankov: “Humoral and cellular immune responses against SARS-CoV-2 variants and human coronaviruses after single BNT162b2 vaccination”, Clin. Inf. Dis., 16.06.2021).

In der Studie von Föhse et al wurde untersucht, ob der BNT162b2-Impfstoff auch Auswirkungen auf die angeborene Immunantwort gegen verschiedene virale, bakterielle und pilzliche Stimuli induzieren könnte. Die Zytokinproduktion war nach Stimulation von PBMCs (Mononukleäre Zellen aus dem peripheren Blut) von geimpften Personen entweder mit dem Standard-SARS-CoV-2-Stamm oder heterologen Toll-like-Rezeptorliganden tendenziell niedriger und nach Stimulation mit dem TLR7/8-Agonisten R848 nach der zweiten Impfung signifikant verringert. Im Gegensatz dazu waren die Reaktionen auf den Pilzpathogen Candida albicans nach der ersten Impfdosis höher. Es wird spekuliert, dass die Hemmung der angeborenen Immunantworten antivirale Antworten vermindern. Wie auch andere Studien nachgewiesen haben spielen Typ-I-Interferone auch eine zentrale Rolle bei der Pathogenese und Reaktion gegen Virusinfektionen, einschließlich COVID-19. (J. Hadjadj: “Impaired type I interferon activity and inflammatory responses in severe COVID-19 patients”, Science, 07.08.2020). Föhse et al beobachteten eine signifikante Verringerung der Produktion von IFN-α nach Stimulation mit Poly I:C und R848 nach der zweiten Impfung. Zusammengenommen zeigen diese Ergebnisse, dass die Wirkungen des BNT162b2-Impfstoffs über das adaptive Immunsystem hinausgehen und auch die angeborenen Immunantworten modulieren können.

Als Impfstoffinterferenz wird das Phänomen bezeichnet, dass durch eine Immunreaktion eines Impfstoffes die Reaktion auf andere Impfungen beeinträchtigt wird. Dies wurde bereits für andere Impfstoffe nachgewiesen. (L.Lum: „Influenza vaccine concurrently administered with a combination measles, mumps, and rubella vaccine to young children”, Vaccine, 10.02.2010;   Z. Vajo: “Safety and immunogenicity of a 2009 pandemic influenza A H1N1 vaccine when administered alone or simultaneously with the seasonal influenza vaccine for the 2009-10 influenza season: a multicentre, randomised controlled trial”, The Lancet, 02.01.2010). 

Föhse et al kommen zum Schluss, dass der BNT162b2-Impfstoff eine Umprogrammierung der angeborenen Immunantwort zur Folge hat und dass dies die Reaktion auf andere Impfungen möglicherweise beeinträchtigt wird. Der BNT162b2-Impfstoff schützt eindeutig vor COVID-19, aber die Dauer dieses Schutzes ist noch nicht bekannt. (F. K. Föhse: “The BNT162b2 mRNA vaccine against SARS-CoV-2 reprograms both adaptive and innate immune responses”, medRxiv, 06.05.2021, preprint!).

Hier bedarf es weiterer Studien, um die Interaktion mit anderen Impfstoffen oder bei Infektion mit anderen Krankheitserregern zu untersuchen.

 

19.06.2021

 

 

 

30.05.2021: Aktualisierungen bei "Wirksamkeitsdaten zu den Impfungen", "Immunität nach Covid-19" und "Der Lockdown: Wissenschaft versus Expertenmeinung"

 

 

Covid-19 und Impfung bei Kindern

Um die Frage zu erörtern, ob Impfungen gegen SARS-CoV-2 bei Kindern sinnvoll ist oder nicht muss man zunächst mal schauen wie Covid-19 sich bei Kindern auswirkt. Als Hauptargument für eine Impfung spricht die Bundesregierung und somit auch das Robert-Koch-Institut von der hohen Gefahr von long-Covid und PIMS-TS bei Kindern. Genaue Zahlen werden dabei allerdings nicht genannt. Daher muss dies auch genau angeschaut werden. Um eine Nutzen-Risiko-Bewertung vorzunehmen, ist es dann auch notwendig sich die Nebenwirkungen der Impfung anzuschauen. Diesen Fragen gehe ich im folgenden Beitrag nach.

 

Covid-19 bei Kinder:

Die Prävalenz bestätigter Fälle bei Kindern wird mit 1-2% angegeben, was eine auffallend niedrige Prävalenz zu anderen Atemwegsinfektionen darstellt. (W. Guan: “Clinical characteristics of coronavirus disease 2019 in China”, N Engl J Med., 30.04.2020;   A. Tagarro: “Screening and severity of coronavirus disease 2019 (COVID19) in children in Madrid, Spain”, JAMA Pediatr., 08.04.2020.) In dem offiziellen Bericht des Spanischen Gesundheitsministerium kommt Covid-19 bei den Kindern unter 10 Jahren und in der Gruppe von 10-19 Jahren jeweils nur mit 0,3% der gemeldeten Fälle vor. (Spanish Ministry of Health, “Actualización no 109. Enfermedad por el coronavirus (COVID19). Situación en España.” 18.05.2020). Diese Zahlen werden auch von chinesischen Studien bestätigt. (J. Liu: “Community transmission of severe acute respiratory syndrome coronavirus 2”, Emerg Infect Dis. 26.06.2020;   Q. Bi: “Epidemiology and transmission of COVID19 in 391 cases and 1286 of their close contacts in Shenzhen, China: a retrospective cohort study”. Lancet Infect Dis., 27.04.2020). Einen genaueren Überblick bieten die Daten aus Island, da hier auch die asymptomatische Bevölkerung miterfasst wurde. Bei Kindern unter 10 Jahren lag die Prävalenz beim Screening der Bevölkerung bei 0% und bei Jugendlichen bei 0,8%. (DF. Gudbjartsson: “Spread of SARSCoV2 in the Icelandic population”, N Engl J Med., 14.04.2020). Eine kleine Studie aus Italien ergab ebenfalls ähnliche Zahlen. (E. Lavezzo: “Suppression of COVID19 outbreak in the municipality of Vo”, Nature, 30.06.2020). Bei einer multizentrischen Kohortenstudie mit 82 teilnehmenden Gesundheitseinrichtungen in 25 europäischen Ländern mit 582 Kindern im Alter von 0-5 Jahren wird zusammengefasst, dass Covid-19 im Allgemeinen eine leichte Krankheit bei Kindern und Säuglingen ist. Bei 25% der Kinder lagen bereits andere Vorerkrankungen vor. 8% entwickelten schwere Krankheitssymptome die eine Aufnahme auf die Intensivstation erforderlich machten. Dabei waren die Kinder mit Vorerkrankungen deutlich häufiger betroffen (OR 3,27). Ein tödlicher Ausgang ist dennoch insgesamt selten. (F. Götzinger: „COVID-19 in children and adolescents in Europe: a multinational, multicentre cohort study”, The Lancet, 25.06.2020). Bei einer Seroprävalenzstudie aus Genf in der Schweiz vom 06. April bis 09. Juni 2020 zeigte sich eine steigende Seroprävalenz insgesamt von 5 % auf 11 %. Personen im Alter von 5 bis 9 Jahren und Personen, die älter als 65 Jahre waren, hatten ein deutlich geringeres Risiko, seropositiv zu sein als Personen im Alter von 20 bis 49 Jahren. (S. Stringhini: “Seroprevalence of anti-SARS-CoV-2 IgG antibodies in Geneva, Switzerland (SEROCoV-POP): a population-based study”, The Lancet, 01.08.2020). Eine vom spanischen Gesundheitsministerium durchgeführten Erhebung zwischen dem 27. April und dem 10. Mai (ENE-COVID19-Studie) ergab eine gesamte Seroprävalenz von 5%. Je jünger die Kinder, desto geringer war die Seroprävalenz: 1,1 % bei <1 Jahren; 2,2 % bei 1 bis 4 Jahren; 3 % bei 5 bis 9 Jahren; 3,9 % bei 10 bis 14 Jahren und 3,8 % bei 15 bis 19 Jahren. (Instituto de Salud Carlos III M de SM de C e I. Estudio EneCOVID19: Primera Ronda Estudio Nacional De Seroepidemiología De La Infección Por SARSCOV2 en España. 2020). Kinder haben ein geringes Risiko, an COVID-19 zu sterben. Die Sterblichkeitsrate bei Kindern wird mit 0,0016 % auf eine niedrige Rate geschätzt, was mit der Sterblichkeitsrate von Windpocken (0,001-0,005 %) vergleichbar ist. (R. Verity: “Estimates of the severity of coronavirus disease 2019: a model-based analysis“, The Lancet, 01.06.2020;   S. Bhopal: “Children's mortality from COVID-19 compared with all-deaths and other relevant causes of death: epidemiological information for decision-making by parents, teachers, clinicians and policymakers”, Public Health, 01.08.2020). In einer Übersichtsarbeit von 131 Studien in 26 Ländern mit insgesamt 7780 pädiatrischen Patienten wurde ebenfalls die Schlussfolgerung gezogen, dass Kinder mit Covid-19-Infektion insgesamt eine ausgezeichnete Prognose haben. (A. Hoang: “COVID-19 in 7780 pediatric patients: A systematic review”, The Lancet, 26.06.2020).

 

Oft wird von der Politik auch das Argument vorgebracht, dass Kinder die Treiber der Pandemie seien und deswegen harte Maßnahmen wie Schulschließungen notwendig seien. Aufgrund der Studienlage allerdings scheinen Kinder entgegen dieser Behauptung in den meisten Fällen nicht die Infektionsquelle zu sein. (K. Danis: “Cluster of Coronavirus Disease 2019 (COVID-19) in the French Alps, February 2020”, Clin Infect Dis., 11.04.2020;   Y. Zhu: “Children are unlikely to have been the primary source of household SARSCoV2 infections”, The Lancet, 09.04.2020). Sehr interessant sind auch die Studien, welche die Koinfektionen bei Kindern untersucht haben. Zwei Studien ergaben, dass 40-50% der Kinder mit Covid-19 weitere Infektionen hatten, dabei waren Influenza und Mycoplasma pneumoniae die häufigsten Erreger. Weiterhin fand man respiratory syncytial virus (RSV), Parainfluenza, Adenovirus, Epstein-Barr-Virus oder Cytomegalievirus. (W. Xia: “Clinical and CT features in pediatric patients with COVID19 infection: different points from adults”, Pediatr Pulmonol., 05.05.2020;   C. Zhang: “Clinical and epidemiological characteristics of pediatric SARS-CoV-2 infections in China: A multicenter case series”, Plos Medicine, 16.05.2020;   Q. Wu: “Coinfection and other clinical characteristics of COVID19 in children”, Pediatrics, 01.05.2020). Andere Fallserien dokumentierten dagegen keine Koinfektionen mit Atemwegsviren wie Grippe, Parainfluenza oder RSV. (C. Jiehao: “Case Series of children with 2019 novel coronavirus infection: clinical and epidemiological features”, Clin Infect Dis., 28.02.2020;   Y. Xu: “Characteristics of pediatric SARSCoV2 infection and potential evidence for persistent fecal viral shedding”, Nat Med., 26.04.2020).

 

Long-Covid bei Kindern:

Eine in Italien vom 1. März bis 1. Juni 2020 durchgeführte Beobachtung von 28 Kindern im Alter von 0-15 Jahren welche in einem Krankenhaus aufgenommen werden mussten, ergab zum einen eine vollständige Clearance des Virus und Beschwerdefreiheit innerhalb eines Monats nach Krankenhausentlassung. Es gab keinen Fall eines long-Covids in den folgenden 4 Monaten. (M. Denina: „Sequelae of COVID-19 in Hospitalized Children: A 4-Months Follow-Up”, The Pediatric Infectious Disease Journal, 12/2020). In einer aktuellen Studie aus Australien mit 171 Kindern zwischen 1-8 Jahren waren 36% der Kinder asymptomatisch, 58% der Kinder hatten leichte Beschwerden und 5% hatten mittelschwere Beschwerden, 1 Kind (1%) hatte eine schwere Covid-19-Pneumonie. Bei diesem Kind lag eine angeborene komplexe Herzerkrankung vor. 8% der Kinder hatten in der Nachverfolgungszeit von 3-6 Monaten long-Covid-Symptome. Die häufigsten Symptome waren leichter Husten von 3 Wochen bis 8 Wochen und Müdigkeit von 6 Wochen bis 8 Wochen. Bei der letzten Überprüfung im März 2021 waren alle Kinder wieder symptomfrei. (D. Say: “Post-acute COVID-19 outcomes in children with mild and asymptomatic disease”, The Lancet, 20.04.2021). Eine noch nicht peer-reviewed Studie aus Großbritannien an 1734 Kindern ergab bei 4,4% eine Krankheitsdauer über 28 Tage und bei 1,8% der Kinder über 56 Tage. Wobei die älteren Kinder überwogen. Die häufigsten Symptome dieser Kinder waren Müdigkeit (84%), Kopfschmerzen (80%) und Anosmie (80%). Insgesamt waren die Symptome mild ausgeprägt. (E. Molteni: “Illness duration and symptom profile in a large cohort of symptomatic UK school-aged children tested for SARS-CoV-2”, Europe PMC, 13.05.2021, preprint!). Dennoch gibt es Fallberichte über long-Covid-Symptome bei Kindern, insbesondere bei zuvor im Krankenhaus stationär behandelten Kindern. In der ebenfalls noch nicht peer-reviewed Studie von Osmanov über 518 Kinder berichteten 24,3% in der Nachbeobachtungsphase von 256 Tagen über anhaltende Symptome wie Müdigkeit (10,7%), Schlafstörungen (6,9%) und sensorische Probleme (5,6%). Als Risikofaktor für anhaltende Beschwerden waren höheres Alter der Kinder (> 6 Jahre) und allergische Erkrankungen in der Anamnese. (I.M. Osmanov: “Risk factors for long covid in previously hospitalised children using the ISARIC Global follow-up protocol: A prospective cohort study”, MedRXiv, 16.04.2021, preprint!).

 

PIMS-TS bei Kindern:

Neben dem long-Covid-Risiko für Kinder wird auch das sogenannte PIMS-TS (Paediatric Inflammatory Multisystem Syndrome temporally associated with COVID-19) als schwerwiegende Komplikation angegeben. Eine der ersten Studien war eine Einzelzentrumsbeobachtungsstudie vom 10.04.-09.05.2020 an insgesamt 15 Kinder im mittleren Alter von 8,8 Jahren (IQR 6,4–11,2, alle stammten aus Afrika/Afro-Karibik, Südasien, Gemischten oder anderen ethnischen Minderheiten). Zwei Patienten beschrieben typische COVID-19-Symptome in den letzten zwei Monaten, die beide eine positive SARS-CoV-2 PCR hatten. Weitere 3 Patienten hatten Familienmitglieder mit COVID-19 Symptomen in den letzten 2 Monaten. SarS-CoV-2 Serologie war für 12 von 15 Patienten verfügbar, die alle positiv für die kombinierte IgG, IgA und IgM ELISA waren. Alle 15 Patienten hatten Fieber (mediane Dauer von 5 Tagen), 13 (87%) hatte Magen-Darm-Symptome und 8 (53%) Merkmale der Kawasaki-Krankheit nicht die diagnostischen Kriterien erfüllen. Generalisierte Myalgie und Lethargie wurden auch bei jeweils 4 Patienten berichtet (27%). Alle Patienten in der Kohorte hatten eine beeinträchtigte linksventrikuläre Funktion, Herzklappenregurgitation und/oder koronare Arterienbeteiligung. Alle Patienten waren zum Zeitpunkt der Entlassung klinisch beschwerdefrei und 12 hatten ihre erste Nachprüfung ebenfalls ohne klinische Beschwerden. Echokardiogramm und CT-Koronarangiogramme ergaben keine neuen Erkenntnisse oder Verschlechterungen. (T. Ramcharan: “Paediatric Inflammatory Multisystem Syndrome: Temporally Associated with SARS-CoV-2 (PIMS-TS): Cardiac Features, Management and Short-Term Outcomes at a UK Tertiary Paediatric Hospital”, Pediatric Cardiology, 12.06.2020). Der Anteil der Kinder, die nach COVID-19 an PIMS-TS leiden, steht noch nicht fest, aber es bleibt eine seltene Krankheit. Das Durchschnittsalter der Patienten mit PIMS-TS liegt zwischen 6,6 und 10 Jahren (3,7–16,6 Jahre) und 43–74 % von ihnen sind männlich. In Bezug auf die ethnische Zugehörigkeit sind 40,5% der Patienten Hispanics, 33,1–73,9% Dunkelhäutige, 13,2–29% sind Weiße und 2,8–10% sind asiatisch. (A. Schwartz: „Pediatric inflammatory multisystem syndrome and rheumatic diseases during SARS-CoV-2 pandemic”, Front. Pediatr., 04.12.2020). Bezüglich der Erkrankungsursache postulieren Gruber et al., dass beim PIMS-TS Autoantikörper die Bildung von Immunkomplexen verursachen oder die Aktivität von Immunzellen auf Wirtsgeweben und Organen auslösen können. Sie können auch als Folge der direkten Kreuzreaktivität zwischen SARS-CoV-2 und Autoantigenen entstehen. (C.N. Gruber: „Mappinge systemic inflammation and antibody responses in Multisystem inflammatory Syndrome in Children (MIS-C), Cell, 14.09.2020). Eine jüngere Übersichtsarbeit welche insgesamt 13 Studien analysierte beschreibt, dass zu den am häufigsten beschriebenen Symptomen von PIMS-TS folgende Symptome gehören: Fieber (82 %), Schock (67%) und gastrointestinale Beschwerden (87%), Hautmanifestation (71%), Herzerkrankungen (75%). In den meisten Serien wurden die Beschwerden zwischen 4 und 6 Wochen nach dem Auftreten der Pandemie in der allgemeinen Bevölkerung beobachtet. (J. Fernández-Sarmiento: “Paediatric inflammatory multisystem syndrome temporally associated with COVID-19 (PIMS-TS): a narrative review and the viewpoint of the Latin American Society of Pediatric Intensive Care (SLACIP) Sepsis Committee”, BMJ, 04.02.2021). Eine aktuelle Studie die vor allem die Herzbeteiligung bei Multisystem-Entzündungssyndrom bei Kindern (MIS-C) im Zusammenhang mit COVID-19-Infektion untersuchten kamen zu dem Ergebnis, dass die Prognose der behandelten MIS-C-Patienten gut ist. (Anmerkung: MIS-C ist der Name für PIMS-TS, welcher von dem US Center for Disease Control and Prevention (CDC) und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vorgeschlagen wird.) (P. Jone: “Management of Multisystem Inflammatory Syndrome in Children Associated with COVID-19 Infection”, Europe PMC, 06.05.2021). Die Studie von Opoka-Winiarska vergleicht PIMS-TS mit dem akuten rheumatischen Fieber (ARF) bei Kindern, da der Verlauf sich in vielen Merkmalen ähnelt. PIMS-TS und ARF sind mit einer abnormalen Immunantwort auf bestimmte Krankheitserreger verbunden (SARS-CoV-2 bzw. Streptokokken der Gruppe A). Die Hauptsymptome beider Krankheiten sind Fieber und Herzbeteiligung. Sie beschreibt ebenfalls, dass eine adaptive Immunität wahrscheinlich an der Pathogenese von PIMS-TS beteiligt ist. SARS-CoV-2 Infektion kann zu einer sekundären autoreaktiven humoralen Reaktion führen. Im Gegensatz zu anderen Autoimmunerkrankungen zielen die Autoantikörper bei PIMS-TS-Patienten auf Organsysteme ab, die für die Pathologie dieser Krankheit von zentraler Bedeutung sind. Wie bei ARF kann auch die molekulare Mimikry beteiligt sein. Bezüglich einer Impfung bei Kindern schreibt sie, dass die Impfung eine gute Prophylaxe gegen PIMS-TS sein kann, aber verweist auch darauf, dass die Wirksamkeit und Sicherheit der COVID-19-Impfstoffe ist bei Kindern noch nicht erwiesen ist. (V. Opoka-Winiarska: “PIMS-TS, the New Paediatric Systemic Inflammatory Disease Related to Previous Exposure to SARS-CoV-2 Infection-"Rheumatic Fever" of the 21st Century?”, International Journal of Molecular Science, 26.04.2021).

 

Fazit: Covid-19 ist bei Kindern nicht häufig und hat in der Regel einen milden Verlauf. Für Deutschland gibt es bezüglich der Komplikationen wie long-Covid oder dem potentiell lebensbedrohlichen PIMS-TS noch keine aussagekräftigen Daten. Insgesamt sind dies seltene Komplikationen. Internationale Daten verweisen aber auch da auf eine gute Prognose.

 

Covid-19-Impfung bei Kindern:

Die Wirksamkeit und Verträglichkeit der Impfung bei Kindern ist noch unzureichend untersucht. Daher können wir nur Rückschlüsse aus den bestehenden Daten machen.

In der Studie 2 der Zulassungsstudie von BioNTech / Pfizer wurden auch Kinder von 12-15 Jahren mit eingeschlossen. Es wurden allerdings keine bestätigten Fälle bei Teilnehmern im Alter von 12 bis 15 Jahren identifiziert. (BioNTech / Pfizer: Arzneimittelinformation, Anhang I, Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels). Der Impfstoff von BioNTech / Pfizer hat daher eine Notfallzulassung ab dem Alter von 16 bekommen. In einer Phase-3-Studie mit 2260 Kindern im Alter von 12-15 Jahren in den USA wurden 18 Covid-19-Fälle in der Placebogruppe (n=1129) und kein Covid-Fall in der Impfgruppe (n=1131) beobachtet. Daher wird eine Impfeffektivität für diese Altersgruppe mit 100% angegeben. Ob eine Übertragung des Virus von geimpften Kindern möglich ist wurde nicht untersucht. Aktuell hat eine globale Phase 1/2/3-Studie bei Kindern zwischen 6 Monaten und 11 Jahren begonnen. Alle Phasen werden parallel durchgeführt! („Pfizer-Biontech announce positive topline results of pivotal Covid-19 vaccine study in adolescents”, Pressebericht Pfizer, 31.03.2021). Die kanadische Regierung geht ihn ihrer Pressemitteilung auf die Nebenwirkung der oben genannten Phase-3-Studie ein. Innerhalb 7 Tage gab es folgende Nebenwirkungen: Schmerzen an der Einstichstelle (90,7%), Müdigkeit (77,5%), Kopfschmerz (75,5%), Erschöpfung (49,2%), Muskelschmerzen (42,2%), Fieber (24,3%), Gelenkschmerzen (20,2%), Schwellung an der Injektionsstelle (9,2%), Rötung den der Injektionsstelle (8,6%). Schwere systemische Nebenwirkungen wurden in 3,5% gesehen. Es gab keinen Todesfall in dieser Phase-3-Studie. Insgesamt waren die Nebenwirkungen in Häufung und Schwere bei den Kindern von 12-15 Jahren vergleichbar mit denen in der Altersgruppe von 16-25 Jahren. (“Regulatory Decision Summary – Pfizer-BioNTech COVID-19 Vaccine – Health Canada“, Pressebericht Regierung von Kanada, 05.05.2021).

Moderna führt gerade eine Studie an 6750 Kindern im Alter von 6 Monaten bis 12 Jahren durch (KidCOVE study). Primäre Endpunkte sind die Impfstoffsicherheit und die Impfstoffreaktogenität. (“Moderna Announces First Participants Dosed in Phase 2/3 Study of COVID-19 Vaccine Candidate in Pediatric Population”, Pressebericht Moderna, 16.03.2021).

 

Eine Studie, welche die Vorteile der Grippeimpfung und der Covid-19-Impfung miteinander vergleicht kommt zu dem Schluss, dass obwohl Komplikationen durch Covid-19 auftreten können, es weniger klar ist, dass ein Impfstoff insgesamt vorteilhafter ist. Angesichts des im Vergleich zum Grippeimpfstoff stärker erwarteten Schadens eines Covid-19-Impfstoffs scheint ein Covid-19-Impfstoff für ein Kleinkind weniger vorteilhaft zu sein als ein Grippeimpfstoff. Die obligatorische Impfung von Kindern für Covid-19 ist angesichts der geringeren Krankheitsschwere im Vergleich zu Erwachsenen und der Ungewissheit über die Wirksamkeit und das Risikoprofil für Kinder schwieriger zu rechtfertigen. (J. Savulescu: “Global Ethical Considerations Regarding Mandatory Vaccination in Children”, The Journal of Pediatrics, 01.04.2021). 

 

Das Paul-Ehrlich-Institut veröffentlichte am 07.05.2021 seinen aktuellen Sicherheitsbericht. (Paul-Ehrlich-Institut: Sicherheitsbericht, Verdachtsfälle von Nebenwirkungen und Impfkomplikationen nach Impfung zum Schutz vor COVID-19, 07.05.2021). Bis zum 30.04.2021 erhielt das Paul-Ehrlich-Institut insgesamt 49.961 Einzelfallberichte zu Verdachtsfällen von Nebenwirkungen oder Impfkomplikationen (unerwünschte Reaktionen) nach Impfung mit COVID-19-Impfstoffen in Deutschland. Bis zum 29.04.2021 wurden laut Angaben des Robert Koch-Instituts 28.774.580 Impfungen durchgeführt, davon 21.329.667 Impfungen mit Comirnaty, 1.667.261 Impfungen mit dem COVID-19-Impfstoff Moderna, 5.775.546 Impfungen mit Vaxzevria und 2.106 Impfungen mit dem COVID-19-Impfstoff Janssen. 

 

 

40,1% der unerwünschten Reaktionen waren zum Zeitpunkt der Meldung wieder vollständig abgeklungen und 22,4% der unerwünschten Reaktionen hatten sich gebessert. 24,6% wurden als noch nicht abgeklungen angegeben und der Ausgang von 11,2% der unerwünschten Reaktionen war zum Zeitpunkt der Meldung noch nicht bekannt. In 1,1% der Einzelfallmeldungen wurde ein tödlicher Ausgang berichtet. In 0,6 % der Verdachtsfälle wurde über einen unterschiedlichen bleibenden Schaden berichtet (z. B. Myokardinfarkt, Netzhautablösung, Narbe nach Kratzen an der Injektionsstelle).

 

 

Nach Bereinigung von Doppelmeldungen wurden dem Paul-Ehrlich-Institut bis zum 30.04.2021 insgesamt 16 Fälle berichtet, in denen eine Myokarditis im zeitlichen Zusammenhang mit einer Impfung gegen die COVID-19-Erkrankung diagnostiziert wurde. Hier zeigt die Altersverteilung eine Zunahme je jünger die Patienten werden. Insgesamt ist allerdings die Aussage bei der geringen Fallzahl sehr eingeschränkt. 

 

 

Dem Paul-Ehrlich-Institut wurden 524 Todesfälle (0,0018 % der geimpften Personen) in unterschiedlichem zeitlichen Abstand zur Impfung bei Personen im Alter von 24 bis 102 Jahren gemeldet.

 

 

Besonders erwähnenswert sind auch die Zahlen von Covid-19 und deren Komplikationen bei schon geimpften Personen. Das Bundesgesundheitsministerium schrieb am 13.05.2021 in einer Antwort an den freien Journalisten Boris Reitschuster, dass 2.707 Menschen in Deutschland nach einer Corona-Impfung an oder mit Covid-19 gestorben sind. 6.221 Geimpfte mussten wegen Covid-19 in ein Krankenhaus eingewiesen werden. Insgesamt wurden 57.146 nach einer Impfung positiv auf SARS-CoV-2 getestet, 33.269 von diesen erkrankten an Covid-19. Dies bedeutet, dass mehr als 5% der in diesem Jahr an Covid-19 Verstorbenen waren demnach mindestens einmal geimpft.

 

Wenn man sich die Gesamtsterblichkeit der Altersgruppe von 0-29, in drei Dekaden aufgeteilt, im Jahr 2020 zum Vergleich mit den Jahren 2012-2019 betrachtet ergibt sich für das Jahr 2020 in allen Altersdekaden die geringste Sterblichkeit. Covid-19 hat demnach keine statistische Auswirkung auf die Sterblichkeit bei der Altersgruppe von 0-29 Jahren.

 

 

Bei der noch unzureichenden Datenlage bezüglich den Impfungen bei Kindern sind folgende Fragen noch zu klären:

Sind Impfstoffe bei Kindern unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Immunantwort auf SARS-CoV-2-Infektionen sicher?

Wäre es möglich, dass eine Immunantwort auf die Covid-19-Impfung PIMS-TS auslösen könnte?

Verhindert die Impfung von Kindern PIMS-TS?

Sind Booster-Dosen erforderlich, um die Immunität aufrechtzuerhalten?

Verhindert der Impfung asymptomatische Erkrankungen?

Verhindert die Impfung eine Übertragung von Covid-19?

Was sind die Langzeitfolgen dieser Impfstoffe?

 

Der Deutsche Ärztetag vom 04./05.05.2021 beschloss Folgendes: „Auch Kinder und Jugendliche haben deutliche gesundheitliche Risiken infolge einer SARS-CoV-2-Erkrankung. Deshalb muss die Immunität auch für diese Gruppe durch eine Impfung und nicht durch eine Durchseuchung erzielt werden. … Das Recht auf Bildung mit Kita- und Schulbesuch kann im Winter 2021/2022 nur mit einer rechtzeitigen Covid-19-Impfung gesichert werden. Ohne rechtzeitige Impfung, insbesondere auch für jüngere Kinder, führt ein erneuter Lockdown für diese Altersgruppe zu weiteren gravierenden negativen Folgen für die kindliche psychische Entwicklung. … Die gleichberechtigte gesellschaftliche Teilhabe erlangen Familien mit Kindern nur mit geimpften Kindern zurück.“

 

Dieser Beschluss des Deutschen Ärztetages ist meines Erachtens nicht durch die aktuelle Studienlage gedeckt, vielmehr empfinde ich ihn als politische Entscheidung, welche sich von der evidenzbasierten Medizin vollkommen losgelöst hat! Ich distanziere mich ausdrücklich von diesem Beschluss!

 

23.05.2021

 

 

 

Covid-19 und Schwangerschaft

Zunächst einmal ist es interessant zu schauen, ob die Gesundheit von Schwangeren vor und während der Pandemie die gleiche ist. Margie H. Davenport et al. von der University of Alberta (Kanada) führten im April und Mai 2020 eine Befragung von insgesamt 900 Frauen (520 Schwangere und 320 Frauen im ersten Jahr nach der Entbindung) durch. Diese Erhebung zeigte eine erhebliche Zunahme von Depression und Angst, sowie eine Verringerung der körperlichen Aktivität während der Covid-19-Pandemie. Dies könnte das Risiko von mütterlichen und perinatalen Komplikationen erhöhen. (M.H. Davenport: “Moms Are Not OK: COVID-19 and Maternal Mental Health”, Front. Glob. Womens Health, 19.05.2020).

Eine systematische Auswertung von 192 Studien ergab, dass Schwangere kein erhöhtes Risiko für SARS-CoV-2-Infektionen oder symptomatische COVID-19 hatten. Im Vergleich zu nicht-schwangeren Frauen im gleichen Alter hatten Schwangere und kürzlich entbundene Frauen mit Covid-19 deutlich seltener Symptome. Allerdings hatten sie im Vergleich zu nicht-schwangeren Personen ein erhöhtes Risiko für einen schweren COVID-19-Verlauf. Als Risikofaktoren eines schweren Covid-19-Verlaufs wurden Bluthochdruck, vorbestehender Diabetes mellitus, hohes mütterliches Alter, ein hoher BMI und die Zugehörigkeit zu nicht-weißen ethnischen Bevölkerungsgruppe genannt. (J. Allotey: “Clinical manifestations, risk factors, and maternal and perinatal outcomes of coronavirus disease 2019 in pregnancy: living systematic review and meta-analysis.” BMJ, 01.09.2020).

In einer Auswertung von 42 Studien mit 438 548 Schwangeren fand sich, dass asymptomatische Covid-19-Schwangere im Vergleich mit symptomatischem Covid-19-Schwangeren ein erhöhtes Risiko für Frühgeburt und Kaiserschnitt hatten. Schwangere mit schwerem Covid-19-Verlauf hatten ein deutlich erhöhtes Risiko einer Präeklampsie und Frühgeburt. Bei den Frühgeburten konnte allerdings nicht unterschieden werden, ob diese medizinisch indiziert waren oder spontan. (Shu Qin Wei: “The impact of COVID-19 on pregnancy outcomes: a systematic review and meta-analysis”, cmaj, 19.04.2021).

Eine Zusammenfassung von 24 Studien mit allerdings insgesamt nur 136 Frauen ergab, dass das klinische Bild bei Schwangeren mit Covid-19 sich nicht von dem Nichtschwangerer unterschied. Die Rate der Frühgeburt und der Kaiserschnitte lag jedoch deutlich über dem internationalen Durchschnitt. Eine Aussage bezüglich der Gründe der Frühgeburten und Kaiserschnitten, ob medizinisch indiziert oder präventiv konnte, nicht gemacht werden. (R. Matar: “Clinical Presentation and Outcomes of Pregnant Women With Coronavirus Disease 2019: A Systematic Review and Meta-analysis”, Clin. Infect. Dis., 01.02.2021).

In einer Zusammenfassung von 16 Beobachtungsstudien und 44 Fallberichte/-serien wurde resümiert, dass die Infektion der Mutter und der Neugeborenen in der Regel mild ist und eine niedrige Sterblichkeitsrate aufwies. Das Risiko einer Übertragung auf das Kind wird als gering eingestuft und wurde nicht durch die Schwere der Erkrankung der Mutter beeinflusst. (I. Bellos: “ Maternal and perinatal outcomes in pregnant women infected by SARS-CoV-2: A meta-analysis”, Eur. J. Obstet. Gynecol. Reprod. Biol., 01.01.2021).

Dagegen in einer in den Medien viel zitierten Kohortenstudie an 2130 Schwangeren (706 Covid-19-Fälle und 1424 gesunde Schwangere) in 18 Ländern ergab sich für Mütter und Neugeborene mit Covid-19-Diagnose ein erhöhtes Morbiditäts- und Mortalitätsrisiko. Die Sterblichkeit von Müttern mit Covid-19 wird hier mit 1,6% angegeben, was einem 22%-Anstieg im Vergleich zu den gesunden Müttern entsprach. Dies waren 11 Frauen mit Covid-19-Diagnose. Davon hatten 4 eine schwere Präeklampsie, 5 hatten ein respiratorisches Versagen davon waren 2 in Zusammenhang mit einem Kaiserschnitt. 2 Mütter verstarben innerhalb einer Woche postpartum. Die folgende Grafik zeigt eine Aufstellung der Komplikationen und wurde aus der Originalstudie genommen. (José Villar: “Maternal and Neonatal Morbidity and Mortality Among Pregnant Women With and Without COVID-19 Infection - The INTERCOVID Multinational Cohort Study“, JAMA pediatric, 22.04.2021).

 

Aufgrund der verschiedenen Daten mit Covid-19 während der Schwangerschaft wird der Ruf nach Impfung von Schwangeren lauter. Es gibt insgesamt sehr wenige Daten von Impfungen Schwangerer. Eine abgeschlossene Studie über Impfung gegen SARS-CoV-2 bei Schwangerschaft existiert noch nicht.

In der in den USA eingerichteten Plattform „V-safe After Vaccination Health Checker“ haben sich bis Ende Februar 2021 35.601 Frauen registriert. Alle wurden während der Schwangerschaft oder kurz davor mit mRNA-Impfstoff geimpft. Das Call-center der US-amerikanischen Gesundheitsbehörde konnte mit Ende März 3958 davon befragen. In der Verträglichkeit gab es kaum Unterschiede zu nicht-schwangeren Frauen. Bei 827 Frauen, die überwiegend im 3. Trimenon geimpft wurden ist die Schwangerschaft beendet. 712 Frauen davon gebaren 724 lebende Kinder. Bei den übrigen 115 Frauen kam es zum Schwangerschaftsverlust. Darunter waren 10 Frauen mit induziertem Abort oder ektopischer Schwangerschaft. („SARS-CoV-2: Bisher keine Hinweise auf erhöhtes Impfrisiko für Schwangere und Ungeborene“, Ärzteblatt, 22.04.2021).

Die Abortrate lag nicht über der natürlichen Rate.

„Zur Anwendung der COVID-19-Impfstoffe in der Schwangerschaft liegen aktuell keine Daten vor. Die STIKO empfiehlt die generelle Impfung in der Schwangerschaft derzeit nicht.“ (STIKO, Epidemiologisches Bulletin, 16/2021, 22.04.2021).

 

08.05.2021

 

 

 

 

Der Beschluss aus Weimar

Das Amtsgericht in Weimar stellt am 08.04.2021 über die Klagen zweier Schüler in einem 178 Seiten langen Beschluss (Az.: 9 F 148/21) fest, dass den Schulleitungen und Lehrern, sowie deren Vorgesetzten untersagt wird, für die klagenden Schüler und allen weiteren an diesen Schulen unterrichtenden Kinder anzuordnen, dass im Unterricht und auf dem Schulgelände Gesichtsmasken aller Art, insbesondere Mund-Nasen-Bedeckungen, sog. qualifizierte Masken (OP-Maske oder FFP2-Maske) oder andere, zu tragen. Weiterhin wird untersagt die Anordnung von Mindestabständen untereinander oder zu anderen Personen einzuhalten, die über das vor dem Jahr 2020 Gekannte hinausgehen und zu verlangen an Schnelltests zur Feststellung des Virus SARS-CoV-2 teilzunehmen. Weiterhin muss der Präsenzunterricht gewährleistet sein.

Von der Gutachterin Prof. Dr. Kappstein (Hygienikerin, Fachärztin für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie sowie Fachärztin für Hygiene und Umweltmedizin) wurde bezüglich dem fehlenden Nutzen des Maskentragens und des Einhaltens von Abstandsvorschriften für die Kinder selbst und Dritte die gesamte internationale wissenschaftliche Datenlage zu Masken ausgewertet. „Zur Überzeugung des Gerichts führt sie zusammenfassend aus, dass eine Effektivität von Masken für gesunde Personen in der Öffentlichkeit nicht durch wissenschaftliche Evidenz belegt ist. Ebenso sind ‚Fremdschutz‘ und die ‚unbemerkte Übertragung‘, womit das RKI seine ‚Neubewertung‘ begründet hat, nicht durch wissenschaftliche Fakten gestützt. … Vielmehr sprechen alle gegenwärtig verfügbaren wissenschaftlichen Ergebnisse dafür, dass Masken keinen Effekt auf das Infektionsgeschehen haben. Durchweg alle Publikationen, die als Beleg für die Wirksamkeit von Masken im öffentlichen Raum angeführt werden, lassen diese Schlussfolgerung nicht zu. … Das Infektionsrisiko wird durch das Tragen der Masken nicht nur nicht gesenkt, sondern durch die inkorrekte Handhabung der Maske noch gesteigert.“

Es wird auch auf die Entscheidungspolitik der Regierung bezüglich der Masken eingegangen: „Die geänderten Einlassungen der Politik zu Masken, erst Stoffmasken in 2020, dann seit Anfang 2021 entweder OP-Masken oder FFP2-Masken, lassen jede klare Linie vermissen. Auch wenn OP-Masken und FFP-Masken beides medizinische Masken sind, haben sie unterschiedliche Funktionen und sind deshalb nicht austauschbar. Entweder hat die Politik, die diese Entscheidungen getroffen hat, selbst nicht verstanden, wozu welcher Maskentyp sich prinzipiell eignet, oder es kommt ihr darauf nicht an, sondern nur auf den symbolischen Wert der Maske. Die Masken-Entscheidungen der Politik sind aus der fachlichen Sicht der Gutachterin nicht nachvollziehbar und schonend ausgedrückt als unplausibel zu bezeichnen.“

Das Gericht in Weimar fasst bezüglich den Masken folgendes zusammen: „Es gibt keine Belege dafür, dass Gesichtsmasken unterschiedlicher Art das Infektionsrisiko durch SARS-CoV-2 überhaupt oder sogar nennenswert senken können. Diese Aussage trifft auf Menschen aller Altersgruppen zu, also auch auf Kinder und Jugendliche sowie auf asymptomatische, präsymptomatische und symptomatische Personen. Im Gegenteil besteht eher die Möglichkeit, dass durch die beim Tragen von Masken noch häufigeren Hand-Gesichtskontakte das Risiko erhöht wird, selbst mit dem Erreger in Kontakt zu kommen oder Mit-Menschen damit in Kontakt zu bringen. Für die normale Bevölkerung besteht weder im öffentlichen noch im privaten Bereich ein Infektionsrisiko, das durch das Tragen von Gesichtsmasken (oder anderen Maßnahmen) gesenkt werden könnte. Es gibt keinen Anhalt dafür, dass die Einhaltung von Abstandsvorschriften das Infektionsrisiko senken kann. Dies gilt für Menschen aller Altersgruppen, also auch für Kinder und Jugendliche.“

Auch das zweite Gutachten von Prof. Dr. Kuhbandner (Professor für Psychologie, Lehrstuhlinhaber des Lehrstuhls für Pädagogische Psychologie an der Universität Regensburg und Experte im Bereich wissenschaftlicher Methoden und Diagnostik) bestätigt vollkommen die Ergebnisse des Gutachtens von Frau Prof. Kappstein.

Das Gericht geht auch auf die Rolle der Schule als Infektionsherd ein. In den Medien und Politik wird der Eindruck erweckt, dass die Schüler Hauptreiber der Infektionswelle sind. „Die aktuell angeblich steigenden Infektionszahlen bei Kindern gehen nach den Ausführungen des Gutachters mit hoher Wahrscheinlichkeit in Wirklichkeit darauf zurück, dass die Testanzahl bei den Kindern in den vorangegangenen Wochen stark zugenommen hat. Da das Ansteckungsrisiko an Schulen an sich sehr klein ist, ist selbst bei einer möglichen Erhöhung der Ansteckungsrate bei der neuen Virusvariante B.1.1.7 in der in Studien vermuteten Größenordnung nicht damit zu rechnen, dass sich an Schulen die Virusausbreitung nennenswert erhöht.“

Auch auf die Rolle der PCR-Tests ist das Gericht eingegangen. Meine bisherigen Beiträge auf meiner Homepage zu den PCR-Tests, wo ich schon früh auf die Schwächen der PCR hingewiesen hatte, waren interessanterweise die einzigen Einträge wo ich teils aggressive Mails erhielt. Ich hatte da fast den Eindruck, dass ich der Gotteslästerung bezichtigt werde. Umso mehr freut es mich natürlich, dass meine Einschätzung der PCR aufgrund meiner Recherche vollständig bestätigt wird.

Das molekularbiologische Sachverständigengutachten von Prof. Dr. rer. biol. hum. Ulrike Kämmerer (Universitätsklinikum Würzburg, Frauenklinik, Schwerpunkte Humanbiologie, Immunologie und Zellbiologie) bestätigt, „dass ein PCR-Test – auch wenn er korrekt durchgeführt wird - keinerlei Aussage dazu treffen kann, ob eine Person mit einem aktiven Erreger infiziert ist oder nicht.“ Sie bestätigt, dass ein positiver PCR-Test unter keinen Umständen bedeutet, dass diese Person ansteckend ist.

Die Anzahl der zu testenden Zielgenen in der PCR wurden nach Vorgaben der WHO sukzessive von ursprünglich drei auf nur eins reduziert. Dadurch erhöht sich die Fehlerquelle der PCR dramatisch, was direkte Auswirkung auf die Inzidenz hat. „Die Gutachterin rechnet vor, dass durch die Verwendung nur noch eines zu testenden Zielgens bei einer Mischpopulation von 100.000 Tests mit keiner einzigen tatsächlich infizierten Person aufgrund einer bei einem Instand-Ringversuch festgestellten mittleren Fehlerrate sich ein Ergebnis von 2.690 falsch positiv Getesteten ergibt. Bei Verwendung von 3 Zielgenen wären es lediglich 10 falsch positiv Getestete. Würden die 100.000 durchgeführten Tests repräsentativ bei 100.000 Bürgern einer Stadt/eines Landkreises innerhalb von 7 Tagen durchgeführt sein, so ergibt sich alleine aus dieser Reduzierung der verwendeten Zielgene hinsichtlich der „Tagesinzidenz“ ein Unterschied von 10 Falsch-Positiven gegenüber 2690 Falsch-Positiven und davon abhängig die Schwere der ergriffenen Freiheitsbeschränkungen der Bürger. Wäre konsequent die korrekte „Targetanzahl“ von drei bzw. sogar besser (wie z.B. in Thailand) bis zu 6 Genen für die PCR-Analyse verwendet worden, hätte sich die Rate der positiven Tests und damit die „7-Tagesinzidenz“ fast komplett auf null reduziert.“

Auch auf den berühmten ct-Wert wird eingegangen und auch hier bestätigt sich die wissenschaftliche Auffassung, dass ct-Werte > 35 Schrott sind. „…nach einhelliger wissenschaftlicher Meinung alle „positiv“-Resultate, die erst ab einem Zyklus von 35 erkannt werden, keinerlei wissenschaftliche (d.h.: keine evidenzbasierte) Grundlage haben. Im Bereich ct-Wert 26-35 kann der Test nur als positiv gewertet werden, wenn mit Virusanzucht abgeglichen. Der mit Hilfe der WHO weltweit propagierte RT-qPCR Test zum Nachweis von SARS-CoV-2 hingegen war (und ihm folgend auch alle anderen auf ihm als Blaupause basierenden Tests) auf 45 Zyklen eingestellt, ohne einen CT-Wert für „positiv“ zu definieren.“

Es wird auch Stellungnahme zur WHO-Empfehlung, auf die ich bereits mehrfach eingegangen bin, bezogen, dass ein positiver PCR-Test ohne Symptome wiederholt werden muss. Dies wird ja bekanntlich von dem RKI weiterhin ignoriert.

Bemerkenswert ist, dass das Gericht in Weimar international renommierte, unabhängige Wissenschaftler in die Entscheidung mit einbezieht. Die Bundesregierung hat sich bisher ja damit hervorgetan, dass sie sich nur mit nicht-unabhängige Wissenschaftler befasst, die in dem Narrativ der Regierung liegen. Alle anderen Wissenschaftler werden bislang ignoriert. „Die infection fatality rate jedenfalls beträgt nach einer Metastudie des Medizinwissenschaftlers und Statistikers John Ioannidis, eines der meistzitierten Wissenschaftler weltweit, die im Oktober 2020 in einem Bulletin der WHO veröffentlicht wurde, 0,23 % und liegt damit nicht höher als bei mittelschweren Influenzaepidemien. … Ioannidis kam auch in einer im Januar 2021 veröffentlichten Studie zum Ergebnis, dass lockdowns keinen signifikanten Nutzen haben.“ Auf die zweit zitierte Studie bin ich bereits ausführlich eingegangen.

Bezüglich den Schnelltests an den Schulen kommt da Gericht zu dem Schluss, dass dies verfassungswidrig ist. „Denn bei den konkreten Abläufen des Testgeschehens in den Schulen erscheint es unvermeidlich, dass zahlreiche weitere Personen (Mitschüler, Lehrer, andere Eltern) Kenntnis von einem beispielsweise „positiven“ Testergebnis erhalten würden.“ Das Gericht weitet dies sogar noch deutlich aus indem es festlegt: „Das gilt im Übrigen entsprechend, wenn ähnliche Testbarrieren beim Zugang zum Einkaufen oder zu kulturellen Veranstaltungen errichtet werden.“

Ein zentraler Satz in diesem Urteil ist folgender: „Schulen spielen keine wesentliche Rolle im „Pandemie“-Geschehen.“

Das schon fast pseudoreligiöse Durführen von Schnelltests in den Schulen wird außer Verhältnis zum Effekt bezeichnet.

Aufgrund von Daten aus Österreich errechnet das Gericht: “100.000 Grundschüler müssten eine Woche lang sämtliche Nebenwirkungen des Maskentragens in Kauf nehmen, um nur eine einzige Ansteckung pro Woche zu verhindern. Dieses Ergebnis nur als unverhältnismäßig zu bezeichnen, wäre eine völlig unzureichende Beschreibung. Vielmehr zeigt sich, dass der diesen Bereich regulierende Landesverordnungsgeber in eine Tatsachenferne geraten ist, die historisch anmutende Ausmaße angenommen hat.“

Bei diesem Urteil von Weimar handelt es sich genauer gesagt um einen Beschluss im Verfahren des einstweiligen Rechtsschutzes, also im Eilverfahren. Allerdings gehen die Richter davon aus, dass dieser Beschluss später bestätigt wird. „Es erscheint nach dem gegenwärtigen Ermittlungsstand sehr wahrscheinlich, dass dieses Ergebnis im Hauptsacheverfahren bestätigt wird. Weitere Ausführungen bleiben einer Entscheidung dort vorbehalten.“

Unabhängig davon hat dieser Beschluss Signalwirkung und das nächste Gericht in Weilheim bestätigte kurz darauf die Auffassung von Weimar. In dem folgenden Eintrag gehe ich auf dieses Urteil dann ein.

 

 

18.04.2021

 

Am 26.04. fand bei dem Familienrichter, welcher diesen Beschluss erlies, eine Hausdurchsuchung statt. Die Staatsanwaltschaft hat beim Amtsgericht Weimar ein Ermittlungsverfahren wegen dem Verdacht auf Rechtsbeugung eingeleitet. Es wird ihm vorgeworfen, dass er seine Zuständigkeit angenommen habe, obwohl das Verwaltungsgericht hierfür zuständig sei. Der Familienrichter beruft sich auf den § 1666, Absatz 4 des BGB, worin steht, dass ein Familiengericht zur Abwendung von Gefahren für Kinder „auch Maßnahmen mit Wirkung gegen einen Dritten“ treffen könne. Mit „Dritten“ seien nicht nur Personen, sondern auch öffentliche Einrichtungen wie Schulen gemeint.

Diese Frage muss letztlich die Justiz klären. Allerdings kommen die anderen Gerichte bei der Beurteilung der Klagen gegen die Maskenpflicht an Schulen nicht um die dem Beschluss zugrunde liegenden Gutachten herum. Mit diesen Gutachten, welche fachlich sehr gut sind, muss man sich beschäftigen statt diese zu ignorieren. Beim Anzweifeln der Ergebnisse dieser Gutachten müssten dann Gegengutachten gemacht werden. Das dürfte sich sehr schwierig gestalten. Doch bisher vermisse ich eine inhaltliche Auseinandersetzung.

Interessanterweise hat das Oberlandesgericht Karlsruhe, 20. Zivilsenat - Senat für Familiensachen, aktuell in einem ähnlichen Fall, wo das Familiengericht an das Verwaltungsgericht verwiesen hat, einen Beschluss auf eine Anregung gemäß § 1666 BGB gefasst: "Das Familiengericht hat aufgrund einer solchen Anregung nach pflichtgemäßem Ermessen Vorermittlungen einzuleiten. Besteht ein die Verfahrenseinleitung rechtfertigender Anlass, muss das Familiengericht ein Verfahren einleiten." (AZ 20 WF 70/21). 

Damit dürfte dem Vorwurf der Rechtsbeugung gegen den Familienrichter aus Weimar, sowie gegen die Familienrichterin aus Weilheim, gegen die ebenfalls ermittelt wird, jegliche Grundlage entzogen sein. Ich hoffe, dass es nun wieder um die Inhalte geht und ein besonnener und sachlicher Umgang mit den Beschlüssen und den zugrundeliegenden Gutachten stattfinden kann. 

 

01./02.05.2021

 

 

Das Urteil aus Weilheim

Ein weiteres bemerkenswertes Urteil fällte das Amtsgericht Weilheim i.OB., Abteilung für Familiensachen am 13.04.2021 (Az.: 2 F 192/219). Darin wird die Schulleitung angewiesen gegenüber der klagenden Schülerin es zu unterlassen die Anordnung zu treffen, dass sie eine Maske tragen muss. Weiterhin darf sie nicht ungleich behandelt werden wie z.B. im Klassenverband isoliert zu werden. Nach dem Einholen ausführlicher Gutachten schreibt das Gericht: „Zur Überzeugung des Gerichts steht daher fest, dass das körperliche Wohl von Kindern durch das länger andauernde Tragen der Masken, wie im Schulunterricht gefährdet werden kann.“ Bezüglich der Befangenheit des Robert-Koch-Institut kommt es zum Schluss: „Da das Institut nicht unabhängig ist, können die Gerichte im Rahmen der gebotenen Sachverhaltsaufklärung nicht allein auf dessen Einschätzung zurückgreifen.“ Dies steht im direkten Widerspruch zu der Handlungsweise der Bundes- und Landesregierungen, welche sich ausschließlich auf die Meinung nicht unabhängiger Wissenschaftler berufen.

Auch bei dem Thema PCR-Test beruft sich das Gericht auf die WHO. „Nach offiziellen Verlautbarungen der WHO ist der PCR-Test, auf dem die Inzidenzzahlen im wesentlichen beruhen, kein geeignetes Mittel, um eine Krankheit oder einen Ansteckungsverdacht festzustellen. … Das heißt, dass die Zahl der falsch positiven Testresultate umgekehrt proportional zu den Symptomen der getesteten Personen ansteigt. Je weniger klinische Symptome die Personen aufweisen, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Tests ein falschpositives Ergebnis liefern.“ Auch dies ist eine Ohrfeige für die Regierung und RKI welche diese Tatsache bis jetzt ignoriert.

Auf die fehlende Geeignetheit der Masken zur Reduzierung des Ansteckungsrisikos wurde ebenfalls eingegangen und weitere Sachverständige hinzugezogen. „Die Sachverständige Frau Prof. Kappstein, an deren Eignung und Qualifikation das Gericht keinen Zweifel hat, kommt als Fazit ihres 69 Seiten umfassenden Gutachtens zu folgendem Schluss: Es gibt keine Belege dafür, dass Gesichtsmasken unterschiedlicher Art das Infektionsrisiko durch SARS-CoV-2 überhaupt oder sogar nennenswert senken können. Diese Aussage trifft auf Menschen aller Altersgruppen zu, also auch auf Kinder und Jugendliche sowie auf asymptomatische, präsymptomatische und symptomatische Personen. Im Gegenteil besteht eher die Möglichkeit, dass durch die beim Tragen von Masken noch häufigeren Hand-Gesichtskontakte das Risiko erhöht wird, selbst mit dem Erreger in Kontakt zu kommen oder Mit-Menschen damit in Kontakt zu bringen. Für die normale Bevölkerung besteht weder im öffentlichen noch im privaten Bereich ein Infektionsrisiko, das durch das Tragen von Gesichtsmasken (oder anderen Maßnahmen) gesenkt werden könnte. a) Kein wissenschaftlicher Beleg für die Wirksamkeit der Masken gegen die Ausbreitung des Virus SarsCov2.“ Weiterhin wird darauf verwiesen, dass das RKI durch Weglassen realistischerer Studien in ihrer Neubewertung von Masken bei der Bevölkerung gegen die Grundsätze wissenschaftlichen Arbeitens verstößt. „Damit liefert jedenfalls die Neubewertung des RKI keine überzeugende Grundlage für die Beurteilung der Masken als geeignetes Mittel zur Erreichung des mit der Verordnung angestrebten Zwecks.“

Weiterhin wird der Frage nach den Gefahren durch den fehlerhaften Gebrauch von Masken nachgegangen: Eine korrekte Handhabung der Maske mit der entsprechenden Hygiene ist durch die Schüler kaum möglich. “Zusammenfassend besteht demnach die Gefahr, dass die Maskenpflicht an Schulen dazu führt, dass die Verbreitung des Virus nicht eingedämmt, sondern eher gefördert wird.“

Auf die Verhältnismäßigkeit der Maßnahmen wird in dem Urteil ebenfalls Bezug genommen: „Angesichts des mit der Verpflichtung zum Masketragen allenfalls verbundenen Nutzens im Vergleich zur damit verbundenen Schädigung der Kinder ist diese Verpflichtung unverhältnismäßig. Die Anordnung der Maskenpflicht an Schulen gem. § 18 Abs. 2 der Bayerischen Infektionsschutzverordnung ist daher verfassungswidrig und damit nichtig.“

Ganz interessant ist auch die Stellungnahme zu bestehenden Diskriminierungen von Schülern welche aus gesundheitlichen Gründen keine Maske tragen können durch und dem psychologischen Gruppendruck welcher auf diese Schüler einwirkt. Dieser Gruppendruck ist von dem Gesetzgeber gewünscht und wird auch auf die Ärzte ausgeübt. So in dem Urteil: „Auch die Ärzte unterliegen dem bereits erfolgreich etablierten Gruppendruck und noch dazu der realistischen Gefahr, dass sie im Falle der Ausstellung von Maskenattesten die Durchsuchung ihrer Praxis unter dem Verdacht des Ausstellens falscher Gesundheitszeugnisse befürchten müssen.“ Dieser Sachverhalt ist mir an persönlich bekannten Beispielen aufgefallen. Kollegen, welche aus medizinischen Gründen ihren Patienten ein solches Attest ausgestellt hatten, wurden die Praxisräume von der Polizei untersucht. In den lokalen Medien wurden diese Kollegen dann als Leugner, Gefährder und Verbrecher behandelt. Nachdem die Vorwürfe sich als haltlos erwiesen hatten, vermisst man immer noch das Erratum dieser Medien.

 

Dieses Urteil bezieht sich nur auf die klagende Schülerin. Die Beweisführung hat allerdings weitreichende Bedeutung, insofern sie als Begründung für andere Urteile dienen wird. Durch die Kenntnis dieses Urteils und dieser dazu führenden Gutachten heißt, dass jeder Lehrer und Schulleiter, der diese rechtswidrigen Maßnahmen bei den Schülern anordnet, sich strafbar macht! Das Argument, man habe nur auf Anweisung oder Anordnung gehandelt wird nicht gelten. „Grundsätzlich trägt der Beamte die Verantwortung für die Rechtmäßigkeit seiner dienstlichen Handlung. Von dieser Verantwortung wird er freigestellt, wenn er seiner Remonstrationspflicht nachkommt und Bedenken zum Beispiel gegen die Rechtmäßigkeit dienstlicher Anordnungen geltend macht. Die Remonstrationspflicht besteht bereits dann, wenn der Beamte die Weisung als möglicherweise rechtswidrig ansieht.“ (Deutscher Beamtenbund).

 

18.04.2021

 

 

 

Ad26.COV2.S (JNJ-78436735) von Janssen

Der Adenovirus-Vektorimpfstoff Ad26.COV2.S von Janssen, einer Tochterfirma von Johnson & Johnson hat seit Mitte März eine bedingte Zulassung in der EU. (European Medicines Agency: “EMA recommends COVID-19 Vaccine Janssen for authorisation in the EU”, 11.03.2021). Er wird als Einmalgabe verabreicht. Als Vektor wird ein modifiziertes, nicht vermehrungsfähiges humanes Adenovirus (Serotyp 26) verwendet in dessen Genom die DNA-Sequenz für das Spike-Protein von SARS-CoV-2 eingefügt wurde. (EMA / Janssen: „Summary of product characteristics“ 11.03.2021)

In der laufenden Phase-III-Studie ENSEMBLE wird an knapp 44 000 Erwachsenen aus den USA (44%), Lateinamerika (41%) und Südafrika (15%) die Wirksamkeit geprüft. Als Endpunkte sind Covid-19-Erkrankungen ab dem Tag 15 und ab Tag 29 nach Impfung welche als mindestens moderat eingestuft wird (positiver PCR-Test plus mindestens zwei Symptome wie Fieber, Tachycardie > 90/min, Schüttelfrost, Halsschmerzen, Husten, Krankheitsgefühl, Kopfschmerzen, Muskelschmerzen, Magen-Darm-Symptome, Geschmack- oder Geruchsstörungen oder mindestens eines der Symptome wie Atemfrequenz >20/min, Kurzatmigkeit, erniedrigte Sauerstoffsättigung, allerdings > 93%, Nachweis einer Lungenentzündung oder tiefer Beinvenenthrombose). In einer mittleren Nachbeobachtungszeit von 8 Wochen reduziert der Impfstoff von Janssen Covid-19 ab dem Tag 15 um 66,9% und ab Tag 29 um 66.1%. Als sekundärer Endpunkt war die Verhinderung schwerer Covid-19-Erkrankungen. Hier ergab sich eine Wirksamkeit von 76,7% (ab Tag 15, 14 Fälle auf 19 514 Probanden in der Impfgruppe und 60 Fälle auf 19 554 Probanden in der Placebogruppe) und 85,4% (ab Tag 29, 5 Fälle auf 19 306 Probanden in der Impfgruppe und 34 Fälle auf 19178 Probanden in der Placebogruppe). Die Wirksamkeit gegenüber der Südafrikamutante B.1.351 wird bei moderaten Covid-19-Erkrankungen etwas geringer mit 52% gemessen. Bei den schweren Covid-19-Erkrankungen scheint eine ähnliche Wirksamkeit gegenüber der Südafrikamutante B1.341 und der Brasilienmutante P.2 zu sein. Die britische Mutante B.1.1.7 wurde in der Studie nicht nachgewiesen.

Lokale Impfreaktionen mit bis zu drei Tagen Dauer traten bei 50,2% der Geimpften auf, systemische Impfreaktionen wie Kopfschmerz, Müdigkeit, Muskelschmerzen, Übelkeit und Fieber traten bei 55,1% auf. Jüngere Personen waren häufiger betroffen. In der ENSEMBLE-Studie traten 6 tiefe Beinvenenthrombosen bei den Geimpften (2 in der Placebogruppe), 4 Lungenembolien (1 in der Placebogruppe) und eine Sinusvenenthrombose auf. Die Sinusvenenthrombose führte zu einem vorübergehenden Stopp der Phase-III-Studie. (FDA: Emergency Use Authorization (EUA) for an Unapproved Product  Review Memorandum”, 04.02.2021;   Janssen: “A Randomized, Double-blind, Placebo-controlled Phase 3 Study to Assess the Efficacy and Safety of Ad26.COV2.S for the Prevention of SARS-CoV-2-mediated COVID-19 in Adults Aged 18 Years and Older ENSEMBLE Protocol VAC31518COV3001; Phase 3”, 14.12.2020)  

Nachdem vier schwerwiegende thrombomebolische Ereignisse bei Personen auftraten, nachdem sie mit COVID-19 Vaccine Janssen geimpft worden waren, überprüft der Pharmakovigilanzausschuss PRAC der EMA aktuell ein Sicherheitssignal zum COVID-19-Impfstoff von Janssen. In allen Fällen lag eine Thrombozytopenie vor. Dem PRAC zufolge starb ein Geimpfter an den Folgen der thromboembolischen Komplikationen. Momentan sei nicht klar, ob es einen kausalen Zusammenhang gibt. (European Medicines Agency: “Meeting highlights from the Pharmacovigilance Risk Assessment Committee (PRAC) 6-9 April 2021”, 09.04.2021).

Wie lange der Impfschutz anhält ist für alle Covid-19-Vaccine bisher unbekannt. Es läuft nun seit Ende 2020 eine weitere Phase-III-Studie (ENSEMBLE 2) mit zwei Impfungen im Abstand von 8 Wochen, da man von anderen vektorbasierten Impfstoffen mit einer zweiten Impfung eine Boosterung hervorrufen kann. Darin sind auch Probanden aus Europa eingeschlossen. (Janssen: “A Randomized, Double-blind, Placebo-controlled Phase 3 Study to Assess the Efficacy and Safety of Ad26.COV2.S for the Prevention of SARS-CoV-2-mediated COVID-19 in Adults Aged 18 Years and Older ENSEMBLE 2 Protocol VAC31518COV3009; Phase 3”, 18.12.2020;   U.S. National Library of Medicine: “A Study of Ad26.COV2.S for the Prevention of SARS-CoV-2-mediated COVID-19 in Adults (ENSEMBLE 2)”, 09.04.2021).

Ad26.COV2.S von Janssen ist wie der Impfstoff von AstraZeneca ein DNA-Vektor-Impfstoff. Weiterhin gelten Adenoviren als DNA-Viren laut RKI als generell nicht integrierende Vektoren, d.h. sie integrieren ihr Erbgut nicht ins Zellgenom. (Robert-Koch-Institut, „Covid-19 und Impfen: Antworten auf häufig gestellte Fragen“, Stand 11.02.2021). Hier nochmals der Verweis auf die Studie welche allerdings zeigte, dass es auch bei nicht-replizierenden DNA-Viren doch nicht vollends ausgeschlossen ist, dass es zu dauerhaften Insertionen kommen kann. In 0,001 bis 1% der Zellen können zufällige bleibende Insertionen im Genom durch nicht-replikationsfähige Adenovirenvektoren entstehen. (K. Mitani, „Adenovirus as an integrating vector“, Current Gene Therapy, 02/2002).

Über Langzeitfolgen wie das Entstehen von z.B. Autoimmunerkrankungen, neurologischen Erkrankungen, Tumorerkrankungen etc. kann zum jetzigen Augenblick noch keinerlei Aussage getroffen werden.

 

 

09.04.2021

 

 "Johnson & Johnson: USA wollen Impfungen wegen Blutgerinnseln aussetzen! Das Anti-Corona-Vaczin von Johnson & Johnson soll in den USA vorerst nicht mehr verimpft werden. Das empfehlen nach Angaben der New York Times zwei US-Gesundheitsbehörden. Zuvor hatte es Berichte über das Auftreten von Blutgerinnseln in sechs Fällen nach Impfung gegeben." (Redaktionsnetzwerk Deutschland, 13.04.2021)

 

 

13.04.2021

 

 

PCR-Test: Ein österreichisches Gericht nimmt dazu Stellung

In vorherigen Einträgen bin ich bereits mehrfach auf die Stellungnahme der WHO bezüglich den PCR-Tests eingegangen. Wenn ein positives Ergebnis nicht mit der Symptomatik des Getesteten übereinstimmt, so muss ein erneuter Test durchgeführt werden. Hier wird der Tatsache der häufig falsch positiven Tests Rechnung getragen. Die PCR ist laut WHO nichts weiter als ein Hilfsmittel in der Diagnostik und daher sollten Ärzte jedes Testergebnis immer nur im Zusammenhang mit weiteren Faktoren zur Diagnose verwenden. Allein aufgrund eines positiven PCR-Tests von einer Infektion auszugehen ist nicht korrekt. (WHO information notice for IVD users 2020/05, “Nucleic acid testing (NAT) technologies that use polymerase chain reaction (PCR) for detection of SARS-CoV2”, 20.01.2021). Auf eine Gerichtsentscheidung vom 11.11.2020 in Portugal bezüglich der PCR-Tests bin ich in dem Eintrag: „Gericht in Portugal urteilt: PCR-Tests sind unzuverlässig und dürfen keine Quarantäne begründen!“ eingegangen.

Das Verwaltungsgericht in Wien ist aktuell in einem Urteil vom 24.03.2021 ganz konkret auf den PCR-Test und die WHO-Empfehlung eingegangen. Ich zitiere hier aus dem Urteil: „…Darüber hinaus ist zu der beauftragten „Information aus gesundheitlicher Sicht“ Nachstehendes auszuführen: Der Gesundheitsdienst der Stadt Wien verwendet darin die Wörter „Fallzahlen“, „Testergebnisse“, „Fallgeschehen“ sowie „Anzahl an Infektionen“. Dieses Durcheinanderwerfen der Begriffe wird einer wissenschaftlichen Beurteilung der Seuchenlage nicht gerecht. Für die WHO (WHO Information Notice for IVD Users 2020/05, Nucleic acid testing (NAT) technologies that use polymerase chain reaction (PCR) for detection of SARS-CoV-2, 20 January 2021) ausschlaggebend ist die Anzahl der Infektionen/Erkrankten und nicht der positiv Getesteten oder sonstiger „Fallzahlen“. Damit bleibt es schon damit offen, von welchen Zahlen die „Information“ ausgeht. Die „Information“ nimmt Bezug auf die Empfehlung der Corona-Kommission vom 21.1.2021. Es ist mangels Angaben nicht nachvollziehbar, ob die dieser Empfehlung zugrundeliegenden Zahlen nur jene Personen enthalten, die nach den Richtlinien der WHO zur Interpretation von PCR-Tests vom 20.01.2021 untersucht wurden. Konkret ist nicht ausgewiesen welchen CT-Wert ein Testergebnis hatte, ob ein Getesteter ohne Symptome erneut getestet und anschließend klinisch untersucht wurde. Damit folgt die WHO dem Erfinder der PCR-Tests, … ( https://www.youtube.com/watch?...). Mutatis mutandis sagt er damit, dass ein PCR-Test nicht zur Diagnostik geeignet ist und daher für sich alleine nichts zur Krankheit oder einer Infektion eines Menschen aussagt. Laut einer Studie aus dem Jahr 2020 (Bullard, J., Dust, K., Funk, D., Strong, J. E., Alexander, D., Garnett, L., ... & Poliquin, G. (2020). Predicting infectious severe acute respiratory syndrome coronavirus 2 from diagnostic samples. Clinical Infectious Diseases, 71(10), 2663-2666.) ist bei CT-Werten größer als 24 kein vermehrungsfähiger Virus mehr nachweisbar und ein PCR Test nicht dazu geeignet, die Infektiosität zu bestimmen. Geht man von den Definitionen des Gesundheitsministers, „Falldefinition Covid-19“ vom 23.12.2020 aus, so ist ein „bestätigter Fall“ 1) jede Person mit Nachweis von SARS-CoV-2 spezifischer Nukleinsäure (PCR-Test, Anm.), unabhängig von klinischer Manifestation oder 2) jede Person, mit SARS-CoV-2 spezifischem Antigen, die die klinischen Kriterien erfüllt oder 3) jede Person, mit Nachweis von SARS-CoV- spezifischem Antigen, die die epidemiologischen Kriterien erfüllt. Es erfüllt somit keiner der drei vom Gesundheitsminister definierten „bestätigten Fälle“ die Erfordernisse des Begriffs „Kranker/Infizierter“ der WHO. Das alleinige Abstellen auf den PCR-Test (bestätigter Fall 1) wird von der WHO abgelehnt, siehe oben. Das Abstellen auf eine Antigen-Feststellung mit klinischen Kriterien (bestätigter Fall 2) läßt offen, ob die klinische Abklärung durch einen Arzt erfolgt ist, dem sie ausschließlich vorbehalten ist; maW: ob eine Person krank ist oder gesund, muss von einem Arzt getroffen werden (vgl. § 2 Abs. 2 Z 1 und 2 Ärztegesetz 1998, BGBl. I. Nr. 169/1998 idF BGBl. I Nr. 31/2021). Zu den Antigentests ist überdies zu bemerken, dass diese bei fehlender Symptomatik hochfehlerhaft sind (https://www.ages.at/...). Dennoch stützt sich die Corona-Kommission für die aktuellen Analysen ausschließlich auf Antigen-Tests (siehe Monitoring der Covid-19 Schutzmaßnahmen, Kurzbericht 21.1.2021). Ein Antigen-Test bestätigt einen Fall (3) auch dann, wenn eine Kontaktnachverfolgung zu der zu bestätigenden Person erfolgreich war. Damit werden dann zwei aufeinandertreffende Antigen-positiv getestete Personen auf einmal zum bestätigten Fall auch ohne klinischer Manifestation und ohne PCR-Test unter Anwendung der WHO-Richtlinien. Sollte die Corona-Kommission die Falldefinition des Gesundheitsministers zugrunde gelegt haben, und nicht jene der WHO; so ist jegliche Feststellung der Zahlen für „Kranke/Infizierte“ falsch. …“ (Verwaltungsgericht Wien, GZ: VGW-103/048/3227/2021-2 vom 24.03.2021).

Doch was hat dieses österreichische Urteil für eine Auswirkung für Deutschland. Zunächst natürlich keine, da es sich ja um ein nichtdeutsches Gericht handelt. Aber die Falldefinitionen von Covid-19 und die Zählweise der „Infektionszahlen“ sind einander ähnlich.

Bei der Falldefinition der Coronavirus-Krankheit-2019 (COVID-19) (SARS-CoV-2) laut Robert-Koch-Institut (RKI) gibt es drei Unterteilungen. Das klinische Erscheinungsbild, der laborchemische Nachweis und die epidemiologische Bestätigung:

Das klinisches Bild eines COVID-19 ist definiert als mindestens eines der drei folgenden Kriterien: akute respiratorische Symptome jeder Schwere, neu aufgetretener Geruchs- oder Geschmacksverlust, krankheitsbedingter Tod.

Der labordiagnostische Nachweis beinhaltet ein positiver Befund mit mindestens einer der drei folgenden Methoden: Antigennachweis (einschließlich Schnelltest), Erregerisolierung (kulturell), Nukleinsäurenachweis (z.B. PCR).

Die epidemiologische Bestätigung ist definiert als folgender Nachweis unter Berücksichtigung der Inkubationszeit: epidemiologischer Zusammenhang mit einer labordiagnostisch nachgewiesenen Infektion beim Menschen durch Mensch-zu-Mensch-Übertragung, Inkubationszeit maximal 14 Tage. Die epidemiologische Bestätigung ist erfüllt, wenn Kontakt zu einem bestätigten Fall bestanden hat, aber auch bei einer Zugehörigkeit zu einem Ausbruchsgeschehen. (https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Falldefinition.pdf?__blob=publicationFile).

Dieses österreichische Gerichtsurteil birgt insofern eine gewaltige Sprengkraft auch für die deutsche Gesundheitspolitik, da wie bekannt sich das Robert-Koch-Institut ebenfalls nicht an die WHO-Empfehlung hält. Die Umsetzung der WHO-Empfehlung hätte ein deutliches Abfallen der Inzidenz zur Folge. Es würde auch bedeuten, dass viele Menschen zu Unrecht in Quarantäne geschickt worden wären.

 

 

Und nochmals zur Erinnerung. Meine Einträge sollen nicht die Existenz von SARS-CoV-2 leugnen oder die schweren Verläufe verharmlosen. Ich möchte auf die Verhältnismäßigkeit der Maßnahmen blicken und eine sachliche Diskussion auslösen. 

 

07.04.2021

 

 

 

Aktuelle Zahlen und Grafiken zu Covid-19!

Hier wieder die aktualisierten Daten:

Die Inzidenz wird berechnet aus den positiven PCR-Tests geteilt durch die Zahl der Einwohner multipliziert mit 100 000. Dieser offizielle Inzidenzwert beinhaltet auch die Fälle, welche später gemeldet werden. Eine bereinigte Darstellung wird hier abgebildet.

Diese Grafiken zeigen die Resultate der PCR-Tests an. Doch ist die PCR das Maß aller Dinge? Die WHO korrigierte ihre Haltung zu den PCR-Tests am 20.01.2021, indem sie die Richtlinie für die Interpretation von PCR-Tests änderte: Wenn ein positives Ergebnis nicht mit der Symptomatik des Getesteten übereinstimmt, so muss ein erneuter Test durchgeführt werden. Hier wird der Tatsache der häufig falsch positiven Tests Rechnung getragen. Die PCR ist laut WHO nichts weiter als ein Hilfsmittel in der Diagnostik und daher sollten Ärzte jedes Testergebnis immer nur im Zusammenhang mit weiteren Faktoren zur Diagnose verwenden. Allein aufgrund eines positiven PCR-Tests von einer Infektion auszugehen ist nicht korrekt. (WHO information notice for IVD users 2020/05, “Nucleic acid testing (NAT) technologies that use polymerase chain reaction (PCR) for detection of SARS-CoV2”, 20.01.2021). Bei der Bundespressekonferenz auf diese neue Richtline der WHO angesprochen erwiderte Prof. Drosten, dass diese Information der WHO für Länder mit schlechtem Ausbildungsstand sei. Prof. Wieler, der Leiter des RKI, antwortete ausweichend auf die Frage nach der Umsetzung dieser WHO-Festlegung ohne die Frage zu beantworten. Insgesamt wurden die Vertreter auf der Bundespressekonferenz sechsmal von dem Journalisten Reitschuster auf diesen Widerspruch angesprochen und nie erhielt er eine Antwort.

 

Ein wichtiger Gesichtspunkt ist es auch zu schauen, wie viele von den PCR-positiven Patienten auch schwer erkranken, wie groß die Hospitalisierung ist, wie groß der Anteil der intensivpflichtigen Patienten und wie hoch die Sterberate ist. 

Am 29.01.2021 meldet der SWR: „Immer mehr Infizierte erkranken so schwer an Covid-19, dass sie auf einer Intensivstation behandelt werden müssen. Experten rechnen damit, dass die Zahl der Intensivpatienten rasant ansteigen wird.“ Am 01.04. warnen die Intensivmediziner, dass bereits in 4 Wochen die Intensivstationen voll sein könnten. "Seit Mitte März sind unterm Strich 1000 Intensivpatienten zusätzlich in den Krankenhäusern gelandet. Wenn sich diese Geschwindigkeit fortsetzt, sind wir in weniger als vier Wochen an der regulären Kapazitätsgrenze angelangt! Wir malen keine Schreckensbilder, unsere Warnungen sind von den Zahlen gedeckt!" (Prof. C. Karagiannidis, Sprecher der Deutschen interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI)). In den folgenden Grafiken sind die Daten der DIVI dargestellt.

Die oben stehende Grafik zeigt die Auslastung der Intensivbetten. Die an Covid-19 erkrankten Patienten (rot) nehmen aktuell wieder ab, die Gesamtzahl der belegten Betten auf den Intensivstationen (rot + blau) bleibt seit Ende April 2020 ziemlich konstant. Die Anzahl der gesamt zu belegenden Betten (rot + blau + grün) nahm allerdings ab der Kalenderwoche 32 letztes Jahr insgesamt ab und hält sich seit der Kalenderwoche 50/51 stabil unterhalb der durchschnittlichen Gesamtbettenzahl aus dem Jahr 2018. Als eine der Hauptursachen für den Bettenabbau wird der Fachpflegemangel angegeben. Hier wiederhole ich meine Frage an die Regierung: Da die Politik schon früh wusste, dass eine zweite Welle kommen wird, warum wurden im Sommer keinerlei Anstrengungen unbenommen das Fachpflegepersonal aufzustocken? Wer trägt dafür die politische Verantwortung? Doch stattdessen wurde abgewartet bis man wieder einen Lockdown – entgegen WHO-Empfehlung – machen kann!

 

Am 19.11.2020 trat das Dritte Gesetz zum Schutz der Bevölkerung bei einer epidemischen Lage von nationaler Tragweite (3. Bevölkerungsschutzgesetz) in Kraft. Darin werden die sogenannten "Freihalte-Pauschalen" für Kliniken wieder eingeführt: Kliniken deren Intensivstationen > 75% Belegung haben und in dem Gebiet die 7-Tagesinzidenz > 70 liegt bekommen Förderzahlungen vom Bund. Hat etwa der Abbau von freien Intensivbetten mit dieser finanziellen Förderung zu tun? Denn wenn man z.B. eine Intensivstation mit 10 Betten hat, von denen 6 belegt sind (60%-Belegung) und man dann drei Betten streicht, so steigt die prozentuale Belegung bei weiterhin 6 belegten Betten auf 86% und das Krankenhaus würde ggf. die Förderzahlungen erhalten.

Ein besonderer Blick soll nun der Sterbestatistik gelten. Natürlich ist jeder einzelne Todesfall tragisch! Das ist er aber unabhängig von der Todesursache, denn es gibt keine Toten erster und zweiter Klasse. Der Blick soll hier auf das Gesamte und nicht auf Einzelbeispiele zielen.

Tagesschau, 29.01.2021: "So viele Todesfälle wie zuletzt vor 50 Jahren". So lautet die Überschrift eines Artikels bezogen auf den Dezember 2020. Doch stimmt diese Titelnachricht? Wenn man wie in der obigen Darstellung die monatlichen Sterberaten in absoluter Zahl miteinander vergleicht schon.  In den folgenden Grafiken und Tabellen erkennt man allerdings, wenn man die Rohdaten um die demographischen Faktoren bereinigt und es auf die einzelnen Altersgruppen aufschlüsselt, dass im Vergleich der Verstorbenen bis 2012 das Jahr 2020 an zweit letzter Stelle liegt. Dies lässt sich wie folgt erklären:

 

Ein Fehler liegt im Vergleich der absoluten Zahlen! Der Vergleich der reinen Todeszahlen „So viele Todesfälle wie zuletzt vor 50 Jahren“ ohne Bezug auf die Bevölkerungsstruktur ist nicht statistisch korrekt. Man benötigt das Verhältnis der Gesamtbevölkerung, die demographische Entwicklung (wie viele Menschen mit einem bestimmten Lebensalter lebten in den jeweiligen Jahren). Dann muss man in einem Rückblick errechnen wie viele Personen in den jeweiligen Jahrgängen gestorben sind. Wenn insgesamt in einem Jahr der Anteil älteren Personen ansteigt, sterben dann natürlich mehr Personen in der Gruppe in der absoluten Zahl, auch wenn der prozentuale Sterbeanteil gleich geblieben ist. Daher ist das Verwenden von absoluten Zahlen nicht korrekt und stiftet Verwirrung.

In der Grafik unten sieht man, dass es je nach Zählweise gerade im Jahr 2020 zu großen Unterschieden der Todeszahlen kommt.

Wenn man daher die Bevölkerung in verschiedene Altersgruppen in z.B. Dekaden einteilt. Wenn man diese Gruppen noch in prozentualen Anteilen aufschlüsselt, ist der absolute Anteil der jeweiligen in der Gruppe lebenden Personen irrelevant, da die Veränderung innerhalb der einzelnen Gruppen in den einzelnen Jahren verglichen werden kann. 

Die Bevölkerungsstruktur in Deutschland hat sich in den letzten Jahren verändert. Die Einwohnerzahl ist von 2011 bis 2019 um fast 3 Millionen gewachsen. Ein besonders großer Zuwachs ist in den Altersgruppen 80-89 und 90+ zu verzeichnen. Gleichzeitig nahm die Bevölkerungsgruppe von 40-49 Jahren ab. Das muss beim Vergleich der Sterberaten beachtet werden. 

In der oben stehenden Tabelle sind die absoluten Sterbezahlen von 2012 -2020 miteinander verglichen und auch die prozentualen Anteile. Das Gesamtäquivalent vergleicht die Sterblichkeit im Vergleich zu einem Referenzjahr. Dazu benötigt man für einen bestimmten Zeitraum die Daten der Gesamtbevölkerung, die Gesamtzahl der Verstorbenen, die Bevölkerung in den Altersgruppen und die Toten in den Altersgruppen. Die Sterblichkeit in den Altersgruppen müssen prozentual dargestellt werden. Damit man die Sterblichkeit der einzelnen Gruppen allerdings miteinander vergleichen und in ein Ranking einfügen kann, braucht man das sogenannte Gesamtäquivalent. Hierbei wird die Sterberate des jeweiligen Jahres mit dem Anteil der Bevölkerung die 2020 gelebt hat multipliziert. Dann kann man in Summe diesen Anteil an Verstorbenen die sich daraus errechnen in Prozent zur Gesamtbevölkerung setzen und bekommt einen direkten Vergleich wie viele Menschen prozentual im Vergleich dazu gestorben sind. Somit hat man einen direkten Vergleich der einzelnen Jahre miteinander und kann so ein Ranking erstellen. So erkennt man, dass das Jahr 2020 in den letzten 9 Jahren an zweitletzter (!) Stelle steht. Das heißt, dass im Jahr 2020 am zweitwenigsten Menschen in den letzten 9 Jahren verstorben sind! Im Jahr 2013 sind dagegen am meisten Menschen gestorben. So kann man den reißerischen Tagesschautitel „So viele Todesfälle wie zuletzt vor 50 Jahren“ als falsch entlarven. Wenn man nur absolute Zahlen miteinander vergleicht, entstehen zwar angsteinflößende Überschriften, welche allerdings nicht der Realität entsprechen und die Bevölkerung nicht richtig informieren!

 

Nun noch einen kleinen Ausblick nach Schweden. Schweden hat deutlich weniger gravierende Coronamaßnahmen durchgeführt. Die Presse betreibt hierbei ebenfalls ein sogenanntes „framing“: „Trauriger Rekord: Über 10 000 Corona-Tote in Schweden“ (Blick, 14.01.2021), oder „Schweden: Die meisten Toten! Rekord-Tode: Die Statistiken widerlegen alle, die den Sonderweg von Schweden loben“ (Volksverpetzer, 15.01.2021), oder „Schweden zählt die meisten Tote seit 150 Jahren“ (ntv, 17.01.2021). In der nachfolgenden Auswertung erkennt man, dass das Jahr 2020 in Schweden bezüglich der Sterblichkeit auf Rang 9 im Vergleich mit den Jahren bis 2010 liegt. Nur in den Jahren 2019 und 2018 gab es eine geringere Sterblichkeit in Schweden. Diese Zahlen bestätigen den schwedischen Sonderweg durchaus. Die Rolle der Medien muss auch hier wieder hinterfragt werden. Das Erzeugen von Angst durch reißerische Berichterstattung ist in einer solchen Krise kontraproduktiv und führt zur Verzerrung der Tatsachen.

 

03.04.2021, aktualisiert 17.04.2021

 

 

Wirksamkeitsdaten zu den Impfungen

Nun kommen inzwischen die ersten Daten über die Wirksamkeit der Covid-19-Impfstoffe aus der Anwendung. Diese Daten sind insofern interessant, um zu beurteilen wie die Wirkung bei älteren Menschen sind, da es in den Zulassungsstudien nur wenige Probanden waren. Ebenso ist die Frage wichtig, ob die Impfung nicht nur Symptome lindert, sondern auch, ob die Übertragung vermindert wird.

In der Studie von Dagan werden die Daten des israelischen Gesundheitsministerium zu der BioNTech-Vaccine BNT162B2 verwendet. Darin wurden alle Personen, die im Zeitraum vom 20. Dezember 2020 bis zum 1. Februar 2021 neu geimpft wurden, je nach demografischen und klinischen Merkmalen mit ungeimpften Kontrollen in einem Verhältnis von 1:1 verglichen. Zu den Studienergebnissen gehörten dokumentierte Infektionen mit dem schweren akuten Atemwegssyndrom Coronavirus 2 (SARS-CoV-2), symptomatische Covid-19, Covid-19-bezogene Krankenhausaufenthalte, schwere Krankheiten und Tod. Jede Studiengruppe umfasste 596.618 Personen. Geschätzte Wirksamkeit des Impfstoffs für die Studienergebnisse an den Tagen 14 bis 20 nach der ersten Dosis und 7 oder mehr Tage nach der zweiten Dosis war wie folgt: bei dokumentierter Infektion 46% (95% Konfidenzintervall [CI], 40 bis 51) und 92% (95% CI, 88 bis 95); für symptomatische Covid-19, 57% (95% CI, 50 bis 63) und 94% (95% CI, 87 bis 98); für Krankenhausaufenthalte 74 % (95 % CI, 56 bis 86) und 87 % (95 % CI, 55 bis 100); schweren Krankheiten 62 % (95 % CI, 39 bis 80) bzw. 92 % (95 % CI, 75 bis 100). Geschätzte Wirksamkeit bei der Verhinderung des Todes von Covid-19 war 72% (95% CI, 19 bis 100) für Tage 14 bis 20 nach der ersten Dosis. Die geschätzte Wirksamkeit in bestimmten Subpopulationen, die auf dokumentierte Infektionen und symptomatische Covid-19 untersucht wurden, war altersübergreifend konsistent, mit potenziell leicht geringerer Wirksamkeit bei Personen mit multiplen koexistierenden Erkrankungen. Eine getrennte Auswertung für die britische Mutation B.1.1.7 gibt es nicht in dieser Studie. (N. Dagan: „BNT162b2 mRNA Covid-19 Vaccine in a Nationwide Mass Vaccination Setting”, New England Journal of Medicine, 24.02.2021).

Eine dänische Studie befasste sich mit der Impfwirkung von der BioNTech-Vaccine in Pflegeheimen: Insgesamt wurden 39.040 Bewohner in Langzeitpflegeeinrichtungen (LTCF-Bewohner) (Mittleres Alter bei der ersten Dosis; 84 Jahre, Interquartilbereich (IQR): 77-90) und 331.039 Personen als medizinisches Personal „an vorderster Front“ (HCW) (Medianalter bei der ersten Dosis; 47 Jahre, IQR: 36-57 Jahre) einbezogen. Bei den Bewohnern der LTCF erhielten 95,2 % und 86,0 % vom 27. Dezember 2020 bis zum 18. Februar 2021 die erste und zweite Dosis, bei HWC betrug der Anteil 27,8 % bzw. 24,4 %. Während einer medianen Nachbeobachtungszeit von 53 Tagen gab es 488 und 5.663 bestätigte SARS-CoV-2-Fälle in den ungeimpften Gruppen, während es 57 und 52 bei LTCF-Bewohnern und HCW innerhalb der ersten 7 Tage nach der zweiten Dosis und 27 und 10 Fälle nach sieben Tagen der zweiten Dosis gab. Bei den LTCF-Bewohnern wurde nach der ersten Dosis keine Schutzwirkung beobachtet. In HCW betrug die Impfwirksamkeitsschätzung (VE) 17% (95% CI; 4-28) in der > 14 Tage nach der ersten Dosis (vor der zweiten Dosis). Darüber hinaus betrug die VE bei den LTCF-Bewohnern am Tag 0-7 der zweiten Dosis 52 % (95 % CI; 27-69) und 46 % (95 % CI; 28-59) in HCW. Nach sieben Tagen der zweiten Dosis stieg VE in den beiden Gruppen auf 64% (95% CI; 14-84) bzw. 90% (95% CI; 82-95). Das Ergebnis ist demnach, dass nach der ersten mRNA-Impfung mit BioNTech kein signifikanter Unterschied gesehen wurde. Auch nach der zweiten Impfung ist die Wirksamkeit deutlich geringer als in der Zulassungsstudie. (IR Moustsen-Helms: “Vaccine effectiveness after 1st and 2nd dose of the BNT162b2 mRNA Covid-19 Vaccine in long-term care facility residents and healthcare workers – a Danish cohort study”, Europe PMC, 09.03.2021, preprint!)

Eine Beobachtungsdaten-Linkage-Studie in Wales (UK), an der 14.104 geimpfte Bewohner von Altenpflegeheimen eingeschlossen wurden. Es wurde die Hazard Ratios (HRs) für das Risiko geschätzt, nach 7 oder 21 Tagen positiv auf SARS-CoV-2-Infektion nach der Impfung getestet zu werden. Es wurde ein kleiner Anteil der Pflegeheimbewohner mit positiven PCR-Tests nach der Impfung 1,05% (N=148) beobachtet, wobei 90% der Infektionen innerhalb von 28 Tagen auftreten. Für die 7-tägige Richtungsanalyse fand sich ein reduziertes Risiko einer SARS-CoV-2-Infektion für geimpfte Personen, die eine frühere Infektion hatten; HR (95% Konfidenzintervall) 0,54 (0,30,0,95) und eine erhöhte HR für diejenigen, die den Pfizer-BioNTECH-Impfstoff im Vergleich zum Oxford-AstraZeneca erhalten; 3.83 (2.45,5.98). Für die 21-Tage-Analyse wurden hohe HRs bei Personen mit niedriger und mittlerer Gebrechlichkeit im Vergleich zu Personen ohne beobachtet; 4,59 (1,23,17,12) bzw. 4,85 (1,68,14,04). Ein erhöhtes Infektionsrisiko nach 21 Tagen war mit Gebrechlichkeit verbunden. Die meisten Infektionen traten innerhalb von 28 Tagen nach der Impfung auf, was darauf hindeutet, dass in diesem Zeitraum zusätzliche Vorsichtsmaßnahmen zur Verringerung des Übertragungsrisikos getroffen werden sollten. (J. Hollinghurst: “COVID-19 Infection Risk amongst 14,104 Vaccinated Care Home Residents: A national observational longitudinal cohort study in Wales, United Kingdom, December 2020 to March 2021”, medRxiv, 24.03.2021, preprint!)

Eine große Studie aus England welche alle Erwachsenen im Alter von 70 Jahren und älter (über 7,5 Millionen) einschloss. Alle COVID-19-Tests in der Gemeinschaft bei berechtigten Personen, die zwischen dem 8. Dezember 2020 und dem 19. Februar 2021 Symptome berichteten, wurden in die Analyse einbezogen. Personen im Alter von >=80 Jahren, die vor dem 4. Januar mit BNT162b2 geimpft wurden, hatten in den ersten 9 Tagen nach der Impfung eine höhere Wahrscheinlichkeit, positiv zu testen (odds ratio bis zu 1,48, 95%CI 1,23-1,77), was darauf hindeutet, dass die ursprünglich Angesprochenen ein höheres zugrunde liegendes Infektionsrisiko hatten. Die Wirksamkeit des Impfstoffs wurde daher im Verhältnis zum Basiszeitraum nach der Impfung geschätzt. Impfstoffeffekte wurden von 10-13 Tagen nach der Impfung festgestellt, die eine Wirksamkeit von 70% erreichten (95% CI 59-78%) von 28-34 Tage, dann Plateau. Ab 14 Tagen nach der zweiten Dosis eine Impfstoffwirksamkeit von 89% (95%CI: 85-93%) gesehen wurde. Personen im Alter von >=70 Jahren, die ab dem 4. Januar geimpft wurden, hatten ein ähnliches zugrunde liegendes Risiko von COVID-19 wie ungeimpfte Personen. Mit BNT162b2 erreichte die Wirksamkeit des Impfstoffs 61% (95%CI 51-69%) von 28-34 Tage nach der Impfung dann Plateau. Mit dem ChAdOx1-Impfstoff wurden Impfeffekte von 14-20 Tagen nach der Impfung beobachtet, die eine Wirksamkeit von 60% erreichten (95%CI 41-73%) von 28-34 Tagen und weiter auf 73% (95%CI 27-90%) ab dem 35. Tag. Zusätzlich zum Schutz vor symptomatischen Erkrankungen hatten Fälle, die mit einer Dosis BNT162b2 geimpft worden waren, zusätzlich 43% (95%CI 33-52%) geringeres Risiko für einen Notfallkrankenhausaufenthalt und zusätzliche 51% (95%CI 37-62%) geringeres Sterberisiko. Fälle, die mit einer Dosis ChAdOx1 geimpft worden waren, hatten zusätzlich 37% (95% CI 3-59%) geringeres Risiko eines Notfallkrankenhauses. Es gab keine ausreichendes follow up, um die Auswirkungen von ChAdOx1 auf die Sterblichkeit aufgrund der späteren Einführung dieses Impfstoffs zu bewerten. Beide Impfstoffe wirken sich eindeutig auf die britische Variante B.1.1.7 aus. (JL Bernal: “Early effectiveness of COVID-19 vaccination with BNT162b2 mRNA vaccine and ChAdOx1 adenovirus vector vaccine on symptomatic disease, hospitalisations and mortality in older adults in England”, Europe PMC, 02.03.2021, preprint!)

Eine kleinere englische Studie, beobachtete in einem Krankenhaus in Bristol zwischen dem 18.12.2020 und dem 26.02.2021 insgesamt 466 Patienten mit einem Atemwegsinfekt. Davon waren 144 mit positivem SARS-CoV-2-Test. Die Wirksamkeit des Impfstoffs in der ersten Dosis von BNT162b2 betrug dabei 71,4% (95% Konfidenzintervall [CI] 46,5-90,6). Die ChAdOx1nCoV-19-Erste-Dosis-Impfstoff-Wirksamkeit betrug 80,4% (95% CI 36,4-94,5). Als die Wirksamkeitsanalyse für BNT162b2 auf den von ChAdOx1nCoV-19 abgedeckten Zeitraum beschränkt war, lag die Schätzung bei 79,3 % (95 % CI 47,0-92,5). (C. Hyams: “Assessing the Effectiveness of BNT162b2 and ChAdOx1nCoV-19 COVID-19 Vaccination in Prevention of Hospitalisations in Elderly and Frail Adults: A Single Centre Test Negative Case-Control Study”, the lancet, 03.03.2021, preprint!)

Eine schottische prospektive Kohortenstudie nutzte die Daten die aus Impfungen, Primärversorgung, Real-Time Polymerase Chain Reaction (RT-PCR)-Tests, Krankenhausaufenthalts- und Mortalitätsaufzeichnungen für 5,4 Millionen Menschen in Schottland (für 99 % der Bevölkerung) bestand. Ein zeitabhängiges Cox-Modell und Poisson-Regressionsmodelle wurde angepasst, um die Wirksamkeit gegen COVID-19-bezogene Krankenhausaufenthalte (definiert als 1- Adjusted Hazard Ratio) nach der ersten Impfstoffdosis zu schätzen. Die erste Dosis von BNT162b2 war mit einer Impfstoffwirkung von 85% (95% Konfidenzintervall [CI] 76 bis 91) für COVID-19-bezogene Krankenhausaufenthalte an 28-34 Tagen nach der Impfung verbunden. Der Impfeffekt im gleichen Zeitintervall für den ChAdOx1-Impfstoff betrug 94% (95% CI 73 bis 99). Die Ergebnisse des kombinierten Impfstoffeffekts zur Vorbeugung von COVID-19-bedingten Krankenhausaufenthalten waren vergleichbar, wenn man die Analyse auf Personen ≥80 Jahre beschränkte (81 %; 95 % CI 65 bis 90 an 28-34 Tagen nach der Impfung). (E. Vasileiou: “Effectiveness of First Dose of COVID-19 Vaccines Against Hospital Admissions in Scotland: National Prospective Cohort Study of 5.4 Million People”, the lancet, 19.02.2021, preprint!)

Die Studie eines Teams des Cambridge University Hospitals NHS Foundation Trust (CUH) und der Universität Cambridge analysierte die Ergebnisse von Tausenden von COVID-19-Tests, die jede Woche im Rahmen ihrer Screening-Programme an Krankenhauspersonal durchgeführt wurden, die keine Anzeichen einer Infektion zeigten. Die Impfung für medizinisches Personal auf dem CUH-Gelände begann am 8. Dezember 2020 mit einer Massenimpfung ab dem 8. Januar 2021. Während eines Zwei-Wochen-Zeitraums zwischen dem 18. und 31. Januar 2021 überprüfte das Team eine ähnliche Anzahl von geimpften und ungeimpften Mitarbeitern mit rund 4.400 PCR-Tests pro Woche. Die Ergebnisse wurden dann getrennt, um ungeimpftes Personal und Mitarbeiter zu identifizieren, die mehr als 12 Tage vor dem Test geimpft worden waren (wenn ein Schutz gegen symptomatische Infektionen vermutet wird). Die Studie ergab, dass 26 von 3.252 (0 80%) Tests von ungeimpften Gesundheitspersonal waren positiv. Dies gegenüber 13 von 3.535 (0,37%) Tests von Gesundheitspersonal weniger als 12 Tage nach der Impfung und 4 von 1.989 (0-20%) Tests von Gesundheitspersonal nach 12 Tagen oder mehr nach der Impfung. (M. Weekes: “Single-dose BNT162b2 vaccine protects against asymptomatic SARS-CoV-2 infection”, authorea, 24.02.2021, preprint!)

Studien, welche sich mit dem Thema der Infektiösität Geimpfter beschäftigt sind sehr schwierig durchzuführen. Die wenigen Studien die sich damit befassen schlussfolgern aufgrund einer geringeren Viruslast (gemessen am Ct-Wert der PCR) im Rachen Geimpfter als bei Nichtgeimpften. (M. Levine-Tiefenbrun: “Decreased SARS-CoV-2 viral load following vaccination”, medRxiv, 08.02.2021, preprint!;  E. Petter: “Initial real world evidence for lower viral load of individuals who have been vaccinated by BNT162b2”, medRxiv, 07.02.2021, preprint!) 

 

Auffällig ist, dass sich keine der Studien sich mit Nebenwirkungen befasst. In dem Sicherheitsbericht des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) liest man im Sicherheitsbericht: „Bis zum 12.03.2021 erhielt das Paul-Ehrlich-Institut insgesamt 19.194 Einzelfallberichte zu Verdachtsfällen von Nebenwirkungen oder Impfkomplikationen (unerwünschte Reaktionen) nach Impfung mit COVID-19-Impfstoffen in Deutschland. In 2.287 (11,9 %) der Fälle wurde über schwerwiegende unerwünschte Reaktionen berichtet. Im zeitlichem Zusammenhang mit der Impfung mit Comirnaty (BioNTech) wurden 10.498 Fälle gemeldet, davon wurden 1.728 Meldungen als schwerwiegend klassifiziert. Im zeitlichen Zusammenhang mit der Impfung mit dem COVID-19-Impfstoff Moderna wurden 736 Fälle berichtet, davon waren 113 Fälle schwerwiegend. Im zeitlichen Zusammenhang mit der Impfung mit dem COVID-19-Impfstoff AstraZeneca wurden 7.663 Fälle berichtet, davon waren 352 Fälle schwerwiegend. Bei 297 Fällen wurde nicht spezifiziert, welcher Impfstoff verabreicht wurde, darunter 94 Fälle schwerwiegender Reaktionen ohne Angabe des Handelsnamens. … In 2.287 Verdachtsfällen wurden schwerwiegende unerwünschte Reaktionen gemeldet. Als schwerwiegende Reaktionen gelten solche, bei denen die Personen im Krankenhaus behandelt werden oder Reaktionen, die als medizinisch bedeutsam eingeordnet wurden. 1.728 dieser Verdachtsfälle traten nach Impfung mit Comirnaty, 113 schwerwiegende Verdachtsfälle nach Impfung mit dem COVID-19-Impfstoff Moderna und 352 schwerwiegende Verdachtsfälle traten nach Impfung mit dem COVID-19-Impfstoff AstraZeneca auf. In 94 Verdachtsfällen wurde der Impfstoff nicht angegeben. In 351 dieser Verdachtsfälle sind die Personen in unterschiedlichem zeitlichen Abstand zur Impfung gestorben.“ Bezüglich der medial oft genannten Sinusvenenthrombose liest man „Bis zum 19.03.2021 wurden 14 Fälle einer Sinusvenenthrombose nach Impfung mit dem COVID-19-Impfstoff AstraZeneca gemeldet. In neun Fällen wurde auch eine Thrombozytopenie gemeldet. Mit Ausnahme eines Falles betrafen alle Fälle Frauen im Alter von 20 bis 63 Jahren. Zwei Patientinnen verstarben. Zwei Fälle einer Sinusvenenthrombose wurden nach Impfung mit Comirnaty gemeldet. In keinem Fall lag hier eine Thrombozytopenie vor. Die Patientinnen waren 47 und 86 Jahre alt." (PEI: „Sicherheitsbericht 27.12.2020 bis 12.03.2021“). Der Sicherheitsbericht des PEI wird inzwischen nicht mehr wöchentlich, sondern alle zwei Wochen veröffentlicht.

 

29.03.2021

 

Eine aufgrund der Daten der europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) erstellte Statistik zeigt ab dem Januar ein deutliches Ansteigen der gemeldeten Arzneimittelnebenwirkungen:

 

Bei genauerer Analyse zeigt sich, dass dieser Anstieg durch die Komplikationen durch die Impfung gegen SARS-CoV-2 beruhen und hier in erster Linie der Impfstoff von BioNTech angeführt wird: 

Insgesamt wird nur ein geringer Prozentsatz der Nebenwirkungen gemeldet, so dass die Dunkelziffer deutlich höher liegen wird. Ein transparentes Monitoring und Aufarbeiten der Nebenwirkungen vermisse ich leider.

 

AstraZeneca hat seinen Impfstoff nun umbenannt: Er heißt jetzt VAXZEVRIA. Dabei handelt es sich lediglich um eine Umetikettierung, der Inhalt ist der gleiche! 

 

31.03.2021

 

RRR und ARR:

Als relative Risikoreduktion (RRR) wird die Wirksamkeit des Impfstoffes bezeichnet. Das relative Risiko (RR) gibt an, um Welchen Anteil im Verhältnis das bestehende Risiko eines entsprechenden Krankheitsmerkmals durch das Impfen verändert wird. an. Ein RR > 1 bedeutet eine Zunahme und ein RR < 1 eine Abnahme des Auftretens des entsprechenden Merkmals in der Impfgruppe. Das gemeldeten Wirksamkeiten ergeben relative Risikoreduktionen von 95% für die Pfizer/BioNTech, 94% für Moderna, 90% für den Sputnik V und je 67% für den Jansen- für den AstraZeneca-Impfstoff. Die absolute Risikoreduktion (ARR) gibt an, um wie viele Prozentpunkte bezogen auf die gesamte Population das Risiko eines entsprechenden Krankheitsmerkmals durch das Impfen verringert wird. Die ARR wird in der Regel ignoriert, da sie eine viel weniger beeindruckende Effektgröße als die RRR ist. So ergibt sich eine ARR von 1,3% für den AstraZeneca-Impfstoff, 1,2% für den Moderna-Impfstoff, 1,2% für die Jansen-Vakzine, 0,93% für Sputnik V und 0,84% für den Pfizer/BioNTech-Impfstoff. Die ARR ist aussagekräftiger als die RRR, bei der eine Untergruppe isoliert betrachtet wird. Aus der ARR lässt sich errechnen, wie viele Personen geimpft werden müssen, um ein Endpunktereignis (hier ein Covid-19-Fall) zu verhindern, die sogenannte number needed to vaccinated (NNV). NNVs bringen eine andere Perspektive: 76 für den Moderna-Impfstoff, 78 für den AstraZeneca-Impfstoff, 80 für Sputnik V, 84 für die Jansen-Vakzine und 117 für den Pfizer/BioNTech-Impfstoff. Mit der Verwendung von nur RRRs und unter Auslassung von ARRs wird eine Meldeverzerrung eingeführt, die die Interpretation der Impfstoffwirksamkeit beeinflusst. Die Frage, ob ein Impfstoff mit einer bestimmten Wirksamkeit in der Studienpopulation die gleiche Wirksamkeit in einer anderen Population mit unterschiedlichem Hintergrundrisiko von COVID-19 haben wird, ist bisher unbeantwortet. Der einzige gemeldete Hinweis auf die Wirksamkeit von Impfstoffen ist die israelische Massenimpfkampagne mit dem Pfizer-BioNTech-Produkt. Dort errechnet sich eine NNV von 217, in der Phase-3-Studie war die NNV 117. Dies bedeutet, dass in einer realen Umgebung möglicherweise 1,8-mal mehr Probanden geimpft werden müssen, um einen weiteren Fall von COVID-19 zu verhindern, als in der entsprechenden klinischen Studie vorhergesagt. (P. Olliaro: „COVID-19 vaccine efficacy and effectiveness—the elephant (not) in the room”, The Lancet, 20.04.2021).

Auf die Probleme mit dem Verständnis von RRR und ARR bei der Bewertung klinischer Studiendaten von Angehörigen der Gesundheitsberufe und der allgemeinen Öffentlichkeit geht Brown in seiner Studie ein. Das Fehlen einer gemeldeten absoluten Risikoreduktion in klinischen Studien mit COVID-19-Impfstoffen kann zu einer Verzerrung der Ergebnisberichterstattung führen, die die Interpretation der Impfstoffwirksamkeit beeinflusst. Basierend auf Daten des Herstellers für den Pfzier/BioNTech-Impfstoff BNT162b2 zeigt dies eine relative Risikoreduktion von 95,1% und eine absolute Risikominderung, 0,7%. Für den Moderna-Impfstoff zeigt die Bewertung: relative Risikoreduktion 94,1%, absolute Risikominderung, 1,1%. Eine kritische Bewertung der klinischen Studiendaten der Phase III für den Pfizer/BioNTech-Impfstoff BNT162b2 und den Moderna-Impfstoff mRNA-1273 zeigt, dass die ARR sehr viel niedriger sind als die gemeldeten RRR. Dennoch versäumten es die Hersteller die ARR in öffentlich veröffentlichten Dokumenten zu melden. Der Autor fasst zusammen, dass solche Beispiele eine Irreführung darstellen und gegen ethische Verpflichtungen verstößt. (R.B. Brown: “Outcome Reporting Bias in COVID-19 mRNA Vaccine Clinical Trials”, Medicina, 26.02.2021).

 

 

30.05.2021

 

 

 

 

SARS-CoV-2: Eine Zukunftsperspektive

In einem in der Zeitschrift Science im Februar veröffentlichten Arbeit von Jennie S. Lavine wird ein interessanter Ausblick über die Zukunft von SARS-CoV-2 gegeben. (J. Lavine, “Immunological characteristics govern the transition of COVID-19 to endemicity”, Science, 12.02.2021).

229E, NL63, OC43 und HKU1 sind vier verschiedene Stämme von humanen Cornaviren (HCoVs) welche endemisch auf der ganzen Welt zirkulieren und nur leichte Symptome verursachen. Mehr als 90% der Menschen weisen Antikörper auf mindestens drei dieser Virenstämme auf. (S. Su, “Epidemiology, genetic recombination, and pathogenesis of coronaviruses.” Trends Microbiol., 21.03.2016). In den letzten Jahrzehnten sind zwei weitere HCoV-Stämme – SARS-CoV-1 und MERS-CoV – aufgetreten, welche eine höhere Fall-Sterblichkeit und Infektions-Sterblichkeit als Covid-19 aufwiesen, aber sich nicht weit verbreiten konnten. (M. Salamatbakhsh, “The global burden of premature mortality due to the Middle East respiratory syndrome (MERS) using standard expected years of life lost, 2012 to 2019”, BMC Public Health,14.11.2019;   S. Ruan, “Likelihood of survival of coronavirus disease 2019”, Lancet Infect. Dis., 30.03.2020).

In dem Modell von Lavine geht man davon aus, dass die von den verschiedenen HCoVs hervorgerufene Immunitäten sich gleichen und die starken Auswirkungen von SARS-CoV-2 auf die öffentliche Gesundheit daher rührt, dass das Virus auf eine immunologisch naive Bevölkerung gestoßen ist und daher vor allem bei der älteren Bevölkerung entsprechend schwere Krankheitsverläufe verursacht hat.

Die Erstinfektion mit den anderen HCoVs findet im Schnitt im Alter zwischen 3,4 und 5,1 Jahren statt. Praktisch jeder 15jährige hat eine solche Infektion durchgemacht. (W. Zhou, “First infection by all four non-severe acute respiratory syndrome human coronaviruses takes place during childhood.” BMC Infect. Dis., 16.09.2013). Reinfektionen mit HCoVs sind zwar möglich, allerdings durch das Immungedächtnis sind die Symptome sehr mild und das Virus wird rasch eliminiert. Die hohe Erkrankungsrate von Kindern lässt sich nicht alleine durch Ansteckung bei Primärinfizierten erklären, sondern auch durch Reinfektionen von älteren Menschen wegen einer abnehmenden sterilen Immunität. (K. A. Callow, “The time course of the immune response to experimental coronavirus infection of man.”, Epidemiol. Infect., 10/1990)

Lavine schreibt, dass zu Beginn des Ausbruches die Demographie der Infektion der Altersverteilung der Bevölkerung entspricht. Sobald ein stabiles Gleichgewicht erreicht ist, ereignen sich Primärinfektionen quasi nur noch bei Säuglingen und Kleinkindern, welche wie in dem Fall von Covid-19 nur geringe Krankheitsschwere haben. Eine Reinfektion der älteren Bevölkerung, welche ein hohes Risiko für schwere Verläufe bei naivem Immunstatus haben, wären in dem Zeitpunkt des stabilen Endemiestatus durch die Immunisierung im Kindesalter dann aber vor schweren Verläufen geschützt. Den Berechnungen nach läge das Verhältnis von Sterbefällen zu den Infektionen dann bei < 0,1% und somit niedriger als die saisonale Grippe. Impfung von Kindern wäre demnach überflüssig.

Varianten können auch bei den endemischen Stämmen auftreten. Jedoch durch die Milde der Symptome auch bei den Varianten zeigt sich, dass die Immunität welche von den vorherigen Varianten erworben wurde ausreicht um schwere Erkrankungen zu verhindern. (R. Eguia, “A human coronavirus evolves antigenically to escape antibody immunity.” bioRxiv 18.12.2020, [Preprint]). Häufige Reinfektionen unter den HCoVs scheinen sogar die Immunität gegen verwandte Stämme zu erhöhen. (A. W. D. Edridge, “Seasonal coronavirus protective immunity is short-lasting.” Nature Medicine, 14.09.2020).  

Wenn allerdings Kinder wie bei einer MERS-CoV-Infektion schwer erkranken würden, so müssten auch Kinder geimpft werden. (J. Lavine, “Immunological characteristics govern the transition of COVID-19 to endemicity”, Science, 12.02.2021).

Laut der Studie von Lavine würde aus SARS-CoV-2 in der Zukunft ein harmloser Schnupfenvirus werden.

Dies ist natürlich lediglich ein wissenschaftlich gut analysiertes Modell. Das Auftreten von Mutanten mit höherer Sterblichkeit ist ebenfalls möglich und würde diesem Modell insofern widersprechen, als dass dann diese von Lavine erklärten Mechanismen erneut durchlaufen werden müssten.

 

 

 

11.03.2021

 

 

 

 

 

AZD1222 von AstraZeneca

Die europäische Arzneimittelbehörde (EMA) hat den SARS-CoV-2-Impfstoff der Firma AstraZenaca und der Oxford-Universität AZD1222 am 29.01.2021 ab einem Alter von 18 Jahren ohne obere Altersbegrenzung bedingt zugelassen. Allerdings teilt die EMA mit, dass die Daten zu Effektivitätsbeurteilung für Patienten über 55 Jahren nicht ausreichend sind. Aufgrund auch von Erfahrungen mit anderen Impfstoffen bei älteren Menschen erteilte die EMA auch für diese Altersgruppe die Zulassung. (EMA, „EMA recommends Covid-19 vaccine AstraZeneca for authorisation in the EU”, 29.01.2021). Die Ständige Impfkommission (STIKO) in Deutschland empfiehlt diesen Impfstoff für Personen zwischen 18 und 64 Jahren. (Epidemiologisches Bulletin 05/2021).

Die beiden bisher zugelassenen Impfstoffe gegen SARS-CoV-2 von BionTech/Pfizer und von Moderna sind mRNA-Vakzine. Es handelt sich bei AZD1222 dagegen nun doch um einen sogenannten DNA-Vektorimpfstoff. Das heißt, dass die Information für das Spike-Antigen von SARS-CoV-2 in Form von DNA in ein modifizierte Adenovirus (ChAdOx1), welches bei Schimpansen zu Atemwegsinfekte führen kann, eingebracht wurde. (Britische Arzneimittelbehörde MHRA: Public Assessment Report “Covid-19 Vaccine AstraZeneca, solution for injection in multidose container Covid-19 vaccine (ChAdOx1-S [recombinant])” 05.01.2021).

Der primäre Endpunkt der Zulassungsstudie waren Covid-19-Erkrankungen ab dem 15. Tag nach Erhalt der zweiten Dosis. Dies waren definiert als positiver PCR-Test und mindestens eines der folgenden Symptomen: Fieber, Husten, Kurzatmigkeit, Anosmie. Es wurde eine Nachbeobachtungszeit von 78 Tagen nach der zweiten Impfung durchgeführt. In dieser Zeit senkte AZD1222 die Erkrankungsrate um 59,9% nach der zweiten Impfung im Abstand von 4-12 Wochen. Wenn man alle Dosisintervalle (3-23 Wochen) betrachtet ergibt sich eine Effektivität von 62,2%. Bei älteren Patienten wurde keine Effektivität nachgewiesen (56-65 Jährige, 8 Covid-Fälle im Impfarm versus 9 Covid-Fälle im Placeboarm). In der Phase II/III-Studie aus Großbritannien (COV002) wurden asymptomatische Infektionen bei der Standarddosis-Impfgruppe und in der Kontrollgruppe gleich häufig mittels wöchentlich durchgeführter PCR mit Nasen-Rachen-Abstrich gefunden. (EMA/AstraZeneca, „EMA recommends Covid-19 vaccine AstraZeneca for authorization in the EU“, 29.01.2021;  M. Voysey, „Safety and efficacy of the ChAdOx1 nCoV-19 vaccine (AZD1222) against SARS-CoV-2: an interim analysis of four randomized controlled trials in Brazil, South Africa, and the UK”, the lancet, 09.01.2021;  M. Voysey, “Single Dose Administration, and the influence of the timing of the booster dose on immunogenicity and efficacy of ChAdOx1 nCoV-19 (AZD1222) vaccine”, the lancet, 01.02.2021, preprint!).

Vor symptomatischen Infektionen durch die Virusmutante B.1.1.7 ergibt sich ein vergleichbarer Schutz (77%) wie vor der Wildform (83%) in der Standarddosis. Allerdings waren hier die Antikörpertiter um den Faktor 9 niedriger. (K.R. Emary, „Efficacy of ChAdOx1 nCoV-19 (AZD1222) vaccine against SARS-CoV-2 VOC 202012/01 (B.1.1.7)”, the lancet, 04.02.2021, preprint!). Gegenüber der Südafrikamutante B.1.351 lies sich ein einer dritten Vorabveröffentlichung der laufenden Phase I/II-Studie (COV005) eine Effektivität von 10,4% nachweisen. Allerdings sind bei den im Schnitt nur 31 Jahre alten Probanden nur milde und moderate Verläufe (an 3 Tagen Fieber und 2 Symptome wie Halsschmerzen, Husten, verstopfte Nase etc.) aufgetreten. (S.A. Madhi, „Safety and efficacy oft he ChAdOx1 nCoV-19 (AZD1222) vaccine against the B.1.351 variant in South Africa”, medRvix, 12.02.2021, preprint!). Eine abschließende Beurteilung ist daher noch nicht möglich.

In fast allen Studien, mit Ausnahme von COV005 bekamen die Probanden vor der Impfung hochdosiert Paracetamol verabreicht. Dennoch ergab sich eine hohe Reaktogenität mit Lokalreaktionen bei 71% nach der 1. Dosis und 47% nach der zweiten Dosis. In der Kontrollgruppe 46% nach der 1. Dosis und 30% nach der 2. Dosis. In der Kontrollgruppe wurde überwiegend ein Meningokokkenimpfstoff gegeben (in COV005 wurde Kochsalz gegeben). Systemische Reaktionen wie Müdigkeit, Kopfschmerzen, Krankheitsgefühl, Muskelschmerzen, Schüttelfrost, Gelenkschmerzen und Übelkeit kamen bei 70% der Probanden nach der 1. Dosis und bei 45% nach der zweiten Dosis vor (in der Kontrolle 54% bzw. 36%). Die Impfreaktionen bilden sich in der Regel innerhalb weniger Tagen zurück und sind bei der Probandengruppe über 65 Jahren geringer ausgeprägt. Schwerwiegende Überempfindlichkeitsreaktionen werden in den Studien nicht registriert. Bei der Vakzine AD1222 kam es zu zwei Fällen einer transversen Myelitis (eine neuroimmunologische Erkrankung des zentralen Nervensystems) nach 10 Tagen nach der ersten Dosis bzw. 14 Tagen nach der zweiten Dosis. Der erste Fall wird als eine nicht erkannte Multiple Sklerose dann diagnostiziert. Bei der Konrollgruppe, welche den Meningokokkenimpfstoff erhielt, wurde 68 Tage nach Impfung ebenfalls eine transverse Myelitis beobachtet. (MHRA: Public Assessment Report “Covid-19 Vaccine AstraZeneca, solution for injection in multidose container Covid-19 vaccine (ChAdOx1-S [recombinant])” 05.01.2021 und “Annex I”, 29.01.2021). In Schweden, Frankeich und in Deutschland kam es zu einer hohen Rate von grippeähnlichen Symptomen bei geimpften Mitarbeitern im Gesundheitssystem, so dass aufgrund der daraus resultierenden hohen Krankschreibungszahlen die Impfung teilweise ausgesetzt wurde. (Redaktionsnetzwerk Deutschland, „Wegen Nebenwirkungen: AstraZeneca-Impfungen an mehreren Orten gestoppt“, 15.02.2021, Berliner Zeitung, „Zwei Kliniken stoppen zeitweise Impfungen mit AstraZeneca-Stoff“, 16.02.2021). Eine mögliche Erklärung der in der klinischen Anwendung häufiger schwer ausgeprägten Reaktogenität kann in der prophylaktischen Gabe von Paracetamol vor der Impfstoffapplikation in den Studien liegen.

Insgesamt beruhen die Daten von AstraZeneca auf ein mischen der Ergebnisse aus verschiedenen Studien und unterschiedlichen Dosierungsintervallen. In einer Studie (COV002) bekam ein Teil der Probanden (mindestens 1500 Probanden) aus Versehen nur die halbe Dosierung an Impfstoff wie vorgesehen. (The New York Times, „After admitting mistake, AstraZeneca faces difficult Questions about its vaccine”, 30.12.2020). Interessant war, dass bei den Probanden, welche die versehentliche halbierte Dosis bekamen und mit der Standarddosis geboostert wurden eine höhere Impfeffektivität von 90% gesehen wurde. (AstraZeneca, „AZD1222 vaccine met primary efficacy endpoint in preventing Covid-19”, 23.11.2020).

Aufgrund der geringen Anzahl an schweren Covid-19-Verläufen kann bezüglich dem Schutz davor keine gesicherte Aussage gemacht werden. Es gibt Hinweise auf eine gute Effektivität beim Schutz vor schweren Covid-19-Verläufen (0 Fälle in der Impfgruppe, 14 Fälle in der Kontrollgruppe).

Über die Kosten der Impfstoffe gibt es offiziell keine Angaben, da darüber Stillschweigen vereinbart wurde. Die belgische Staatssekretärin Eva de Bleeker veröffentlichte auf Twitter aus Versehen eine Tabelle mit Preisen pro Dosis von sechs Impfstoffherstellern. Diese Liste wurde nach kurzer Zeit gelöscht. Darauf war der Preis vom AstraZeneca-Impfstoff mit 1,78 € pro Dosis deutlich günstiger wie von den anderen Impfstoffen (Biontech 12 €, Moderna 18 $)! (Der Spiegel, „Belgische Politikerin verrät versehentlich Impfstoffpreise“, 18.12.2020).

Zum Schluss möchte ich noch auf eine sehr häufig gestellte Frage eingehen. Kann es zu Veränderungen im Erbgut durch den DNA-Impfstoff kommen? Adenoviren als DNA-Viren gelten laut RKI als generell nicht integrierende Vektoren, d.h. sie integrieren ihr Erbgut nicht ins Zellgenom. (Robert-Koch-Institut, „Covid-19 und Impfen: Antworten auf häufig gestellte Fragen“, Stand 11.02.2021). Studien haben allerdings gezeigt, dass es auch bei nicht-replizierenden DNA-Viren doch nicht vollends ausgeschlossen ist, dass es zu dauerhaften Insertionen kommen kann. In 0,001 bis 1% der Zellen können zufällige bleibende Insertionen im Genom durch nicht-replikationsfähige Adenovirenvektoren entstehen. (K. Mitani, „Adenovirus as an integrating vector“, Current Gene Therapy, 02/2002).

Die Schweizer Zulassungsbehörde Swissmedic hat den Impfstoff von AstraZeneca bisher noch nicht zugelassen und fordert weitere Daten. Vielmehr plant die Schweiz die bereits über 5 Millionen bestellten Impfdosen wieder los zu werden. „Dem Vakzin von AstraZeneca eilt ein schlechter Ruf voraus. Der Bund prüft den Weiterverkauf.“ (Neue Züricher Zeitung, 20.02.2021). “Die Schweiz prüft den Verkauf ihrer AstraZeneca-Dosen“ (BernerZeitung, 21.02.2021)

 

 

28.02.2021

 

 

 

Die Mutanten

Durch Mutation kann sich ein Virus anpassen und sich verändern. Dieser Mechanismus ist vollkommen natürlich in der Natur. Durch einen Selektionsdruck verschwinden manche Mutanten schnell, manche haben einen Selektionsvorteil und verdrängen die anderen Versionen.

Bei SARS-CoV-2 werden hauptsächlich 4 neue, klinisch relevante Varianten beschrieben: B.1.1.7, welcher in der Grafschaft Kent in England entdeckt wurde; B.1.1.7 cluster mit der E484K-Mutation, welcher in Südwest-England entdeckt wurde; B.1.351 als sogenannte Südafrika-Mutante und die Variante P.1 aus Brasilien.

Politiker und Wissenschaftler zeigen sich sehr besorgt über das Vorkommen der neuen Mutanten. Prof. Dr. Karl Lauterbach stellte am 20.02.2021 beim SWR fest: „Wir sind am Beginn der dritten Welle!“

Da diese Mutanten erst seit einigen Wochen bekannt sind ist die Datenlage entsprechend noch dünn. Ich versuche nun im Folgenden einen Überblick über die aktuellen Forschungsergebnisse zu geben.

 

Die Mutationen bei B.1.1.7 führen zu Veränderungen in dem Spike-Antigen. Dies kann dazu führen, dass die Bindung von Antikörpern erschwert wird und dadurch eine stärkere Verbreitung möglich ist. („Investigation of novel SARS-CoV-2 variant” Technical briefing 6, Public Health England, 13.02.2021). In aktuellen Studien der englischen Gesundheitsbehörden ergeben sich Hinweise, dass diese Mutante mit einem leicht erhöhten Risiko für Hospitalisation und Sterblichkeit einhergehen. („Nevtag: Update note on B.1.1.7 severity -11. February 2021“). Darin wird allerdings auch betont, dass das absolute Risiko an einer Infektion zu versterben niedrig ist. In einer noch nicht durch das peer-review gegangenen Studie (M. Graham: „The effect of Sars-CoV-2 variant B.1.1.7 on symptomatology, re-infection and transmissibility”, 29.01.2021) konnte allerdings keine Änderung bei den Symptomen oder ein Ansteigen der Krankheitsschwere beobachtet werden. Auch wurde kein Anstieg einer Reinfektionsrate durch B.1.1.7 beobachtet bei einer insgesamt sehr niedrigen Reinfektionsrate von 0,7%. Der R-Wert wurde etwas erhöht mit 1,38 angegeben.

Für eine bis zu 50% stärkeren Übertragbarkeit der neuen Mutanten gibt es Hinweise. (N. Davies: „Estimated transmissibility and severity of novel SARS-CoV-2 Variant on Concern 202012/01 in England“, centre for mathematical modelling of infectious deseases, 06.02.2021). (Anmerkung: VOC 202012/01 ist eine andere Bezeichnung für B.1.1.7). Diese Studie ist bisher auch noch nicht durch das peer review gegangen. In dieser Studie wurde allerdings ebenfalls keine klare Evidenz für eine stärkere oder schwächere Krankheitsschwere gefunden. Eine höhere Infektionsrate in allen Altersgruppen wurde ebenfalls in der noch nicht peer-reviewed Studie von A. Walker gefunden, jedoch keine höhere Viruslast. (A. Walker: „Increased infections, but not viral burden, with a new SARS-CoV-2 variant“, 15.01.2021).

Schüler haben kein erhöhtes Erkrankungsrisiko bei den Virusmutanten als Erwachsene und Schulschließungen aufgrund der Basis inkompletter Information würde unklare Auswirkungen haben. (D. Lewis: „What new Covid variants means for scholl is not yet clear”, nature, 21.01.2021).

Bisher wurden noch keine Hinweise gefunden, dass Maßnahmen wie ein Lockdown oder Mund-Nasen-Schutz eine andere Wirkung auf die neuen Mutanten haben. Die Europäische Gesundheitsbehörde fand in einer aktuellen Untersuchung weiterhin keine Belege für die Wirksamkeit nichtmedizinischer und medizinischer Gesichtsmasken in der Gemeinschaft. Die Europäische Gesundheitsbehörde rät sogar von der Verwendung von FFP2 / N95-Atemmasken durch die breite Bevölkerung ab! (ecdc: „Using face masks in the communitiy: first update – Effectiveness in reducing transmission of Covid-19”, 15.02.2021).

Es konnte gezeigt werden, dass auch in Gebieten mit einer fast vollständigen Vorhandensein von nur der neuen Varianten ohne dem Auftreten des Ursprungvirus, die Infektionsraten ebenfalls absanken. (London Datastore. “Coronavirus (Covid-19) cases and vaccinations – Greater London Authority (GLA)”, 18.02.2021).

Es gibt jedoch auch Hinweise darauf, dass die neuen Südarfrikavariante eine gewisse Immunevasion bewirken, d.h. sich der Erkennung durch das Immunsystem entziehen. Hierdurch könnte es ein Risiko zur Reinfektion geben. (E. Callaway: „Fast-spreading Covid variant can elude immune responses”, nature, 21.01.2021).

Bezüglich manchen Impfstoffen gegen SARS-CoV-2 gibt es auch Hinweise, dass sie bei den Mutanten nicht so gut wirken. (W. Haseltine: „Novavax and Johnson & Johnsen´s vaccines are less effective against the UK and South African variants”, Forbes, 01.02.2021).

Ein meines Erachtens großes Problem mit den Impfstoffen ist ein ganz anderes. Da man zum jetzigen Zeitpunkt nicht von einer sterilen Immunität ausgehen kann, d.h. dass ein Geimpfter weiterhin ansteckend sein kann, wird eine Tatsache bisher vollkommen außer Acht gelassen. Bei solchen Impfstoffen, welche keine sterile Immunität bewirken, können sogenannte Escape-Mutationen entstehen. D.h., dass diese Impfstoffe die Entstehung von Mutationen fördern. Dieser Mechanismus ist bereits vor einigen Jahren nachgewiesen worden. (A. Read, M. Mackinnon: „Pathogen evolution in a vaccinated world“, Oxford University Press, 23.10.2007).

Heute, am 21.02.2021 schreibt der Spiegel vorab über Ergebnisse mit dem Biontech-Impfstoff in Israel. Demnach wurde eine Infektion mit SARS-CoV-2 mit 89,4% verhindert und es ist damit ein Rückgang der Inzidenz zu verzeichnen. Das hört sich gut und vielversprechend an. „Die Praxis-Daten aus Israel zeigten einen Rückgang der Infektionen in immer größeren Bevölkerungsteilen. Das deute darauf hin, dass Geimpfte nicht nur sich selbst, sondern auch andere schützten. Wichtig dabei: Die Variante B 1.1.7 war bereits während der Untersuchung mit 81 Prozent der Fälle die dominierende.“ (Spiegel, 21.02.2021). Die Tagesschau berichtet heute über diese Studie aus Israel, dass eine Corona-Erkrankung zu 95,8% verhindert wurde. Die zitierte Studie ist noch nicht veröffentlicht und soll zunächst auf einen Preprint-Server geladen werden.

Was ebenfalls nicht in der öffentlichen Darstellung erwähnt wurde, ist die Tatsache, dass das RKI am 02.02.2021 seine Teststrategie bei fallenden Inzidenzwerten wieder mal geändert hatte mit dem Ziel die Testzahlen deutlich zu steigern. Ein damit einhergehender erneuter Anstieg der Inzidenzen wäre demnach zu erwarten. Heute berichtet die Tagesschau über ein erneutes Ansteigen der 7-Tages-Inzidenz von 57,8 auf 60,2. Der weitere Verlauf bleibt abzuwarten, ob dieser Anstieg eine Folge der Virusmutanten oder wegen der neuen Teststrategie ist. Ein zusätzlicher Faktor, welcher zu einer Verzerrung der Positivrate führt sind die Schnellteste. Es werden immer mehr Schnellteste durchgeführt. Ein positiver Schnelltest muss mittels PCR bestätigt werden. Der positive Abstrich wird in der Statistik dann gezählt. Durch die Vorabtestung mittels Schnelltest ist es allerdings eine Vorabselektion. Hier entsteht eine relevante Gruppe mit hoher Positivrate welche in die normale Statistik mit einfließt, die negativen Schnelltests erscheinen allerdings in keiner Statistik.

 

Zusammenfassend kann man sagen, dass eigentlich noch gar nichts wirklich eindeutig ist. Auf jeden Fall müssen die neuen Varianten ernst genommen, beobachtet und weiter erforscht werden. Allerdings sind auch manche bisher durchgeführten Maßnahmen weiterhin in ihrem Nutzen nicht belegt. Noch nicht offiziell veröffentlichte Impfstoffdaten zeigen ein positives Bild.

 

21.02.2021

 

Tagesschau, Faktenfinder, 19.03.2021: „Mutante B.1.1.7 ist häufiger tödlich - Die britische Mutante B.1.1.7 ist der Hauptgrund, weshalb die Neuinfektionen aktuell so stark ansteigen. Zunächst hieß es, sie sei ansteckender, aber nicht gefährlicher. Doch nun zeigt sich: Sie ist auch deutlich häufiger tödlich.“ In einer Absatzüberschrift heißt es: „Variante ist bis zu 67 Prozent häufiger tödlich“.

 

Dieser Artikel der Tagesschau bezieht sich unter anderem auf die in der Zeitschrift nature veröffentlichten Studie von Davies. (Nicholas G. Davies: “Increased mortality in community-tested cases of SARS-CoV-2 lineage B.1.1.7”, nature, 15.03.2021). Diese Studie berechnete die absolute Mortalitätsrisiken für die einzelnen Altersgruppen nach Geschlecht getrennt für Personen welche zwischen August und Oktober 2020 in England getestet wurden. Der Begriff SGTF (S gene target failure) beschreibt die Identifikation der Virusmutanten B.1.1.7 durch die PCR.

Die folgende Grafik ist aus dieser Studie entnommen und zeigt die berechneten Anstiege der absoluten Mortalitätsrisiken der einzelnen Altersgruppen:

 

Diese Schätzungen spiegeln einen deutlichen Anstieg des absoluten Risikos bei älteren Altersgruppen wider, aber das Risiko eines COVID-19-Todes nach einem positiven Test bleibt bei den meisten Personen unter 70 Jahren unter 1 %. Die geschätzte Todesrate ist höher als die Rate der Infektionstoten, da viele infizierte Personen nie getestet werden. Es konnte keine Ursache für die erhöhte Sterblichkeit gefunden werden. Anhand von Ct-Werten der PCR-Test geht man von einer höheren Viruskonzentration an Nasopharyngealabstrichen bei Infektionen mit B.1.1.7 aus.

 

28.03.2021

 

 

 

Diese beiden Grafiken veranschaulichen die Mutationsfreudigkeit von Viren am Beispiel von SARS-CoV-2 und der Influenza. Die Mutation von Viren ist der Normalzustand.

 

28.03.2021

 

 

 

 

Immunität nach Covid-19

Am 11.01.2021 verstarb ein 73jähriger Mann in Baden-Württemberg an einer Reinfektion mit SARS-CoV2. Dieser tragische Fall wurde zuerst von WDR, NDR und der Süddeutschen Zeitung berichtet, sämtliche Medien folgten mit einer ausführlichen Berichterstattung. In Folge dessen beobachtete ich in meiner Praxis eine sehr große Verunsicherung bei den Patienten, da durch die Berichterstattung der Eindruck erweckt wurde, dass jeder Patient sich nach durchgemachter Covid-19 wieder erneut anstecken und daran versterben wird. Von vielen Medien wurde auch gleich die Schlussfolgerung gezogen, dass die Immunität nach der Impfung eine bessere ist wie nach der Infektion mit SARS-CoV2. Nun möchte ich in diesem Beitrag zur sachlichen, wissenschaftlich fundierten Diskussion zurück führen.

Bis heute sind laut "Covid-19 Reinfection Tracker" 39 Fälle einer Reinfektion registriert. Laut WHO sind bis zum heutigen Tag (24.01.2021) insgesamt 97.264.519 bestätigte Fälle registriert! Eine Studie, welche sich mit vier der Reinfektionsfällen beschäftigt: (Iwasaki A.: “What reinfections mean for COVID-19.“, Lancet Infect Dis. 12.10.2020).

Der Schutz vor Reinfektion wurde in einem nichtmenschlichen Primatenmodell von SARS-CoV-2 beobachtet. (Deng W.: “Primary exposure to SARS-CoV-2 protects against reinfection in rhesus macaques.” Science. 14.08.2020).

In einer englischen Studie (Aidan T. Hanrath: “Prior SARS-CoV-2 infection is associated with protection against symptomatic reinfection”, Journal of infection, 26.12.2020) wurde an über 11 000 Beschäftigten im Gesundheitswesen mit dokumentierten Nachweisen des vorherigen Infektionsstatus während der ersten Welle der SARS-CoV-2-Pandemie von März bis April 2020 und etwa 7 Monate später, in der zweiten Welle eine erneute Erhebung gemacht. Trotz 290 symptomatischer Infektionen in 10 137 nicht-immunen Beschäftigen im englischen Gesundheitswesen gab es bei über 1000 von ihnen mit früherer Infektion keine symptomatischen Reinfektionen. Die Schlussfolgerung war, dass die Immunität gegen eine erneute Infektion für mindestens 6 Monate aufrechterhalten wurde. Das heißt bis zu dem Ende der Studie.

Eine andere Studie befasste sich mit der humoralen, antikörpervermittelten Schutzwirkung (Lumley S.F.: “Antibodies to SARS-CoV-2 are associated with protection against reinfection.” New Engl J Med. 23.12.2020). Insgesamt nahmen 12.541 Mitarbeiter im Gesundheitswesen teil und ließen IgG gegen Spike messen; 11.364 wurden nach negativen Antikörperergebnissen und 1265 nach positiven Ergebnissen nachverfolgt, darunter 88, bei denen die Serokonversion während der Nachbeobachtung erfolgte. Es gab keine symptomatischen Infektionen bei Arbeitnehmern mit Anti-Spike-Antikörpern.

Derzeit beruht die Bestimmung der Immunität gegen SARS-CoV-2 hauptsächlich auf dem Nachweis von SARS-CoV-2-Antikörperreaktionen. Trotz der hohen Empfindlichkeit, gibt es immer noch einen erheblichen Prozentsatz von Patienten mit negativen oder grenzwertigen Antikörperreaktionen und damit unklarem Immunitätsstatus nach SARS-CoV-2-Infektion (Kruttgen, A.: „Comparison of four new commercial serologic assays for determination of SARS-CoV-2“ IgG. Journal of Clinical Virolology, 29.04.2020).

Ich bin bereits in einem der vorigen Beiträgen von mir auf die Tatsache eingegangen, dass die Antikörpertiter im Verlauf wieder abfallen und nicht mehr nachweisbar sind. Die Medien ziehen daraus die Schlussfolgerung, dass die Immunität damit ebenfalls verschwindet. Doch neben dem humoralen Immunsystem gibt es auch das zellvermittelte Immunsystem mit den sogenannten T-Zellen! Eine bisher noch nicht durch den peer review gegangene Studie zeigt die Wichtigkeit auch dieses Systems bei Covid-19: (Wylie D.: “SARS-CoV-2 responsive T cell numbers are associated with protection from COVID-19: a prospective cohort study in keyworkers.”, MedRxiv., 04.11.2020). Es wurde gezeigt, dass bei einer hohen T-Zellantwort es zu keiner Covid-19-Erkrankung kam.

Der Nachweis von SARS-CoV-2-spezifischen B-und T-Lymphozyten ermöglichte den Nachweis des Langzeitimmungedächtnisses nach einer Infektion oder Impfung gegen COVID-19 in dieser Studie: (E. Hartley: “Rapid generation of durable B cell memory to SARS-CoV-2 spike and nucleocapsid proteins in COVID-19 and convalescence", Science immunology, 22.12.2020).

Eine Studie aus der Universität Innsbruck zeigte ebenfalls eine gute Langzeitimmunität! (F. Deisenhammer: “6-month SARS-CoV-2 antibody persistency in a Tyrolian COVID-19 cohort.” Wiener klinische Wochenschrift, 09.12.2020). Der Studienleiter Prof. Deisenhammer erklärte gegenüber der österreichischen Presseagentur (apa): „Es bestehe ferner kein Grund zur Sorge vor einer abermaligen Infektion, Mutationen oder einer Übertragung durch Immune“. Er betonte auch nochmals die schon lange bekannten Tatsache, dass die Gedächtniszellen über lange Jahre die Immunität bestehen lassen. Dabei spielt die Schwere der Symptome eine geringe Rolle. Auch wenn Antikörper mit der Zeit weniger werden, komme es bei neuerlichem Kontakt mit dem Virus über Vermittlung der Gedächtniszellen zu einer sehr raschen Reaktivierung. „Laut Deisenhammer bestehe bei Genesenen keine Sorge vor einer neuerlichen Erkrankung mit dem Covid-19-Virus. "Die Ausnahmen bestätigen die Regel, aber die Ausnahmen sind eben nicht die Regel", stellte er fest, dennoch würden die Medien die Ausnahmen betonen, dass "Regelhafte" komme zu wenig oft vor. Es bestünde kein Anlass, die Immunität anzuzweifeln.“ (apa). Ebenso betont er die ebenfalls schon lange bekannte Tatsache: "In aller Regel ist die durchgemachte Erkrankung aus Immunisierungssicht viel wirksamer als eine Impfung". Diese Aussage darf nicht als Argument gegen die Impfung missverstanden werden, sondern den Irrtum vieler Medien korrigieren, dass eine Wildinfektion eine geringere Immunität als die Impfung verursacht.

Die Bedeutung der T-Zellen wird auch in folgender Studie untersucht: (Annika Nelde: “SARS-CoV-2-derived peptides define heterologous and COVID-19-induced T cell recognition”, Nature Immunology, 30.09.2020). Es wurden mehrere dominante und subdominante SARS-CoV-2 HLA-Peptide der Klasse I und HLA-DR als potentielle T-Zell-Epitope bei Rekonvaleszenten und nicht exponierten Individuen identifiziert und charakterisiert. SARS-CoV-2-spezifische Peptide ermöglichten den Nachweis der postinfektiösen T-Zell-Immunität, auch bei seronegativen rekonvaleszenten Personen. Kreuzreaktive SARS-CoV-2-Peptide zeigten bei 81 % der nicht exponierten Personen bereits bestehende T-Zell-Antworten und validierte Ähnlichkeit mit Erkältungscoronaviren, was eine funktionelle Grundlage für die heterologe Immunität bei SARS-CoV-2-Infektionen bietet! Diese Daten zusammen mit der Studie von Le Bert (Le Bert: „SARS-CoV-2-specific T cell immunity in cases of COVID-19 and SARS, and uninfected controls.“ Nature, 15.07.2020) belegen, dass andererseits die Intensität der T-Zell-Antworten nicht mit dem Schweregrad der Krankheit korreliert.

Mehrere Studien berichten über bereits bestehende SARS-CoV-2-gerichtete T-Zell-Antworten in kleinen Gruppen von nicht exponierten sowie Personen, die seronegativ für SARS-CoV-2 sind, was auf eine Kreuzreaktivität zwischen menschlichen Erkältungskoronaviren und SARS-CoV-2 hindeutet (Grifoni, A.: „Targets of T cell responses to SARS-CoV-2 coronavirus in humans with COVID-19 disease and unexposed individuals“, Cell, 25.06.2020; Braun, J.: „SARS-CoV-2-reactive T cells in healthy donors and patients with COVID-19“, Nature 29.07.2020; Le Bert: „SARS-CoV-2-specific T cell immunity in cases of COVID-19 and SARS, and uninfected controls.“ Nature, 15.07.2020).

Die Arbeitsgruppe um Julian Braun hat spike-reaktive CD4+ T-Zellen nicht nur bei 83% der Patienten mit COVID-19, sondern auch bei 35% der gesunden Spender entdeckt. (Julian Braun: “SARS-CoV-2-reactive T cells in healthy donors and patients with COVID-19”, Nature, 29.07.2020). Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass Spike-Protein-Kreuzreaktive T-Zellen vorhanden sind, die wahrscheinlich bei früheren Begegnungen mit endemischen Coronaviren entstanden sind.

Auf der Grundlage epidemiologischer Daten kann extrapoliert werden, dass Erwachsene durchschnittlich alle zwei bis drei Jahre an einer humanen Coronavirus-Infektion erkranken. Schutzantikörper können mittelfristig abnehmen, aber die zelluläre Immunität könnte bleiben: (Callow, K. A.: „The time course of the immune response to experimental coronavirus infection of man.“ Epidemiol. Infect. 15.05.1990; Ng, O. W.: “Memory T cell responses targeting the SARS coronavirus persist up to 11 years post-infection.” Vaccine 34, 12.04.2016). 

Bereits bei Infektionen von andere SARS-CoV wurden neutralisierende Antikörper bis 12 Monate nach der Krankheit nachgewiesen: (Li, C. K.: „T cell responses to whole SARS coronavirus in humans.” Journal of Immunology, 15.10.2008). Jedoch wurde auch damals schon eine antikörperunabhängige Immunität im Verlauf hingewiesen: (Callow, K. A.: „The time course of the immune response to experimental coronavirus infection of man.“ Epidemiol. Infect. 15.09.2009).

 

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass nach aktueller Studienlage eine gute Langzeitimmunität nach durchgemachter Infektion mit SARS-CoV2 besteht. Die tragischen Einzelfälle einer Reinfektion werden medial so überbetont, dass es zu einer Verzerrung der Wahrnehmung in der Bevölkerung kommt. Auch hier wieder mal mein Wunsch zur medialen Deeskalation!

 

 

 24.01.2021

 

Eine in den Medien viel zitierte Studie zu Reinfektionen Genesener ist die dänische Beobachtungsstudie von C.H. Hansen. Es wurden im Jahr 2020 in Dänemark im Rahmen der kostenlosen PCR-Teststrategie etwa 4 Mio Menschen, was ca. 69% der Bevölkerung entspricht, insgesamt 10,6 Mio PCR-Tests unterzogen. Dieses nationale Testsystem richtete sich in erster Linie an asymptomatische Personen! Personen mit positivem PCR-Testergebnis, welche bereits eine Covid-19 durchgemacht hatten, galten als Reinfiziert. So wurde der Schutz gegen vor einer erneuten SARS-CoV-2-Infektion bei den Personen < 65 Jahren auf > 80% festgestellt. Bei den Personen die älter wie 65 Jahre waren wurde der Schutz vor erneuter Infektion mit < 50% errechnet. (Christian Holm Hansen: “Assessment of protection against reinfection with SARS-CoV-2 among 4 million PCR-tested individuals in Denmark in 2020: a population-level observational study”, the Lancet, 27.03.2021)

Es wurde in dieser Studie lediglich das PCR-Ergebnis ausgewertet und zwar von in erster Linie asymptomatischen Patienten. Auf die Tatsache, dass eine PCR keine Infektion nachweisen kann bin ich bereits ausführlich eingegangen. Ebenso auf die WHO-Empfehlung asymtomatische Personen mit positivem PCR-Test nochmals zu testen wegen den wahrscheinlich falsch positiven Ergebnissen. Die Schlussfolgerungen welche die Autoren ziehen sind so nicht möglich!

 

 01.05.2021

 

In einer aktuellen Studie wurde ebenfalls gezeigt, dass eine SARS-CoV-2-Infektion eine robuste Antigen-spezifische, langlebige humorale Immunantwort beim Menschen induziert. (J.S. Turner: “SARS-CoV-2 infection induces long-lived bone marrow plasma cells in humans”, Nature, 24.05.2021).

 

 

30.05.2021

 

 

Der Lockdown: Wissenschaft versus Expertenmeinung

Heute möchte ich auf eine sehr interessante Studie von der Universität Stanford, welche am 05.01.2021 veröffentlicht wurde, eingehen. (Eran Bendavid, John P.A. Ioannidis: “Assessing Mandatory StayatHome and Business Closure Effects on the Spread of COVID19”, European Journal of Clinical Investigation, 05.01.2021)

Diese Studie beschäftigt sich mit der Maßnahme des Lockdowns, welche bis dahin als unwissenschaftlich und schädlich angesehen und auch von der WHO abgelehnt wurde. Auf die ablehnende Haltung der WHO gegenüber einem Lockdown bin ich bereits in der Rubrik „WHO-Empfehlung und Umsetzung“ eingegangen. Zuvor gab es schon einige Studien, welche keinen Zusammenhang mit dem Lockdown und der Ausbreitung von SARS-CoV2 zeigten, wie z.B. die Studie von dem israelischen Forscher Isaac Ben-Israel im April 2020. (Isaac Ben-Israel: “The end of exponential growth: The decline in the spread of coronavirus”, The times of Israel, 16.04.2020). Das american institute for economic research hat in einer internationalen Metastudie gezeigt, dass nichtpharmazeutische Interventionen – wie Sperrungen, Schließungen, Reisebeschränkungen, Aufenthaltsbeschränkungen, Veranstaltungsverbote, Quarantänen, Ausgangssperren und Maskenpflicht – die Virusübertragungsraten insgesamt nicht zu beeinflussen scheinen. („Lockdowns and Mask Mandates Do Not Lead to Reduced COVID Transmission Rates or Deaths, New Study Suggests“, 26.08.2020).

In der nun von den weltweit als höchst anerkannten Wissenschaftlern der Universität Stanford um John A. Ioannidis wurden Auswirkungen und Wirksamkeit von restriktiveren nicht-pharmazeutischen Interventionen (mrNPI) wie z.B. Ausgangssperren und Betriebsschließungen mit weniger restriktiver NPIs (lrNPI) verglichen. Die Wissenschaftler kamen zu dem Ergebnis, dass die restriktiven Maßnahmen epidemiologisch sinnlos sind, aber enormen Schaden anrichten.

In 9 von 10 Studienländern war die Einführung jeglicher nicht-pharmazeutischen Interventionen (NPIs) mit einer signifikanten Reduktion des Fallwachstums verbunden. Auch in Südkorea und Schweden, welche nur leicht restriktive NPIs (lrNPI) eingeführt hatten. Spanien hatte einen nicht-signifikanten Effekt. Nachdem man die Epidemie- und lrNPI-Effekte subtrahierte, ist in keinem Land ein klarer, positiver Effekt von mrNPIs auf das Fallwachstum zu errechnen.

Man muss auch die potentiell gesundheitsschädlichen Auswirkungen von mrNPIs, wie Hunger, erhöhtes Suchtrisiko, versäumte Vorsorgemaßnahmen und Impfungen und damit Zunahme von Nicht-Covid-Erkrankungen, häusliche Gewalt, Anstieg von psychiatrischen Erkrankungen und Suizide beachten, genauso wie die wirtschaftlichen Folgen, welche ebenfalls eine Auswirkung auf die Gesundheit haben.

Es zeigte sich auch, dass in beengten räumlichen Verhältnissen, wie bei stay-at-home, die Ansteckungsrate beschleunigt war. Es ist daher möglich, dass Hausarrestanordnungen die Übertragung sogar erleichtern.

Ebenfalls wird in der Studie festgestellt, dass z.B. Schulschließungen einen schwerwiegenden Schaden verursachen, die allein im Frühjahr auf ein Äquivalent von 5,5 Millionen Lebensjahren für Kinder in den USA geschätzt werden. Zu dem Zeitpunkt der Erstellung der Studie waren in Schweden keine Grundschulen während des gesamten Jahres 2020 geschlossen. Es wurden keine Beweise für einen hemmenden Effekt von verpflichtenden Schulschließungen gefunden.

Daher kommen die Autoren zu der Schlussfolgerung: „Kleine Vorteile können zwar nicht ausgeschlossen werden, aber wir finden keine nennenswerten Vorteile für das Fallwachstum bei restriktiveren NPIs. Gleiche Reduktion des Fallwachstums kann mit weniger restriktiven Interventionen erreichbar sein.“ Zusammenfassend haben England, Frankreich, Deutschland, Iran, Italien, Niederlande, Spanien und die USA mit ihren Lockdowns, Schul- und Betriebsschließungen, sowie den Ausgangssperren und Hausarrest nicht mehr erreicht wie Schweden und Südkorea.

Dem gegenüber steht die 7. Ad-hoc-Stellungnahme der Leopoldina, vom 08. Dezember 2020, in welcher steht: „Die Feiertage und den Jahreswechsel für einen harten Lockdown nutzen. Die aktuelle Entwicklung der Coronavirus-Pandemie gibt Anlass zu großer Sorge. Trotz Aussicht auf einen baldigen Beginn der Impfkampagne ist es aus wissenschaftlicher Sicht unbedingt notwendig, die weiterhin deutlich zu hohe Anzahl von Neuinfektionen durch einen harten Lockdown schnell und drastisch zu verringern. Die Einführung des Lockdowns sollte bundesweit einheitlich in zwei Schritten erfolgen. Ab dem 14. Dezember 2020 sollte die Schulpflicht aufgehoben und nachdrücklich zur Arbeit im Homeoffice aufgefordert werden. Ab dem 24. Dezember 2020 sollten zusätzlich alle Geschäfte schließen, die nicht der Versorgung mit Lebensmitteln, Medikamenten und anderen lebensnotwendigen Waren dienen. Soziale Kontakte sollten auf einen sehr eng begrenzten Kreis reduziert werden.“

Diese ad hoc-Stellungnahme der nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina war die Grundlage für die Entscheidung zum Lockdown. Diese Stellungnahme ist ganze vier Seiten lang und beruht im Wesentlichen auf Expertenmeinung. Es gibt keinen Anhang mit Quellenangaben darin. Diese Stellungnahme der Leopoldina ist selbst in dieser Akademie nicht unumstritten. In direkter Folge trat z.B. Herr Prof. Dr. Thomas Aigner aus Protest gegen dieses Papier aus der Leopoldina aus.

 

Zum Abschluss dieses Eintrages möchte ich nochmals betonen, dass es mir nicht darum geht irgendwelche Verschwörungstheorien zu befeuern. Mein Anliegen auf dieser Homepage ist es, wie schon oft betont, von der emotionalen zur sachlichen, wissenschaftlich geführten Diskussion wieder zurück zu kommen!

 

17.01.2021

 

 

In einer Meta-Studie des kanadischen Wirtschaftswissenschaftlers Douglas W. Allen wertet er darin 80 akademische Studien zur Auswirkung von Lockdown-Maßnahmen zur Corona-Pandemie aus. Das Ergebnis zeigt, dass der Schaden, den die Lockdown-Maßnahmen anrichten, ungleich höher ist als ihr Nutzen. Er berichtet, dass viele Studien sich auf inzwischen widerlegten falschen Annahmen stützten, welche den Nutzen des Lockdowns überschätzten und die Kosten unterschätzten. Die in den letzten 6 Monaten durchgeführten Studien zeigten, dass Lockdown-Maßnahmen bestenfalls einen marginalen Einfluss auf die Covid-19-Sterbefälle gehabt hatten. Allen beschreibt auch, dass ein entscheidender Faktor das menschliche Verhalten ist, warum flächendeckende Freiheitsbeschränkungen bei der Pandemiebekämpfung ineffektiv seien. Zum einen verhindern strenge Lockdownregeln nicht, dass sich einige Menschen nicht daranhalten und umgekehrt würden viele Menschen ihr Verhalten während der Pandemie freiwillig anpassen, auch wenn kein Lockdown verordnet worden sei. Schon im August 2020 gab es genügend Informationen die klar zeigten, dass Lockdownmaßnahmen mehr Schaden als Nutzen bringe. „Es ist unangebracht zu behaupten, dass im Herbst, als die zweite Infektionswelle einsetzte, keine angemessene Entscheidung hätte getroffen werden können.“ Der US-Ökonom Bryan Caplan, der am Think-Tank Mercatus Center der George Mason University in Fairfax arbeitet, versucht den Schaden des Lockdowns zu quantifizieren. Er geht der Frage nach der Kosten- /Nutzen-Berechnung in verlorenen Lebensjahren anhand von zwei Beispielen nach. Im ersten Beispiel geht er von aus, dass die Anzahl der Covid-19-Todesfälle 10% höher wäre ohne Lockdownmaßnahmen. In Lebensjahren umgerechnet wären dies für Kanada zusätzliche 22 333 Lebensjahre die nicht verloren gingen. Dem gegenüber gibt er die durch den Lockdown verlorenen Lebensjahre für Kanada mit 6 300 000 an, indem er berechnete, dass jedem Kanadier durch die Lockdownmaßnahmen 2 Monate Lebenszeit verloren gehen. Kanada hat 37,7 Mio Einwohner. Der Kosten-/Nutzen-Quotient läge dann bei 282! In einem zweiten Beispiel geht er von aus, dass ohne den Lockdown es in Kanada 200 000 Covid-19-Todesfälle gegeben hätte, so wie frühere Modellberechnungen es vorhergesagt haben. (Zum 22.03.2021 waren es 22 716 Covid-19-Todesfälle.) Dann kommt er auf eine zusätzliche Zahl an nicht-verlorenen Lebensjahren von 1 735 580. Auch hier wäre der Kosten-/Nutzen-Quotient bei 3,6 (6 300 000 / 1 735 580) deutlich auf der Kosten-Seite! Allen resümiert, dass die Politik die veränderte Studienlage weitgehend ignoriert. „Mit Blick auf die Lockdowns hat die Politik weitgehend die Maßnahmen vom Frühjahr 2020 auch in diesem Jahr beibehalten und ignoriert was in der Zwischenzeit gelernt wurde.“ (D.W. Allen: “Covid Lockdown Cost/Benefits: A Critical Assessment of the Literature”, Department of Economics, Simon Fraser University, Burnaby, Canada, April 2021). Es sei hier angemerkt, dass es sich hierbei um eine Auswertung mit Fokus auf den wirtschaftlichen Schaden handelt. Jedoch ist es allgemein bekannte, dass die Gesundheit sehr stark an die Wirtschaft gekoppelt ist. Die Studie von Allen ist nicht peer-reviewed!

 

 30.05.2021

 

 

 

BioNTech-Impfstoff: 95% Effektiviät - was heißt das eigentlich?

Hier möchte ich gesondert auf die Effektivität des Impfstoffes BNT162b2 von BioNTech und Pfizer eingehen. Es handelt sich um einen mRNA-Impfstoff, welcher ein optimiertes Spike-Protein (S) in voller Länge codiert. Diese mRNA ist ein eine Lipid-Nanopartikel-Formulierung (LNP) integriert, die die Aufnahme der mRNA in die Zielzelle steigert und sie vor extrazellulärem Abbau durch Nukleasen schützt. (Lutz J. “Unmodified mRNA in LNPs constitutes a competitive technology for prophylactic vaccines.” npj Vaccines 2. 2017). Wie ich in bereits in einem vorangegangenen Eintrag erklärte, wird die mRNA in der Zielzelle außerhalb des Zellkerns in den Ribosomen translatiert und das Spike-Protein synthetisiert. (Iavarone C, O’hagan DT, Yu D, Delahaye NF, Ulmer JB. “Mechanism of action of mRNA-based vaccines.” Expert review of vaccines. 2017;16(9):871-81.; Maruggi G, Zhang C, Li J, Ulmer JB, Yu D. “mRNA as a transformative technology for vaccine development to control infectious diseases.” Mol Ther. 2019;27(4):757-72.)

Die Impfeffektivität wird mit 95% angegeben. (Sahin U, Muik, A, "COVID-19 vaccine BNT162b1 elicits human antibody and TH1 T cell responses.” Nature. 2020;586(7830):594-9; Epidemiologisches Bulletin, 02/2021, 14.01.2021, digitale Vorabveröffentlichung und Pressemeldungen). Doch was bedeutet eine 95%-Impfeffektiviät? Dies ist das relative Verhältnis der Covid-19-Fälle in den beiden Untersuchungsgruppe zueinander. In der Impfgruppe traten bei 8 von 17411 Probanden eine Erkrankung auf, in der Placebogruppe traten 162 Erkrankungen bei 17551 Probanden auf. Das entspricht einem prozentualen Auftreten von 0,046% in der Impfgruppe und 0,923% in der Placebogruppe. Man nimmt an, dass auch bei der geringen Anzahl in beiden Gruppen 162 Covid-19-Erkrankungen aufgetreten wären, wenn in beiden Gruppen nicht geimpft worden wäre. Jedoch wurden in der Impfgruppe durch die Impfung 154 Covid-19-Fälle verhindert. Das heißt, dass 154 Covid-Fälle bei 17551 Personen verhindert wurden, also 0,877%. Die absolute Impfeffektivität beträgt demnach 0,877%.

Allerdings wurden bei diesem Impfstoff auch Personen > 75 Jahren untersucht. Hier wird die Impfeffektivität mit 100% angegeben. Diese Zahl ist insbesondere auf meinen vorherigen Beitrag „Die Impfstrategie mit dem Gedankenfehler“ zu beachten! Es traten in dieser Impfgruppe keine Covid-19-Fälle bei 774 Probanden, somit bei 0%. Bei der Placebogruppe traten 5 Covid-19-Fälle bei 785 Probanden, somit bei 0,637%. Das Robert-Koch-Institut schränkt die Aussage einer 100%igen Impfeffektivität allerdings etwas ein: „In der höchsten Altersgruppe (≥ 75 Jahre) ist daher eine Aussage über die Effektivität der Impfung mit hoher Unsicherheit behaftet.“ (Epidemiologisches Bulletin, 02/2021, 14.01.2021).

Wenn man nach den schweren Covid-19-Krankheitssymptomen schaut (definiert als COVID-19 plus Vorliegen von mindestens einem der folgenden Kriterien: klinische Anzeichen einer schweren Erkrankung, respiratorische Insuffizienz, Schock, akute renale, hepatische oder neurologische Dysfunktion; ITS-Aufnahme oder Tod), so traten in der Impfgruppe ein Fall bei 21314 Probanden auf, was einem Prozentsatz von 0,005% entspricht. In dem Placeboarm traten 4 schwere Fälle bei 21259 Probanden auf, was einem prozentualen Auftreten von 0,019% entspricht. Das ergibt eine relative Impfeffektivität von 75% beim Schutz vor schweren Krankheitsverläufen, was allerdings statistisch nicht signifikant war. Der positive Effekt beträgt 3 verhinderte schwere Verläufe auf 21258 Fälle, das entspricht 0,014% Effektivität. Das bedeutet, dass ein schwerer Krankheitsfall auf 7086 geimpften Personen verhindert wird. Auf eine Million geimpften Personen werden demnach 141 schwere Fälle vermieden. Dem gegenüber stehen vier schwere impfstoffbezogene unerwünschte Ereignisse (Schulterverletzung; axilläre Lymphadenopathie; paroxysmale ventrikuläre Arrhythmie; Parästhesie des rechten Beins) auf 21621 Probanden. Das heißt, dass ein schweres unerwünschtes Ereignis auf 5405 geimpften Personen. Auf eine Million geimpften Personen würden dann 185 solcher schweren Ereignisse auftreten. Die bisher noch nicht untersuchten unerwünschten Langzeitfolgen sind hierbei noch nicht einberechnet.

 

Eine Besonderheit ist Definition eines positiven Coronafalles in der Studie von BioNTech und Pfizer. Sie bestand aus einem positivem PCR-Abstrich und mindestens einer der folgenden Symptomen Fieber, Husten, Kurzatmigkeit, Schüttelfrost, Muskelschmerzen, Anosmie, Halsschmerzen, Durchfall, Übelkeit und Erbrechen. Lag nur ein positiver Abstrich vor ohne Beschwerden, oder nur Beschwerden mit negativem Abstrich galt der Patient als erfolgreich geimpft. Hier wurden die asymptomatischen Patienten nicht beachtet. Man beachte, dass in der offiziellen Zählweise des Robert-Koch-Institut der Coronapatienten lediglich ein positiver Abstrich notwendig ist!

 

Impfen nachdem man Covid-19 schon hatte? Gestern hat das Impfprogramm in Deutschland begonnen. Und inzwischen geht man davon aus, dass ein nicht geringer Teil der Bevölkerung bereits die SARS-CoV2-Infektion durchgemacht hat und eine Immunität besitzt. Alle Studien weisen eine gute Langzeitimmunität nach durchgemachter SARS-CoV2-Infektion nach. Bei bestehender Immunität zu impfen empfehle ich auf gar keinen Fall, da ich hierbei von überschießenden Immunreaktionen ausgehe. Eine Testung auf Immunität vor Verabreichung der Impfung sähe ich als sinnvoll an, um diese dann unnötige und mit hohem Komplikationsrisiko behaftete Impfung zu vermeiden. Die ständige Impfkommission sagt diesbezüglich: „Nach überwiegender ExpertInnenmeinung sollten Personen, die eine labordiagnostisch gesicherte Infektion mit SARSCoV-2 durchgemacht haben, zunächst nicht geimpft werden.“ (Stiko) Meines Wissens nach wird vor der Impfung dies nicht überprüft. Die Haftungsfrage hierbei ist auch noch nicht geklärt.

 

Und zum Abschluss noch einen Ausschnitt aus einem Interview des Chefredakteur Fritz Frey des Südwestrundfunks (SWR) mit dem Besitzer von BioNTech Ugur Sahin vom 20.12.2020:

SWR: „Sie selbst haben sich noch nicht geimpft. Wäre das nicht ein starkes Signal an die, die jetzt noch zögern, die noch nicht ganz bereit sind, sich impfen zu lassen, wenn Sie sich selber impfen würden – so nach dem Motto: Schaut her, ich der Entwickler bin bereit, mich selbst zu impfen. Damit könnt ihr alle sehen, wie sehr ich meiner Entwicklung vertraue.“

Sahin: „Ich möchte mich natürlich liebend gerne impfen lassen. Wir müssen einfach sehen, dass wir die rechtlichen Grundlagen dabei befolgen. Es ist für uns als Unternehmen wichtig, unsere Mitarbeiter zu schützen. Wir werden in den nächsten zwölf Monaten über 1,3 Milliarden Impfstoffdosen herstellen müssen. Es ist wichtig, dass da keine Mitarbeiter ausfallen und dementsprechend denken wir darüber nach, dass wir die Möglichkeit finden, die rechtlich uns erlaubt, unsere Mitarbeiter zu schützen. Aber das ist momentan noch in der Abklärung,“

 

 

 

 28.12.2020

 

 

 

 

 

Die Impfstrategie mit dem Gedankenfehler!

In vorangegangenen Beiträgen auf meiner Homepage äußerte ich bereits meine Kritik die gesamte Bevölkerung impfen zu wollen, statt nur die Hochrisikogruppe, nach ausführlicher Untersuchung auch der Langzeitrisiken. In der Impfempfehlung der ständigen Impfkommission ist es inzwischen zu einer Priorisierungsliste gekommen. Diese beruht allerdings alleinig darauf, dass zunächst einmal zu wenig Impfstoff da sein wird, um die gesamte Bevölkerung zu impfen. „Die Priorisierungsempfehlung hat nur solange Gültigkeit, bis genügend Impfstoff verfügbar ist. Mittelfristig ist es das Ziel, allen Menschen einen gleichberechtigten Zugang zu einer Impfung gegen COVID-19 anbieten zu können.“ (RKI, Epidemiologisches Bulletin 2/2021, 14.01.2021, online Vorveröffentlichung).

 

Nun möchte ich an ein einem spieltheoretischen Modell, welches der Wirtschaftswissenschaftler Prof. Dr. Christian Rieck entwickelt und genial erklärt hat, zeigen, dass die Idee die gesamte Bevölkerung zu impfen auf einem Gedankenfehler beruht. Ich beziehe mich hier auf das Beispiel von Herrn Prof. Rieck mit einem komplett fiktiven Virus. Anhand diesem Modell kann es sehr gut erklärt werden und diese Zahlen haben nichts mit dem SARS-CoV2 zu tun. Das Modell kann aber durchaus gedanklich übertragen werden.

Man verwendet eine Impfung gegen ein Virus mit einer Schutzwirkung von 100%, das heißt, dass keiner der geimpften Personen krank wird wenn er sich infiziert. Da jede Impfung Nebenwirkungen hat werden diese mit einen negativen Wert bewertet, hier in dem Beispiel mit -1. Wir haben zwei Bevölkerungsgruppen, die ungeimpfte und die geimpfte Gruppe. In beiden Gruppen gibt es dann zwei Möglichkeiten: Gesund zu bleiben, was mit dem Ausgangswert 0 bewertet wird, oder infiziert zu werden. Wenn der Ungeimpfte infiziert wird und dadurch krank wird, wird diese Nebenwirkung, die ja deutlich stärker ist wie die Impfnebenwirkung mal mit -100 bewertet. Wenn der Geimpfte sich infiziert ist er ja durch die Impfung geschützt und hat nur die Nebenwirkungen der Impfung bekommen, also 0-1=-1. Ob es sich nun empfiehlt sich impfen zu lassen hängt aber auch von der Wahrscheinlichkeit ab sich anzustecken. Wenn man das Risiko in diesem Beispiel mit 0,7% Wahrscheinlichkeit anstecken kann annimmt. Errechnet sich wenn man ungeimpft in die Bevölkerung geht ein negativer Wert von -0,7, da das Risiko die Erkrankung mit -100 Wert zu bekommen nur 0,7% beträgt. In diesem Beispiel wäre es rational sich individuell nicht impfen zu lassen, da die -1 bei den Geimpften ein höher negativer Wert ist. Die relative Wirksamkeit von 100% des Impfstoffes ergibt hier eine absolute Wirksamkeit von 0,7%! Das heißt die Nebenwirkungen durch die Impfung höher ist als das was durch die Impfung gerettet werden kann. Das liegt hier in dem Beispiel an der geringen Verbreitung dieses fiktiven Virus. Man also so viele Leute impfen müsste die sich sonst nie angesteckt hätten und verteilen dadurch die Nebenwirkungen auf eine große Gruppe. (siehe Abbildung links oben)

Da ein spieltheoretisches Modell allerdings das Verhalten der Menschen mit einrechnet muss man weiter schauen. Das Virus verbreitet sich ja auch. Wenn es sich so stark vermehrt, dass man nun mit einer 2%igen Wahrscheinlichkeit damit rechnen muss sich zu infizieren, dann ändert sich die Lage, so dass es rational wäre sich impfen zu lassen, da der Negativwert bei den Ungeimpften mit -2 stärker negativ (-100 multipliziert mit 2%) wie bei den Geimpften mit -1 wäre. (siehe Abbildung links oben).

In der Folge käme es dazu, dass sich natürlich mehr Menschen impfen lassen, um ihr persönliches Risiko zu minimieren. In der Folge davon geht die Gefahr auch für die Ungeimpften wieder zurück sich anstecken zu können. Wenn diese Gefahr wieder sinkt nimmt dann die Impfbereitschaft auch wieder ab. Dieses ganze System kommt dann zum Stillstand, wenn in diesem Beispiel die Wahrscheinlichkeit sich anzustecken auf 1% sinkt, da die Negativbewertung gleich ist, ob man ungeimpft oder geimpft in die Bevölkerung geht. Das heißt Negativbewertung der Erkrankung auf das Niveau der Negativbewertung der Impfnebenwirkungen in der Bevölkerung heruntergedrückt wird. Dies ist das sogenannte Nash-Gleichgewicht. (siehe Abbildung links oben). Wenn also das Infektionsrisiko unterhalb des Nash-Gleichgewichtes liegt, ist die Impfung nicht sinnvoll; wenn das Infektionsrisiko oberhalb des Nash-Gleichgewichtes liegt, dann ist es sinnvoll zu impfen.

Natürlich muss man beim Impfen auch das sogenannte Präventionsparadox beachten. Darauf bin ich bereits ausführlich eingegangen (lange nach unten scrollen). Weiterhin ist auch der Verlauf der Ausbreitung des Virus wichtig. Wenn es den Schwellenwert des Nash-Gleichgewichtes in der Verbreitung erreichen kann bei ungeschützter Vermehrung, kann es individuell und kollektiv rational sein sich zu impfen. Wenn eine Virusvermehrung bei ungeschützter Vermehrung von alleine sich ausläuft, bevor es den Schwellenwert überschreitet, dann ist eine Impfung überflüssig.

Nun ist es allerdings so, dass nicht alle Personen gleich gefährdet sind für die Erkrankung durch dieses Virus. Zum einen die Risikogruppe (im Abbild „R“), die durch eine Infektion mit resultierender Erkrankung entsprechend mit Komplikationen gefährdet sind und zum anderen die Nichtrisikogruppe („NR“), welche in einem Falle der Infektion mit keinen oder sehr milden Symptomen gefährdet sind. Die Negativbewertung im Falle einer Erkrankung würde dann in der Risikogruppe nicht mit -100 bewertet, sondern da es viel schlimmer ist mit -1000. Allerdings sind in dieser Gruppe auch die Nebenwirkungen der Impfung in der Regel etwas schlimmer, daher hier nicht mit -1, sondern mit -2 bewertet. Das Auftreten der Erkrankung bei der Nichtrisikogruppe allerdings wurde geringer bewertet werden, hier statt -100 mit -10. Das Nash-Gleichgewicht wäre bei der Risikogruppe bei 0,2% Ansteckungsrisiko (-1000 multipliziert mit 0,2% = -2). Das Nash-Gleichgewicht für die Nichtrisikogruppe liegt bei einem Infektionsrisiko von 10%. (-10 multipliziert mit 10% = -1). In diesem Beispiel ist es notwendig, dass die Nichtrisikogruppe stark geimpft ist, damit das Ansteckungsrisiko der Risikogruppe auf 0,2% sinkt. Also die Nichtrisikogruppe mehr geimpft werden muss wie es für diese Gruppe für sich sinnvoll wäre.

 

Aus diesem Grund wird von verschiedenen Leuten ein Impfzwang gefordert, weil die Nichtrisikogruppe individuell für sich entscheiden wird sich nicht impfen zu lassen, da es für diese Gruppe nicht sinnvoll wäre, aber für die Risikogruppe notwendig wäre. Und genau da liegt der Denkfehler! Die Nichtrisikogruppe benötigt diesen Impfschutz nicht, da hier keine Komplikationen durch die Erkrankung zu erwarten sind, aber die Risikogruppe wird durch die Impfung ja geschützt. Bei einem Impfstoff mit hoher Schutzwirkung ist es egal, wenn einer aus der Risikogruppe geimpft in die Bevölkerung reingeht und sich infiziert, da er ja durch die Impfung geschützt ist. Daher ist es sinnvoll die Risikogruppe in diesem Beispiel zu impfen, bei der Nichtrisikogruppe macht es hier keinen Sinn geimpft zu sein. Ganz wesentlich hängt dies Rechenbeispiel natürlich ab von der Schutzwirkung der Impfung. Darauf gehe ich dann gesondert nochmals ein.

 

 

25.12.2020

 

 

 

 

Die Impfdiskussion auf Eskalationskurs.

In diesem Beitrag möchte ich nochmals auf die immer weitere Eskalation und Verrohung in der Diskussion um die nun anstehende Impfungen eingehen. Einen letzten Höhepunkt gab es am 19.12.2020 als das Mitglied des Ethikrates Herr Prof. Wolfram Henn, ein Humangenetiker, einen in der Bildzeitung veröffentlichten Brief schrieb. Darin schreibt er unter anderem: "Wer partout das Impfen verweigern will, der sollte, bitte schön, auch ständig ein Dokument bei sich tragen mit der Aufschrift: Ich will nicht geimpft werden! Ich will den Schutz vor der Krankheit anderen überlassen! Ich will, wenn ich krank werde, mein Intensivbett und mein Beatmungsgerät anderen überlassen“. Ich gehe davon aus, dass er mit dieser Aussage eine Diskussion provozieren wollte, denn als ernstgemeinte Äußerung wäre er als Mitglied des deutschen Ethikrates, der mit seinen Stellungnahmen und Empfehlungen die Orientierung für die Gesellschaft vorgibt, nicht mehr tragbar. Doch eine solche Äußerung als Diskussionsauslöser verfehlt das Ziel, da sie leider nur zur weiteren Eskalation beiträgt und die Diskussion immer weiter weg von der Sachlichkeit führt. So wird postwendend von der Seite der „Impfgegner“ das Argument kommen, dass dann auch für Patienten, welche nach einer Impfung eine Impfreaktion oder Impfschaden erleiden die gleiche Regelung gelten müsste, da diese Personen durch das Aufklärungsgespräch vor der Impfung freiwillig dieses Risiko eingegangen sind. Und schon ist man in einer Spirale die weg von dem eigentlichen Thema. Mich persönlich macht die Aussage von Herrn Henn als Arzt fassungslos, da sich allein der Gedanke jemanden aufzufordern auf evtl. notwendige Behandlungen zu verzichten mit dem ärztlichen Auftrag nicht vereinbaren lässt. Die Aufgabe der Medizin ist es in solchen Fällen auf Ängste und Zweifeln einzugehen und zu beraten. Ich stelle mir die Reaktionen vor, wenn ich einen solchen Ratschlag einem Raucher gäbe, auf Behandlung einer durch das Rauchen verursachte Erkrankung wie Lungenkrebs, Herzinfarkt oder Schlaganfall zu verzichten.

Herr Prof. Henn zeigt Verständnis, dass viele Menschen gegenüber dem neuen Impfstoff eine Skepsis haben und schreibt diesbezüglich: "Aber: Bitte stellen Sie diese Fragen an Menschen, die sich wirklich auskennen". Nun ist ja gerade auch bei den Leuten die sich auskennen diese Skepsis da. Uns als Ärzten, die im Praxisalltag bezüglich den Impfungen die Indikation stellen, über Risiken und Nebenwirkungen aufklären und die Impfungen durchführen, wurde bisher immer eine Kompetenz in Sachen Impfungen bescheinigt. Als absoluter Impfbefürworter, ich impfe sehr viel in meiner Praxis, habe ich allerdings, wie schon mehrfach anhand von Fakten dargestellt, meine Skepsis gegenüber dem neuen Impfstoff gegen SARS-CoV2.

Und nicht nur ich, denn am 19.12.2020 sagte in einen ARD-Interview der Vorsitzende der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft Herr Professor Wolf-Dieter Ludwig auf die Frage, ob der Impfstoff zu früh kommt: "Ich glaube, dass wir diese schnelle Impfstoff-Entwicklung erlebt haben, ist ein großer Vorteil für uns, weil wir angesichts der Pandemie und der katastrophalen Situation, die jetzt wieder in den Krankenhäusern herrscht, natürlich dringend etwas brauchen. Wir haben kein wirksames Arzneimittel. Alle getesteten sind durchgefallen, so dass wir diesen Impfstoff dringend brauchen. Allerdings stellt sich die Frage, ist dieser Impfstoff wirklich ausreichend gut geprüft worden, sodass wir dann auch diejenigen, die sich jetzt impfen lassen, so informieren, dass sie eine selbstbestimmte Entscheidung treffen und überzeugt sind, dass es der richtige, die richtige Maßnahme für sie ist."

Zu der Frage über die Aussage, dass der Impfstoff sicher sei entgegnete er: "Ich finde eine derartige Aussage fahrlässig. Ich habe mich selber jetzt drei Monate intensiv mit den Studiendaten und den Ergebnissen beschäftigt und würde diese Aussage nie tätigen. Ich würde sagen, bei der akuten Anwendung treten Nebenwirkungen auf, die wir kennen von Impfstoffen, zur Langzeitsicherheit wissen wir gar nichts, und die Nachverfolgung nach der zweiten Impfung beträgt ganze zwei Monate im Median, also ein viel zu kurzer Zeitraum, um so eine pauschale Aussage zu treffen."

Bezüglich der Gefahren für Riskiopatienten durch die Impfung sagte er: "Wir werden sehr viel lernen, jetzt, nachdem der Impfstoff zugelassen ist und die Impfprogramme starten. Wir werden Nebenwirkungen sehen, die in den Studien nicht aufgetreten sind. Ganze 20.000 Menschen sind mit diesem Impfstoff bisher weltweit geimpft worden. Jetzt werden in Kürze Hunderttausende geimpft. Und wir haben ja erste Meldungen aus Großbritannien über allergische Reaktionen. Deswegen ist dort auch die Fachinformation geändert worden. Leute mit bekannten Allergien und schweren anaphylaktischen Reaktionen sollten diesen Impfstoff nicht bekommen. Aber ich glaube, es ist jetzt viel zu früh. Wir müssen, und das ist, glaube ich, das Entscheidende, wir müssen unbedingt sehr gründlich jetzt die Nebenwirkungen, die auftreten, registrieren - und wir müssen sie dokumentieren und dann auch frühzeitig darüber informieren."

Die Einmischung der Politik in die Impfstoffentwicklung sehe ich sehr kritisch, so auch Prof. Ludwig: "Ich habe diesen Druck natürlich vonseiten der Politik gespürt. Auch der Bundesgesundheitsminister hat diesen Druck ausgeübt, und letztlich haben sogar auch Vertreter der Ärzteschaft teilweise diesen Druck ausgeübt.“ Im Rahmen meiner Recherchen hatte ich auch Mailkontakt mit einem Impfstoffentwickler. In einer Antwortmail bekam ich folgende Aussage: „Ich verstehe Ihre Bedenken hinsichtlich der verkürzten Entwicklung und beschleunigten Zulassung von Impfstoffen gegen SARS-CoV2, aber angesichts der derzeitigen Situation wird dies meines Erachtens behördlich so gewünscht und von Seiten verschiedener Regierungen auch so verlangt.“

Aufgrund meiner Recherchen besteht bei mir durchaus eine gewisse Impfskepsis gegenüber dem neuen Impfstoff gegen SARS-CoV2. Und den Schuh des „Impfgegners“ kann man mir sicherlich nicht anziehen, da ich eine große Impfpraxis betreibe mit den bisherigen gut etablierten klassischen Impfstoffen. Daher ist die Kolumne von Herrn Alexander Neubacher, welche am 19.12.2020 im Spiegel erschien mit einem Lächeln zu quittieren. Er schreibt darin: „Ich glaube, die Impfskepsis vieler Deutschen ist Ausdruck einer wachsenden Öko-Esoterik, Naturverklärung und Technikfeindlichkeit in Gesundheitsfragen. … Es gibt Professuren an Universitäten, die sich allen Ernstes mit dem Homöopathie-Hokuspokus beschäftigen, als Wahlfach für die Studenten. Und die gesetzlichen Krankenkassen verpulvern Millionen für sogenannte Alternativmedizin, deren Nutzen in keiner wissenschaftlichen Studie je bewiesen werden konnte. Auch gegen Corona sind Globuli machtlos.“ Hier vermischt er so ziemlich alles und man könnte sagen, dass er eine „Verschwörungstheorie“ aufstellt.  

Daher nochmals meine Bitte an alle Beteiligten die Diskussion zurück zur Sachlichkeit zu bringen. Eine weitere Eskalation führt lediglich zu Spaltung der Gesellschaft bei und ist nicht das was uns weiterbringt. Sich zusammensetzen und auf sachlicher Basis zu diskutieren kann uns nur zur Wahrheitsfindung bringen. Denn wie schon von mir gesagt liegt die Wahrheit immer in der Mitte. Die Personen, welche kritisch zu den Coronamaßnahmen stehen generell in die Ecke der psychisch Kranken zu stellen, wie es Frau Bundeskanzlerin Merkel am 15.12.2020 tat, indem sie über Kritiker sagte: „Das übliche Argumentieren, das hilft da nicht, deshalb ist das für uns schon eine besondere Herausforderung. Das wird vielleicht auch eine Aufgabe für Psychologen sein.“, ist da ebenfalls kontraproduktiv, da hilft auch das relativierende Wort „vielleicht“ nicht. Doch auch an die Richtung der „Impfgegner“ richtet sich mein Appell den Dampf rauszulassen. Eine Diskussion auf Augenhöhe wird gebraucht.

 

 

21.12.2020

 

 

 

 

 

 

 

Wie steht es mit der Sicherheit des neuen Impfstoffes?

 Der RNA-Impfstoff ist bisher nicht wirklich untersucht worden vor dem Auftreten von SARS-CoV2. Vor der Entwicklung des Impfstoffes gegen Covid-19 wurden das Stadium des Tierversuchs in der Regel nicht überschritten. Es gab vereinzelte Phase-I-Studien mit RNA-Impfstoffen, welche nur geringe Probandenzahlen hatten. In meiner Rubrik „Der Impfstoff“ weiter unten bin ich ausführlich auf die einzelnen Phasen der Impfstoffentwicklung eingegangen. Die Impfstoffentwickler Moderna und Curevac haben insgesamt neun verschiedene RNA-Impfstoffe wie z.B. gegen Cytomegalie, Zikavirus, Influenza, Tollwut und Chikungunya seit 2013 in Phase I-Studien und die Firma Moderna dieses Jahr ein CMV-Impfstoff in der Rekrutierungsphase der Phase-II-Studie. Allerdings wurden nur bei zwei der Impfstoffkandidaten für Tollwut die Phase-I-Studien abgeschlossen. Diese beiden Impfstoffstudien wurden vor 6 bzw. 7 Jahren angemeldet. Seither hat man nichts mehr davon gehört. Die anderen Impfstoffstudien wurden entweder abgebrochen oder es liegen keine Ergebnisse vor. Das Ziel dieser Phase I ist es Erkenntnisse zu Sicherheit und Verträglichkeit zu bekommen und dient nicht zum Ermitteln von Nebenwirkungen.

 

Es gibt also bisher keine Daten über die Langzeitsicherheit eines solchen RNA-Impfstoffes!

 

Auf den sogenannten Oxford-Impfstoff von AstraZeneca bin ich bereits ausführlich eingegangen. Ähnliche Ergebnisse haben wir auch bei dem Impfstoff BNT162b1 der Firma Biontech. Es zeigten sich gute Antikörper- und T-Zell-Antworten nach der Impfung mit BNT162b1 aus einer zweiten, nicht-randomisierten Open-Label-Phase-I/II-Studie bei gesunden Erwachsenen im Alter von 18-55 Jahren. Zwei Dosen von 1-50 g BNT162b1 lösten robuste CD4+ und CD8+ T-Zellreaktionen und starke Antikörperreaktionen aus. Allerdings kam es auch hier bei einer großen Anzahl von Probanden zu leichten und mittelschweren Impfreaktionen wie grippale Symptomen. (Ugur Sahin, “COVID-19 vaccine BNT162b1 elicits human antibody and T H 1 T cell responses”, Nature, 30.09.2020). Auch bei dem Impfstoffkandidat von Moderna verhält es sich gleich. In der kleinen Studie mit älteren Erwachsenen waren Nebenwirkungen im Zusammenhang mit dem mRNA-1273-Impfstoff hauptsächlich mild oder mäßig. (Evan J Anderson, “Safety and Immunogenicity of SARS-CoV-2 mRNA-1273 Vaccine in Older Adults”, New England Journal of Medicine, 29.09.2020).  

 

Auch hier weisen die Ergebnisse darauf hin, dass es zu einem gewissen Eigenschutz vor schwerem Verlauf von Covid-19 kommt, allerdings besteht die Infektiösität der Geimpften nach Infektion auch durch diese Impfstoffkandidaten ebenfalls weiter und die Infektionskette wird nicht durchbrochen.

 

„Auch Geimpfte können möglicherweise sich und andere infizieren, auch wenn die weniger stark erkranken. Daher müssen sie aus Rücksicht auf andere die Hygieneregeln für Corona ebenfalls beachten. Sie schützen damit andere. So soll es auch bleiben“, dies sagte Karl Lauterbach dem Nachrichtenportal Watson am 24.11.2020.

 

Über Langzeitfolgen /-schäden können durch diese Studien keinerlei Aussage gemacht werden.

 

„Keine der derzeit laufenden Studien zielt darauf ab, eine Verringerung schwerwiegender Ergebnisse wie Krankenhauseinweisungen, Intensivpflege oder Todesfälle zu erkennen. … Krankenhauseinweisungen und Todesfälle von Covid-19 sind einfach zu selten in der Bevölkerungsgruppe, die auf einen wirksamen Impfstoff untersucht wird, um statistisch signifikante Unterschiede in einer Studie mit 30 000 Menschen aufzuzeigen.“ (Peter Doshi, “Will covid-19 vaccines save lives? Current trials aren’t designed to tell us”, British Medical Journal, 21.10.2020).

 

„Covid-19-Impfstoffstudien sind derzeit so konzipiert, dass sie die endgültigen Wirksamkeitsergebnisse tabellarisch darstellen, sobald 150 bis 160 Studienteilnehmer symptomatische Covid-19 entwickeln – und die meisten Studien haben mindestens eine Zwischenanalyse spezifiziert, die es ermöglicht, dass die Studien mit noch weniger Daten enden.“ (Eric Topol, “Offit’s biggest concern about covid vaccines.”).

 

Der Impfforscher Paul Offit sagt bezüglich der Risikogruppe folgendes: "Wenn wir in der Gruppe der über 65-Jährigen keine ausreichenden Daten haben, dann sollte der 65-Jährige diesen Impfstoff nicht bekommen, was schade wäre, weil sie am ehesten an dieser Infektion sterben." Auch bezüglich anderen nicht in den Studien vertretenen Bevölkerungsgruppen wie Schwangere, Kinder etc. sagte er: "Man kann Minderheiten nicht davon überzeugen, diesen Impfstoff zu erhalten, wenn sie nicht in diesen Studien vertreten sind. Sonst werden sie sich wie Versuchskaninchen fühlen und das ist verständlich."

 

Mit dem Beginn der Impfung mit einem solchen RNA-Impfstoff wird automatisch die randomisierte Nachbeobachtung beendet werden, da es hier nun keinen Placeboarm mehr geben wird. Man kann die Impfstoffe auf Wirkung und Nebenwirkung nicht mehr mit einer Probandengruppe die ein Placebo bekam vergleichen. Es stellen sich zweierlei ethische Fragen: Zum einen, ob man diesen Impfstoff, der einen Antikörperreaktion hervorruft den Probanden, welche nur Placebo erhalten hätten, vorenthalten darf. Aber auch die Frage, ob bei der nicht vorliegenden Datenlage von Langzeitfolgen diese Studien bereits ausreichen für eine Zulassung.

 

Nochmals muss man die Impfstrategie die gesamte Bevölkerung zu impfen hinterfragen. Wenn die Infektionskette nicht unterbrochen werden kann durch diesen Impfstoff, da auch Geimpfte noch andere anstecken können, was macht es für einen Sinn eine Bevölkerung zu impfen wovon 80% keine oder nur sehr milde Symptome durch die Infektion bekommen. Da bei dieser Bevölkerungsgruppe kein Nutzen der Impfung zu erwarten ist, da die Verringerung der Schwere von Covid-19 hier nur eine untergeordnete Rolle spielt, aber sie dem Risiko von Impfkomplikationen ausgesetzt werden. Wäre es nicht sinnvoller nur die Risikogruppe - nach ausführlicher Aufklärung, dass der Impfstoff bei dieser Gruppe nicht getestet wurde - zu impfen?

 

 

 

 06.12.2020

 

 

 

 

 

Gericht in Portugal urteilt: PCR-Tests sind unzuverlässig und dürfen keine Quarantäne begründen!

 

Vor einigen Wochen bin ich bereits ausführlich auf den PCR-Test eingegangen (nach unten scrollen). Der PCR-Test steht ja im Mittelpunkt aller Entscheidungen und Handlungen. Die Regierung beschließt weitreichende Einschränkungen aufgrund dieses Testes, aber auch Firmen und Arbeitgeber, aber auch Schulen gehen immer mehr dazu über solche Reihentestungen durchzuführen. Die Weigerung an einem solchen Test teilzunehmen bringt teilweise Nachteile für denjenigen mit sich. Auf den wissenschaftlichen Unsinn ohne konkreten Verdacht wahllos eine PCR-Testung zu machen bin ich bereits ausführlich eingegangen.

 

Am 11.11.2020 hat das Berufungsgericht in Lissabon eine richtungsweisende Entscheidung gefällt, welche auch für die gängige Praxis hier in Deutschland indirekt Auswirkungen haben sollte. Unter der Prozessnummer 1783/20.7T8PDL.L1 wurde die PCR-Testung für unzuverlässig erachtet und hob eine Quarantäneanordnung auf! Diese Quarantäneanordnung galt für eine positiv getestete Person und drei ihr nahestehenden Kontaktpersonen. Es wurde von dem Berufungsgericht ausgeführt, dass der PCR-Test nicht in der Lage ist eine Infektion mit SARS-CoV2 zweifelsfrei zu erkennen und die Wahrscheinlichkeit eines falsch-positiven Testes sehr hoch sei! Die Einstufung einer Person als infektiös und daher als gesundheitsgefährdend für andere könne alleine durch die Feststellung eines Arztes erfolgen und nicht aufgrund einer behördlichen Anordnung.

 

Natürlich hat dieser Rechtsspruch in Portugal keine unmittelbare Auswirkung auf die hiesige Rechtsprechung, aber ich gehe davon aus, dass dieses Urteil bei der deutschen Justiz Beachtung finden muss. Es deckt sich komplett auch mit meiner Einschätzung der PCR.

 

In den Medien fand dieses Urteil, was einem Paukenschlag gleicht, bisher keine wesentliche Erwähnung.

 

29.11.2020

 

 

 

Der Mund-Nasen-Schutz (MNS) - Noch mehr Studien!

Der Präsident der Bundesärztekammer Dr. Reinhardt äußerte sich kritisch bei der Talkshow Lanz am 21.10.2020 über die Wirksamkeit der Mund-Nasen-Maske, insbesondere im Freien. Er schlug vor für Risikopatienten FFP-2-Masken zu tragen. Über die normale Alltagsmaske sagte er, dass es über die Wirksamkeit bisher keine ausreichende wissenschaftliche Evidenz gibt, schon gar nicht im Selbstschutz und nur ganz wenig beim Schutz andere anzustecken. Schon während der Sendung wurde er daraufhin vom Moderator schon scharf angegangen, dies sei ein Punkt über den man gar nicht mehr diskutieren sollte, es gäbe sehr wohl Evidenz dafür, dass Masken schützen. In der Folge ergoss sich ein gewaltiger Shitstorm über ihm. Prof. Lauterbach forderte ihn umgehend zum Rücktritt auf. Horst Seehofer meinte daraufhin am 23.10.2020: „… Die Bevölkerung ist manchmal noch sachkundiger und einsichtiger als manche Berufsfunktionäre!“

Da diese Diskussion gewohntermaßen wieder emotional statt sachlich geführt wurde und keine diese Aussage widerlegende Studien genannt wurden, machte ich mich nochmals an die Recherche mit der Frage, ob es neue Erkenntnisse inzwischen gibt. Weiter unten auf meiner Homepage bin ich ja bereits ausführlich auf den MNS in der Öffentlichkeit eingegangen. Hier sind nun meine weiteren Recherchen:

Die amerikanische Gesundheitsbehörde veröffentlichet im Mai dieses Jahres eine Metastudie im Rahmen der Grippepandemie, welche zeigte, dass Gesichtsmasken weder zum Selbstschutz, noch zum Fremdschutz eine Wirksamkeit haben. Darin steht: (deutsche Übersetzung) „…Hier überprüfen wir die Evidenzbasis zur Wirksamkeit nicht-pharmazeutischer persönlicher Schutzmaßnahmen und Umwelthygienemaßnahmen in nicht-gesundheitsmedizinischen Umgebungen und diskutieren deren mögliche Einbeziehung in Pandemiepläne. Obwohl mechanistische Studien die mögliche Wirkung von Handhygiene oder Gesichtsmasken unterstützen, stützten die Ergebnisse von 14 randomisierten kontrollierten Studien dieser Maßnahmen keine wesentlichen Auswirkungen auf die Übertragung der im Labor bestätigten Influenza.“ (US-CDC, Jingyi Xiao, „Nonpharmaceutical Measures for Pandemic Influenza in Nonhealthcare Settings—Personal Protective and Environmental Measures“, 05.05.2020). Das Oxford Centre for Evidence-Based Medicine berichtete im Juli 2020, dass sie keine Beweise für die Wirksamkeit von Stoffmasken gegen Infektionen oder Übertragungen durch Viren gibt. (Tom Jefferson, Carl Heneghan, „Masking lack of evidence with politics“, 23.07.2020). Die University of East Anglia machte eine Langzeitstudie über Covid-19. Das Ergebnis war ebenfalls, dass eine MNS keinen zusätzlichen Nutzen hatte, aber das Infektionsrisiko sogar noch erhöhen könnte. (Paul R Hunter, „Impact of non-pharmaceutical interventions against COVID-19 in Europe: a quasi-experimental study“, 06.05.2020). Lisa M Brosseau, ScD, und Margaret Sietsema, PhD, zwei Professorinnen für Atemwegs- und Infektionskrankheiten der University of Illinois kommen nach Überprüfung der aktuellen Studienlage zu dem Ergebnis, dass MNS im Alltag weder als Selbst- noch als Fremdschutz eine Wirkung hat. (Center for infectious disease reseach an policy, Lisa M Brosseau, ScD, and Margaret Sietsema, PhD, „COMMENTARY: Masks-for-all for COVID-19 not based on sound data“ 01.04.2020.;  Anfinrud P, Stadnytskyi V, Bax CE, et al. „Visualizing speech-generated oral fluid droplets with laser light scattering.“ N Engl J Med 2020 (published online Apr 15);  Davies A, Thompson KA, Giri K, et al. „Testing the efficacy of homemade masks: would they protect in an influenza pandemic? Disaster“ Med Public Health Prep 2013 Aug;7(4):413-8;  Green CF, Davidson CS, Panlilio AL, et al. „Effectiveness of selected surgical masks in arresting vegetative cells and endospores when worn by simulated contagious patients.“ Infect Control Hosp Epidemiol 2012 May;33(5):48794;  Johnson DF, Druce JD, Birch C, et al. „A quantitative assessment of the efficacy of surgical and N95 masks to filter influenza virus in patients with acute influenza infection.“ Clin Infect Dis 2009 Jul 15;49(2):275-7;  Konda A, Prakash A, Moss GA, et al. „Aerosol filtration efficiency of common fabrics used in respiratory cloth masks.“ ACS Nano. 2020 (published online Apr 24);  Leung NHL, Chu DKW, Shiu EYC, et al. „Respiratory virus shedding in exhaled breath and efficacy of face masks.“ Nat Med 2020 (published online Apr 3);  Ma QX, Shan H, Zhang HL, et al. „Potential utilities of mask-wearing and instant hand hygiene for fighting SARS-CoV-2.“ J Med Virol 2020 (published online Mar 31);  Morawska L, Milton DK. „It is time to address airborne transmission of COVID-19.“ Clin Infect Dis 2020 (published online Jul 6);  National Academies of Sciences, Engineering, and Medicine. 2020. „Rapid expert consultation on the effectiveness of fabric masks for the COVID-19 pandemic.“ Washington, DC, National Academies Press. Apr 8, 2020;  Rengasamy S, Eimer B, Szalajda J. „A quantitative assessment of the total inward leakage of NaCl aerosol representing submicron-size bioaerosol through N95 filtering facepiece respirators and surgical masks.“ J Occup Environ Hyg 2014 May 9;11(6):388-96). Auch folgende Studie kam zum Schluss, dass der MNS wenig bis keinen bis gar keinen Schutz bieten, allerdings einen symbolischen Charakter hat. (Michael Klompas, „Universal Masking in Hospitals in the Covid-19 Era“, New England Journal of Medicine, 21.05.2020). In einer Preprint-Cochrane-Studie zeigte sich, dass der MNS weder in der Allgemeinbevölkerung, noch beim Gesundheitspersonal die influenza-ähnlichen Krankheitsfälle reduziert. (Tom Jefferson, „Physical interventions to interrupt or reduce the spread of respiratory viruses. Part 1 - Face masks, eye protection and person distancing: systematic review and meta-analysis“ 07.04.2020). Ebenfalls ein preprint-review der Norwich School of Medicine zeigte, „dass die Beweise nicht stark genug sind, um die weit verbreitete Verwendung von Gesichtsmasken zu unterstützen", sondern die Verwendung von Masken durch "besonders schutzbedürftige Personen in vorübergehenden Situationen mit höherem Risiko" unterstützt. (Julii, Suzanne Brainard, „Facemasks and similar barriers to prevent respiratory illness such as COVID-19: A rapid systematic review“ 06.04.2020). Dass aufgrund der Porengröße der Stoffmasken und derer im Allgemeinen schlechten Passform keinen Schutz gegen Coronaviren bietet, zeigte eine Studie japanischer Forscher. (Naoya Kon, „Cloth face masks offer zero shield against virus, a study shows“, 07.07.2020). Eine im März 2015 veröffentlichte Studie ergab, dass 97% der Partikel durch eine Stoffmaske drangen und sie das Infektionsrisiko durch zurückhalten von Feuchtigkeit oder mehrfacher Anwendung erhöht. (C Raina MacIntyre, „A cluster randomised trial of cloth masks compared with medical masks in healthcare workers“, British Medical Journal, 26.03.2015). Die US-amerikanische Seuchenbehörde veröffentlichte, dass 85% der mit dem SARS-CoV2 infizierten Personen berichteten, eine Maske "immer" zu tragen (70,6%) oder "oft" (14,4%). Im Vergleich zur Kontrollgruppe von nicht infizierten Personen verringerte das Tragen einer Maske das Infektionsrisiko nicht. („Community and Close Contact Exposures Associated with COVID-19 Among Symptomatic Adults ≥18 Years in 11 Outpatient Health Care Facilities — United States, July 2020“).

Doch es gibt auch Studien, die einen Nutzen des MNS herausfanden. Mit diesen muss man sich auch auseinandersetzen.

Eine von der WHO in Auftrag gegebenen Meta-Studie schreibt, dass Masken "zu einer Verringerung des Infektionsrisikos führen könnten". (Derek K Chu, MD, „Physical distancing, face masks, and eye protection to prevent person-to-person transmission of SARS-CoV-2 and COVID-19: a systematic review and meta-analysis“, The Lancet, 27.06.2020). Allerdings werden in dieser Studie nicht Stoffmasken in Gemeinschaftsumgebung, sondern hauptsächlich FFP-2-Masken in einem Krankenhaus betrachtet. Professor Peter Jueni, Epidemiologe an der University of Toronto, nannte die WHO-Studie "im Wesentlichen nutzlos". Eine andere Studie kam zu dem Ergebnis, dass Masken zu einem Rückgang der Infektionen in drei globalen Hotspots - einschließlich New York City - geführt hätten. (Renyi Zhang, „Identifying airborne transmission as the dominant route for the spread of COVID-19“, PNAS, 11.06.2020). Allerdings war die Studie so fehlerhaft, dass über 40 Wissenschaftler empfahlen diese Studie zurückzuziehen. („Prominent Researchers Say a Widely Cited Study on Wearing Masks Is Badly Flawed“, 22.06.2020). Dass Masken zu einem Rückgang der Infektionen in 15 US-Bundesstaaten geführt hatten wurde in einer US-Studie genannt. (Wei Lyu, „Community Use Of Face Masks And COVID-19: Evidence From A Natural Experiment Of State Mandates In The US“, Health Affairs, 16.06.2020). Als Kritikpunkt dieser Studie wurde allerdings angeführt, dass diese Studie nicht berücksichtigte dass in den meisten US-Bundesstaaten zu diesem Zeitpunkt die Infektionsrate bereits rückläufig war und ein Vergleich mit anderen Staaten nicht gemacht wurde. In mehreren Bundesstaaten mit Maskenpflicht wie z.B. Kalifornien, Florida und Hawaii, stiegen die Infektionszahlen nach Veröffentlichung der Studie wieder an. Eine preview-Studie aus Kanada zeigte, dass es in Ländern mit Maskenpflicht weniger Todesfälle gibt, als in Ländern ohne Maskenpflicht. (Christopher T Leffler, „Association of country-wide coronavirus mortality with demographics, testing, lockdowns, and public wearing of masks.“, 05.08.2020). Die Schwierigkeit hierbei ist, dass hier sehr unterschiedliche Länder mit sehr unterschiedlichen Infektionsraten und Bevölkerungsstrukturen (afrikanische, lateinamerikanische, asiatische und osteuropäische Länder) miteinander verglichen wurden. Die University of Oxford kam in einer Studie zu dem Schluss, dass Gesichtsmasken wirksam sind. Dieser review bezieht sich auf Studien über SARS-1 im Gesundheitswesen, allerdings nicht in der Öffentlichkeit. („Face masks and coverings for the general public: Behavioural knowledge, effectiveness of cloth coverings and public messaging“, The Royal Society, 26.06.2020).

Deborah Cohen, eine Medizinreporterin der BBC schrieb am 12.07.2020 auf Twitter: „We had been told by various sources WHO committee reviewing the evidence had not backed masks but they recommended them due to political lobbying. This point was put to WHO who did not deny“ (Übersetzung: Uns war von verschiedenen Quellen gesagt worden, dass der WHO-Ausschuss, der die Evidenz überprüfte, keine Masken unterstützt hatte. Aber sie empfahlen diese aufgrund politischer Lobbyarbeit. Dieser Punkt wurde an die WHO gegeben, welche dies nicht leugnete.)

Prof. Drosten sagte am 08.11.2020: Forscher müssen „ein realistisches Bild zeichnen und nicht das gewünschte.“ Er fühle sich verpflichtet „korrigierend einzugreifen und ausgemachten Unsinn auch einmal beim Namen zu nennen.“ Da stimme ich absolut mit ihm überein.

 

08.11.2020 

 

Nachtrag am 20.11.2020:

 

Am 09.11.2020 schrieb die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg an ihre Mitglieder Bezug nehmend auf die Äußerung des Präsidenten der Bundesärztekammer folgendes: „…Allerdings lehnen wir eine diskutative Verunsicherung der Menschen im Land ab. Wir haben kein Verständnis für die Infragestellung von evidenzbasierten, wirksamen Hygienemaßnahmen, wie Masken, durch den Bundesärztekammerpräsidenten. Wer wissenschaftliche Erkenntnisse durch politische Dialektik auf dem Boden von Unkenntnis oder anderen Bestrebungen ersetzt, fällt auf einen Zustand vor der Aufklärung und vor einer wissenschaftlichen Medizin zurück und ersetzt Evidenz durch Eminenz. Als nur bedingt hilfreich sehen Sie und wir auch die zu einem suboptimalen Zeitpunkt der politischen Diskussion initiierten Aktivitäten der KBV an. Wir denken, dass der Anstieg der Infektionszahlen auch durch den Mangel an Eigenverantwortung verursacht wurde und damit auch Ursache des erneuten Lockdowns ist. …“ Eine solch scharfe Formulierung dient dazu den „Gegner“ zu zerstören und zeigt exemplarisch die aktuelle emotional aufgeladene Gesprächskultur. Sie wirkt leider nicht deeskalierend!

 

Eine aktuell am 18.11.2020 veröffentlichte dänische Studie ermittelte eine Infektionsrate mit SARS-CoV2 bei den Studienteilnehmer welche einen OP-MNS trugen von 1,8% und bei Probanden, welche keine Maske trugen von 2,1%. Der Unterschied war statistisch nicht signifikant und daher konnte auch hier keine schützende Wirkung eines solchen MNS nachgewiesen werden. (H. Bundgaard, „Effectiveness of Adding a Mask Recommendation to Other Public Health Measures to Prevent SARS-CoV-2 Infection in Danish Mask Wearers“, Annals of Internal Medicine, 18.11.2020).

 

 

 

 

Langzeitfolgen von Covid-19

 

Vor allem jüngere und zuvor gesunde Personen und Personen welche eine milde oder moderate Covid-19-Symptomatik ohne Krankenhausaufenthalt hatten, berichten von anhaltenden oder wiederkehrenden Krankheitssymptomen. Insgesamt betrifft dies ca. 10% der Patienten nach einer Infektion mit SARS-CoV2 über einen Zeitraum von mehreren Wochen bis Monate. (Trisha Greenhalgh, „Management of post-acute covid-19 in primary care“, British medical journal, 11.08.2020). In einer kleineren Studie der US-amerikanischen Gesundheitsbehörde wurden sogar bis zu 30% der Patienten nach Covid-19, welche nicht im Krankenhaus behandelt wurden, mit nach einem Monat noch bestehenden typischen Symptomen ermittelt. In der Patientengruppe zwischen 18 bis 35 Jahre ohne Vorerkrankungen waren etwa 20% mit anhaltenden Symptomen. (Mark W. Tenforde, „Symptom Duration and Risk Factors for Delayed Return to Usual Health Among Outpatients with COVID-19 in a Multistate Health Care Systems Network — United States, March–June 2020“ 31.07.2020). Eine aktuelle, am 19.10.2020 veröffentlichte Studie aus Großbritannien zeigte, dass innerhalb von 12 Tagen die meisten Patienten wieder gesunden, etwa 15% der Patienten für mindestens 4 Wochen Symptome zeigen, etwa 5% für mindestens 8 Wochen und etwa 2% für mindestens 12 Wochen unter Symptomen klagen. (Carole H. Sudre, „Attributes and predictors of Long-COVID: analysis of COVID cases and their symptoms collected by the Covid Symptoms Study App“, 19.10.2020). Zu den am häufigsten angeführten Symptomen zählen schnelle Erschöpfbarkeit, Belastungsdyspnoe, erhöhte Temperatur, Palpitationen, thorakale Schmerzen, Husten, Kopfschmerzen, Magen-Darm-Beschwerden, Reduktion der geistigen Leistungsfähigkeit und allgemeine Muskelschmerzen. Bisher ist noch nicht abschließend geklärt worauf diese anhaltenden Beschwerden beruhen. Man vermutet eine durch das Virus ausgelöste Entzündungsreaktion oder eine Immunreaktion auf die Infektion. Bei 19% von symptomatischen Schweizer Armeerekruten mit einem Durchschnittsalter von 21 Jahren fand man ein bis zwei Monate nach der Erkrankung eine Verringerung der Lungenfunktion über 10% (bis 20%). (Giovanni Andrea Gerardo Crameri, „Reduced maximal aerobic capacity after COVID-19 in young adult recruits, Switzerland, May 2020, 10.09.2020). In einer radiologischen Studie des Klinikums Stuttgart erkannte man allerdings eine gute Regeneration der Lunge. Prof. Dr. Richter: "Wir können erkennen, dass die Lunge gut heilen kann, auch bei Patienten, die drei Wochen Intensivstation hinter sich haben." Die Universität von Bristol berichtet von 75% der Patienten, welche im Krankenhaus behandelt wurden und nach drei Monaten noch Symptome aufwiesen. Allerdings jedoch meist mit deutlicher Verbesserung und ohne Folgeschäden an den Lungen. („Three quarters of patients report long-term effects of coronavius“, University of Bristol, 25.08.2020). In einer Zusammenfassung mehrerer Studien zeigte bei einem großen Anteil von Patienten mit mildem und moderatem Covid-19-Verlauf eine Herzmuskelentzündung (Myokarditis). (Elizabeth Cooney, „Covid-19 infections leave an impact on the heart, raising concerns about lasting damage“, 27.07.2020). Daher sollten Patienten mit anhaltenden Brustschmerzen beim Kardiologen abgeklärt werden. Bei einer aktuellen britischen Studie stellte sich eine Myokarditis bei ca. 10% der Patienten heraus. Dies sind deutlich weniger als in den bisherigen Studien angenommen. (Andrea Dennis, „Multi-organ impairment in low-risk individuals with long COVID“, 14.10.2020). Diese Werte entsprechen denen bei einer Influenza. (Akira Ukimura, „Myocarditis Associated with Influenza A H1N1pdm2009“, 17.12.2012). In Obduktionen von Covid-19-Patienten wurden bisher allerdings kaum Hinweise auf eine Myokarditis gefunden. (Diana Lindner, Association of Cardiac Infection With SARS-CoV-2 in Confirmed COVID-19 Autopsy Cases“, 27.07.2020). Dem steht eine radiologische Studie entgegen, wobei 100 MRT-Aufnahmen von Patienten die Covid-19 durchgemacht hatten, angeschaut wurden. Dabei wurden bei 78 Herzen entzündliche Veränderungen festgestellt. (Valentina O. Puntmann, „Outcomes of Cardiovascular Magnetic Resonance Imaging in Patients Recently Recovered From Coronavirus Disease 2019 (COVID-19)“, 27.07.2020). Der Kardiologe Prof. Dr. Eberli geht jedoch davon aus, dass die Schädigungen am Herz in den meisten Fällen nur vorübergehend sind.

 

Diese ganzen Symptome sind auch von anderen Virusinfekten, vor allem auch von der Influenza bekannt und werden unter dem sogenannten „post-viralem Syndrom" zusammengefasst. Diese nun als Covid-19-Folgeerscheinungen auftretenden Symptome sind daher nicht ungewöhnlich und sind zu erwarten gewesen. Covid-19 bedeutet für die überwiegende Mehrzahl der Bevölkerung dennoch eine vergleichsweise milde und kurz anhaltende Infektionserkrankung.

 

 

 

 28.10.2020

 

 

 

WHO-Empfehlung und Umsetzung!

 

In einem Interview mit dem „Spectator“ am 08.10.2020 sprach David Nabarro (einer der sechs Sondergesandten des Generaldirektors der WHO) folgendes: „Wir in der Weltgesundheitsorganisation befürworten keine Lockdowns als primäres Mittel zur Kontrolle dieses Virus. … Wir glauben, dass ein Lockdown nur dann gerechtfertigt ist, um Zeit zu gewinnen, um Ressourcen umzustrukturieren, neu zu gruppieren, wieder ins Gleichgewicht zu bringen und Ihr erschöpftes Gesundheitspersonal zu schützen, aber im Großen und Ganzen würden wir das lieber nicht tun. …Und so appellieren wir wirklich an alle führenden Politiker der Welt: Hören Sie auf, die Lockdowns als ihre primäre Kontrollmethode zu benutzen, entwickeln Sie bessere Systeme dafür, arbeiten Sie zusammen und lernen Sie voneinander, aber denken Sie daran, dass Lockdowns nur eine Konsequenz haben, die Sie niemals außer Acht lassen dürfen, und das ist, arme Menschen um ein Vielfaches ärmer zu machen.

 

Am 13.10.2020 sagte der bayrische Ministerpräsident Markus Söder auf einer Pressekonferenz „Der zweite Lockdown rückt näher, wenn es keinen Ruck gibt.“ Das Coronavirus vom Herbst sei nicht schwächer als das aus dem März und April. Deshalb brauche es eine „ernsthafte Reaktion“.

 

Am 14.10.2020 haben die Ministerpräsidenten und die Bundeskanzlerin sich auf weitere Maßnahmen geeinigt: Die Maskenpflicht wird in Regionen mit mehr als 35 positiven PCR-Tests auf 100 000 Einwohner in einer Woche verschärft, die Teilnehmerzahl an Feiern wird bei gleicher Inzidenz auf 25 Teilnehmer in öffentlichen und 15 in privaten Räumen begrenzt, bzw. auf 10 Personen aus maximal zwei Haushalten bei einer Inzidenz von 50 pro 100 000 in einer Woche, es wird eine Sperrstunde ab einer Inzidenz von 35 pro 100 000 in einer Woche eingeführt, es wurde das Beherbergungsverbot beschlossen. Diese Beschlüsse müssen in jedem Bundesland dann noch als Verordnung festgelegt werden.

 

Nach dieser Sitzung sagte die Bundeskanzlerin Merkel: „Ich bin nicht zufrieden: Die Ergebnisse sind nicht hart genug, dass wir Unheil abwehren“. Denn die Beschlussvorlage vom Bundeskanzleramt war ein Shutdown-Ultimatum und lautete nach Bild-Information: „Kommt der Anstieg der Infektionszahlen unter den vorgenannten Maßnahmen nicht spätestens binnen 10 Tagen zum Stillstand, sind weitere gezielte Beschränkungsschritte unvermeidlich, um öffentliche Kontakte weitergehend zu reduzieren. In diesen Fällen ist insbesondere im ersten Schritt eine Kontaktbeschränkung einzuführen, die den Aufenthalt im öffentlichen Raum nunmehr mit bis zu X Personen oder den Angehörigen zweier Hausstände gestattet.“

 

15.10.2020

 

 

Die Great Barrington Erklärung

Hier stelle ich die "Great Barrington Declaration" in der deutschen Übersetzung ein. Diese Erklärung wurde von den wohl weltweit renommiertesten Epidemiologen verfasst und bedarf keiner weiteren Erläuterung!

 

„Als Epidemiologen für Infektionskrankheiten und Wissenschaftler im Bereich des öffentlichen Gesundheitswesens haben wir ernste Bedenken hinsichtlich der schädlichen Auswirkungen der vorherrschenden COVID-19-Maßnahmen auf die physische und psychische Gesundheit und empfehlen einen Ansatz, den wir gezielten Schutz (Focused Protection) nennen. 

 

Wir kommen politisch sowohl von links als auch von rechts und aus der ganzen Welt und haben unsere berufliche Laufbahn dem Schutz der Menschen gewidmet. Die derzeitige Lockdown-Politik hat kurz- und langfristig verheerende Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit. Zu den Ergebnissen, um nur einige zu nennen, gehören niedrigere Impfraten bei Kindern, schlechtere Verläufe bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, weniger Krebsvorsorgeuntersuchungen und eine Verschlechterung der psychischen Verfassung – was in den kommenden Jahren zu einer erhöhten Übersterblichkeit führen wird. Die Arbeiterklasse und die jüngeren Mitglieder der Gesellschaft werden dabei am schlimmsten betroffen sein. Schüler von der Schule fernzuhalten, ist eine schwerwiegende Ungerechtigkeit. 

 

Die Beibehaltung dieser Maßnahmen bis ein Impfstoff zur Verfügung steht, wird irreparablen Schaden verursachen, wobei die Unterprivilegierten unverhältnismäßig stark betroffen sind.

 

Glücklicherweise wachsen unsere Erkenntnisse über das Virus. Wir wissen, dass die Gefahr durch COVID-19 zu sterben bei alten und gebrechlichen Menschen mehr als tausendmal höher ist als bei jungen Menschen. Tatsächlich ist COVID-19 für Kinder weniger gefährlich als viele andere Leiden, einschließlich der Influenza. 

 

In dem Maße, wie sich die Immunität in der Bevölkerung aufbaut, sinkt das Infektionsrisiko für alle – auch für die gefährdeten Personengruppen. Wir wissen, dass alle Populationen schließlich eine Herdenimmunität erreichen – d.h. den Punkt, an dem die Rate der Neuinfektionen stabil ist. Dies kann durch einen Impfstoff unterstützt werden, ist aber nicht davon abhängig. Unser Ziel sollte daher sein, die Mortalität und den sozialen Schaden zu minimieren, bis wir eine Herdenimmunität erreichen. 

 

Der einfühlsamste Ansatz, bei dem Risiko und Nutzen des Erreichens einer Herdenimmunität gegeneinander abgewogen werden, besteht darin, denjenigen, die ein minimales Sterberisiko haben, ein normales Leben zu ermöglichen, damit sie durch natürliche Infektion eine Immunität gegen das Virus aufbauen können, während diejenigen, die am stärksten gefährdet sind, besser geschützt werden. Wir nennen dies gezielten Schutz (Focused Protection). 

 

Die Verabschiedung von Maßnahmen zum Schutz der gefährdeten Personengruppen sollte das zentrale Ziel der Reaktionen des öffentlichen Gesundheitswesens auf COVID-19 sein. Zum Beispiel sollten Pflegeheime Personal mit erworbener Immunität einsetzen und häufige PCR-Tests bei anderen Mitarbeitern und allen Besuchern durchführen. Der Personalwechsel sollte minimiert werden. Menschen im Ruhestand, die zu Hause wohnen, sollten sich Lebensmittel und andere wichtige Dinge nach Hause liefern lassen. Wenn möglich, sollten sie Familienmitglieder eher draußen als drinnen treffen. Eine umfassende und detaillierte Reihe an Maßnahmen, darunter auch Maßnahmen für Mehrgenerationenhaushalte, kann umgesetzt werden und liegt im Rahmen der Möglichkeiten und Fähigkeiten des öffentlichen Gesundheitswesens.

 

Diejenigen, die nicht schutzbedürftig sind, sollten sofort wieder ein normales Leben führen dürfen. Einfache Hygienemaßnahmen wie Händewaschen und der Aufenthalt zu Hause im Krankheitsfall sollten von allen praktiziert werden, um den Schwellenwert für die Herdenimmunität zu senken. Schulen und Universitäten sollten für den Präsenzunterricht geöffnet sein. Außerschulische Aktivitäten, wie z. B. Sport, sollten wieder aufgenommen werden. Junge Erwachsene mit geringem Risiko sollten normal und nicht von zu Hause aus arbeiten. Restaurants und andere Geschäfte sollten öffnen können. Kunst, Musik, Sport und andere kulturelle Aktivitäten sollten wieder aufgenommen werden. Menschen, die stärker gefährdet sind, können teilnehmen, wenn sie dies wünschen, während die Gesellschaft als Ganzes den Schutz genießt, der den Schwachen durch diejenigen gewährt wird, die Herdenimmunität aufgebaut haben.“

 

 

 

Am 4. Oktober 2020 wurde diese Erklärung in Great Barrington, USA, verfasst und unterzeichnet von:

 

 

 

Dr. Martin Kulldorff, professor of medicine at Harvard University, a biostatistician, and epidemiologist with expertise in detecting and monitoring of infectious disease outbreaks and vaccine safety evaluations.

 

Dr. Sunetra Gupta, professor at Oxford University, an epidemiologist with expertise in immunology, vaccine development, and mathematical modeling of infectious diseases.

 

Dr. Jay Bhattacharya, professor at Stanford University Medical School, a physician, epidemiologist, health economist, and public health policy expert focusing on infectious diseases and vulnerable populations.

 

14.10.2020

 

 

Klein gespart, rechnet sich das?

Wenn es zu einer Überlastung des Krankenhaussystems kommt, liegt es dann an dem Virus? Bei einer Sterblichkeit von Covid-19 von 0,23% (WHO), die mit einer schweren Grippewelle vergleichbar ist, sollte das deutsche Krankenhaussystem fertig werden wie der obige Vergleich mit der Intensivauslastung im Vergleich zu 2018 zeigt, da genügend Kapazität vorhanden ist. Was wenn allerdings deutlich mehr Erkrankte in die Krankenhäuser gelangen? Der Verlauf der zweiten Welle lässt darauf schließen, dass im Dezember bis Februar nochmals ein deutlicher Anstieg an Erkrankungen zu erwarten ist. Der Verlauf der Erkrankung ändert sich nicht, allerdings kann es dann trotzdem dazu kommen, dass das Gesundheitssystem dann überlastet wird, da die Kapazitäten nicht mehr ausreichend sein können. Im europäischen Ausland, aber auch in den USA ist dies alljährlich zur Grippewelle der Fall, wie ich bereits weiter unten erklärt habe. Bisher sind wir in Deutschland von einer solchen Situation verschont geblieben. Doch falls dies eintreten sollte, so ist nicht da Virus, sondern das Krankenhaussystem dafür verantwortlich zu machen. Die Politik hat den gesamten Sommer verstreichen lassen und nicht dafür gesorgt, dass die Krankenhauskapazität gesteigert wurde. Vielmehr wurde abgewartet, bis der natürliche Anstieg der Infektionszahl im Herbst kam, um dann einen neuen Lockdown, entgegen WHO-Empfehlung zu machen! Die obige Grafik zeigt den Abbau im Krankenhauswesen seit dem Jahr 2000. Da stellt sich die Frage, ob bei den gigantischen Geldsummen die bereits in der aktuellen Pandemie verbraucht wurden und in Anbetracht auf die noch nicht abzuschätzenden Folgekosten es sich wirklich gelohnt hat das Gesundheitssystem klein zu sparen.

 

15.11.2020, zweite Grafik eingefügt am 16.12.2020

 

 

 

Aufruf zur Deeskalation!

 

Bei meiner ärztlichen Tätigkeit als Landarzt und Notarzt habe ich während der Hochphase der Infektion im März und April bemerkt, dass meine Erfahrungen in der Praxis, im Rettungsdienst und auf den Intensivstationen sich komplett unterschieden von der medialen Berichterstattung. Daher machte ich mich daran die Daten, Zahlen und Fakten zu recherchieren und auf meine Homepage zu stellen, welche ich nicht in der öffentlichen Darstellung erfuhr. Meine Datensammlung soll helfen, dass man sich eine eigene Meinung bilden kann. Für eine Meinungsbildung benötigt man möglichst umfassende Informationen. Denn wenn ich sage, dass nur meine Meinung die richtige ist und alles andere falsch, oder gar böse oder schlecht, dann habe ich von vornherein verhindert, dass ich jemals die Wahrheit erkennen kann. Und wenn ich alle Perspektiven angeschaut habe, dann kann ich auch sachlich diskutieren und argumentieren. Doch wie läuft die öffentliche Diskussion ab? Es wird leider immer weniger sachlich und immer mehr emotional diskutiert. Wobei man von einer Diskussionskultur schon lange nicht mehr reden kann. Zudem beobachte ich eine immer größer werdende Radikalisierung in dem Thema um SARS-CoV2. Der österreichische Psychiater und Neurowissenschaftler Dr. Raphael Bonelli hat die beiden Begriffe „Gesundheitsapostel“ und „Freiheitskämpfer“ für die Personen, welche entsprechende Positionen vertreten sehr treffend geprägt. Die „Gesundheitsapostel“ auf der einen Seite, welche schon fast militant für die Covid-Beschränkungen einstehen. Inzwischen werden neben verbalen Attacken gegen z.B. Menschen ohne Mundschutz auch immer mehr körperliche Übergriffe berichtet. Es entsteht eine Blockwart-Mentalität. Jeder Mensch der keinen Mundschutz trägt wird als „Gefährder“ oder gar als „potentieller Mörder“ beschimpft, denunziert und angegangen. Und wenn die angegangenen Personen eine Erkrankung oder Behinderung als Grund angeben, so kommt es zusätzlich noch zum Verhöhnen dieser Personen. Bestärkt wird das Verhalten durch die Politik und Medien, welche eine stark polarisierte Darstellung in Gut und Böse forcieren. Wenn die SPD-Bundesvorsitzende Saskia Esken am 01.08.2020 alle Personen, welche gegen die Coronapolitik demonstrierten als „Covidioten“ bezeichnet, oder der Spiegel in seiner Kolumne „Liebe Schutzmaskenverweigerer“ von Samirar El Quassil am 17.07.2020 schreibt: „Mal ehrlich, es ist grob unhöflich, andere Menschen umbringen zu wollen.“, dient dies lediglich zur weiteren Eskalation.

 

Auf der anderen Seite finden sich dann die sogenannten „Freiheitskämpfer“. Wenn ich von diesen Personen Sätze höre wie „wir befinden uns im Krieg!“, so wird auch hier jegliche sachliche Diskussion nicht möglich sein. Oft wird hinter den Maßnahmen der Regierung die Etablierung einer neuen „Weltordnung“ befürchtet. Auch hier sehe ich eine deutliche Radikalisierung. Den Gegenüber als Verbrecher, Diktator, gewissenlosen, korrupten Potentaten, etc. zu bezeichnen ist der Sache nicht dienlich und man stellt sich als Diskussionspartner ins Abseits.

 

Paradox ist zudem, dass die sogenannten „Gesundheitsapostel“ im Prinzip „rechtsradikal“ handeln, indem sie schon fast militant für „law and order“ stehen, sich selbst aber in der politischen Mitte oder links davon stehend sehen und demgegenüber die Ablehnung der Covid-Politik durch die „Freiheitskämpfer“, welche von der öffentlichen Meinung als „Rechtsradikale“, „Nazis“, „Reichsbürger“ etc. bezeichnet werden, im Grunde „linksradikal“ ist, nämlich gegen Unterdrückung und Unfreiheit ist. Die ganze Welt scheint auf dem Kopf zu stehen!

 

Ich bin Arzt und kein Politiker. Auf meiner Homepage stehen daher auch nur medizinische Fakten. Mein Appell an die „Gesundheitsapostel“ an die „Freiheitskämpfer“, an die Politiker, an die Medien, an einfach alle ist: Nehmt bitte den Dampf raus. Kommt wieder zu einer sachlich und weniger emotional geführten Diskussion zurück. Gerade wenn jetzt im Herbst und Winter die Infektionszahlen und die Sterbezahlen natürlich wieder ansteigen werden.

 

27.09.2020

 

 

 

Der Mund-Nasen-Schutz (MNS) im öffentlichen Raum

 

Beim Tragen des MNS muss man bestimmte Dinge beachten (WHO- und BfArM-Empfehlung): Der MNS soll immer nur von einer Person benutzt werden. Wenn sie feucht oder sichtbar verschmutzt ist soll sie gewechselt werden. Der MNS darf an der Außen- und Innenseite nicht berührt werden. Augen, Nase und Mund sollen unmittelbar nach Abnehmen des MNS nicht berührt werden. Der MNS soll nach dem Abnehmen entweder sofort entsorgt oder in einem verschließbaren Beutel verbracht werden, bis sie gewaschen wird. Direkt nach der Versorgung der Masken müssen die Hände mit Seife gewaschen werden. Stoffmasken sollen bei mindestens 60°C (idealerweise bei 95°C) gewaschen werden.

 

Zu einer Tröpfcheninfektion (Tröpfchen haben einen Durchmesser > 5 µm) kommt es in der Regel wenn der Abstand < 1 m und der face-to-face-Kontakt > 15 min beträgt. Aufgrund der Tröpfchengröße kommt es zu einer Infektion der oberen Atemwege. (Schulze-Röbbecke R. „Nosokomiale Infektionen: Übertragungswege und Übertragungsprävention“;  Schulze-Röbbecke R., „Welche Schutzmaske schützt vor COVID-19? Was ist evidenzbasiert?“;  WHO: „Transmission of SARSCoV-2: implications for infection prevention precautions.“). Internationale Übereinstimmung besteht darin, dass SARS-CoV2 hauptsächlich über Tröpfchen und Kontakt übertragen wird! (WHO: „Non-pharmaceutical public health measures for mitigating the risk an impact of epidemic and pandemic influenza“. 2019: (Stand: 07.07.2020);  WHO: „Advice on the use of masks in the context of COVID-19“, 5. Juni 2020;  European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC): „Using face masks in the community“, 8. April 2020;  Centers for Disease Control and Prevention (CDC): „coronavirus/2019-prevent-gettingsick/cloth-face-cover, (Stand: 07.07.2020);  JeffersonT, Jones, “Physical interventions to interrupt or reduce the spread of respiratory viruses. Part 1: Face masks, eye protection and person distancing: systematic review and meta-analysis“;  WHO: „Transmission of SARSCoV-2: implications for infection prevention precautions“;  Schulze-Röbbecke R. „Nosokomiale Infektionen: Übertragungswege und Übertragungsprävention“;  Schulze-Röbbecke R., „Welche Schutzmaske schützt vor COVID-19? Was ist evidenzbasiert?“)  Aber auch in Aerosolen wurde die Virus-RNA von Coronaviren nachgewiesen. (Leung NHL., „Respiratory virus shedding in exhaled breath and efficacy of face masks. Nature Med 2020“). Allerdings kann daraus nicht geschlossen werden, dass es sich um infektiöse Viren handelt! Eine Übertragung von SARS-CoV2 über Aerosole ist aktuell nur hypothetisch! (WHO: „Advice on the use of masks in the context of COVID-19;  Chu DK., „Physical distancing, face masks, and eye protection to prevent person-to-person transmission of SARS-CoV-2 and COVID-19: a systematic review and meta-analysis“, Lancet 2020;  Schulze-Röbbecke R. „Nosokomiale Infektionen: Übertragungswege und Übertragungsprävention“;  Schulze-Röbbecke R., „Welche Schutzmaske schützt vor COVID-19? Was ist evidenzbasiert?“). Bekannt ist auch, dass eine Infektion mit kontaminierten Händen über Augen, Nase und Mund erfolgen kann. Eine Studie aus 2013 zeigte, dass Personen in der Öffentlichkeit ca. 3-4x/h irgendwelche Oberflächen berühren und dann die Schleimhäute im Gesicht berühren. (Alonso WJ., „Facing ubiquitous viruses: when handwashing is not enough“, Clin Infect Dis 2013). Das RKI schreibt, dass SARS-CoV2 hauptsächlich respiratorisch übertragen wird, sowohl als Tröpfchen, als auch als Tröpfchenkerne. Eine Kontaktübertragung sei nicht auszuschließen. (RKI, „Steckbrief zur Coronavirus-Krankheit 2019“, (Stand: 10.7.2020)).

 

Das RKI schrieb in seinem Epidemiologisches Bullettin 19/2020 was am 07.05.2020 erschien: „Das Robert Koch-Institut (RKI) empfiehlt ein generelles Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung (MNB) in bestimmten Situationen im öffentlichen Raum als einen weiteren Baustein, um Risikogruppen zu schützen und den Infektionsdruck und damit die Ausbreitungsgeschwindigkeit von COVID-19 in der Bevölkerung zu reduzieren. Diese Empfehlung beruht auf einer Neubewertung aufgrund der zunehmenden Evidenz, dass ein hoher Anteil von Übertragungen unbemerkt erfolgt, und zwar bereits vor dem Auftreten von Krankheitssymptomen. … Es ist wichtig, darauf hinzuweisen, dass der Einsatz von MNB die zentralen Schutzmaßnahmen, wie die (Selbst-) Isolation Erkrankter, die Einhaltung der physischen Distanz von mindestens 1,5 m, die Hustenregeln und die Händehygiene zum Schutz vor Ansteckung, nicht ersetzen kann.“ Das RKI bezog sich hierbei auf eine Studie, welche zwischen 2013 bis 2016 angefertigt wurde (Leung NHL, Chu DKW, Shiu EYC et al. Respiratory virus shedding in exhaled breath and efficacy of face masks. Nature Med 2020). In dieser Studie wurde an 246 Patienten die ausgeatmeten Partikel während 30 min gesammelt. Dies wurde mit medizinischen OP-Masken durchgeführt! Es wurde dabei unterschieden zwischen Tröpfchen (> 5 µm) und Aerosol (< 5 µm). Bei allen Patienten bestand eine Virusinfektion der oberen Atemwege. Leider lehnten 80% der Patienten eine zweite Untersuchung ab. Interessant war, dass in den Proben ohne MNS nur in wenigen davon virushaltige Tröpfchen (9 von 32 bei Rhinoviren, 3 von 10 bei Coronaviren und 6 von 23 bei Influenzaviren) und virushaltige Aerosole (19 von 34 bei Rhinoviren, 4 von 10 bei Coronaviren und 8 von 23 bei Influenzaviren) nachgewiesen wurden. Daher schlossen die Autoren, dass es ein längerer enger Kontakt braucht, damit es überhaupt zu einer Erregerübertragung kommt. In den Proben mit den medizinischen OP-Masken wurde eine weitere Reduktion der virenhaltigen Materialien gesehen und die Autoren kommen zur Auffassung, dass diese Masken von kranken Personen getragen werden können. Anders als das RKI schlussfolgert, liefert diese Studie keinen Beleg dafür, dass das Tagen eines MNS im öffentlichen Raum das Risiko einer Infektion senkt.

 

Die WHO schreibt, dass es im Zusammenhang mit COVID-19 derzeit keine wissenschaftlichen Daten gibt, dass das Tragen von Masken (medizinische MNS bis hin zu sog. Community-Masken) durch gesunde Personen im öffentlichen Setting vor Infektionen schützen könne. (World Health Organization (WHO). Advice on the use of masks in the context of COVID-19 (5. Juni 2020).

 

Das RKI bezieht sich bei der Empfehlung im Epidemilogischen Bullettin 19/2020 einen MNS im öffentlichen Raum zu tragen auf einen Artikel, worin die Autoren basierend auf Beobachtungsstudien während des SARS-Ausbruchs 2003 den Einsatz von Masken in Kombination mit anderen Maßnahmen empfehlen: (JeffersonT, Jones MA, „Physical interventions to interrupt or reduce the spread of respiratory viruses. Part 1: Face masks, eye protection and person distancing: systematic review and meta-analysis“ medRxiv, 2020). Allerdings haben die Studien in dieser Cochrane-Studie nichts mit dem Tragen von Masken im öffentlichen Raum zu tun!

 

Prof. Dr. med. Ines Kappstein (Leitung Klinikhygiene, Klinikum Passau) fasst in einem zertifizierten Artikel zur ärztlichen Fortbildung zusammen: „Es gibt aus der im Beitrag des RKI zitierten Fachliteratur keine wissenschaftlich fundierten Hinweise, und das auch nicht aus den dort genannten „aktuellen“ Studien, dass Masken, die von der normalen Bevölkerung im öffentlichen Raum (Geschäfte, ÖPNV) getragen werden, ganz gleich welcher Art sie sind, also ob medizinische MNS oder sog. Community-MNB, die Erregerübertragung bei respiratorischen Infektionen, wie insbesondere Influenza oder COVID-19, reduzieren könnten, um damit „eine nachhaltige Reduktion der Ausbreitungsgeschwindigkeit von COVID-19 in der Bevölkerung und sinkende Neuerkrankungszahlen zu erreichen“, wie es im RKI-Beitrag heißt. Ebenso fehlen wissenschaftliche Belege, dass der zusätzliche Gebrauch von Masken in der Bevölkerung bewirken könnte, dass sich damit „mehrere Komponenten (…) gegenseitig ergänzen““ („Mund-Nasen-Schutz in der Öffentlichkeit: Keine Hinweise für eine Wirksamkeit“, Ines Kappstein, Krankenhaushygiene up2date 2020). Auch weitere Review-Arbeiten ergeben, dass es keine wissenschaftlichen Daten für die Wirkung des MNS in der Öffentlichkeit gibt. (Rancourt DG., „Masks don’t work– A review of science relevant to COVID-19“; Brainard J, „Facemasks and similar barriers to prevent respiratory illness such as COVID-19: a rapid systematic review. medRxiv 2020)“. In einer Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie (DGP) im Mai 2020 kommt sie zu dem Schluss, dass „nicht-medizinische, aus Stoffen hergestellte Masken … einen Fremdschutzeffekt“ haben. Allerdings lassen die darin zitierten Maskenuntersuchungen eine solche Schlussfolgerung nicht zu! Es wird sich auf die gleichen Studien bezogen wie zuvor auch das RKI. (Deutsche Gesellschaft für Pneumologie (DGP). Stellungnahme der DGP zur Auswirkung von Mund-Nasenmasken auf den Eigen- und Fremdschutz bei aerogen übertragbaren Infektionen in der Bevölkerung. Pneumologie, Online-Publikation 2020). In der vielzitierten Studie mit Jena im Juni 2020 (Mitze T., „Face masks considerably reduce COVID-19 cases in Germany: a synthetic control method approach“. IZA Institute of Labour Economics), wird berichtet, dass die Maskenpflicht zu einer ca. 40%igen Reduktion der täglichen Zuwachsrate an COVID-19-Infektionen geführt habe. Was allerdings darin nicht erwähnt wird, ist die Tatsache, dass bereits 5 Wochen vor der Einführung der Maskenpflicht in Jena die Ausbreitungsrate von SARS-CoV2-Infektionen zurückging. Auch der R-Wert lag bereits am 10.03.2020 unter 1! (RKI, Epidemiolgisches Bulletin 16 und 17/2020). Wie in dieser Studie aus Jena wird auch in einer Studie, die für Wuhan, Italien und New York City gezeigt hat, dass mit der Einführung der Maskenpflicht in der Öffentlichkeit die Neuinfektionszahl deutlich zurückging (Zhang R., „Identifying airborne transmission as the dominant route for the spread of COVID-19“) wird von den Autoren übersehen, dass wegen des Intervalls zwischen Infektionszeitpunkt und Meldedatum die Auswirkungen einer Maßnahme frühstens nach ca. 2-3 Wochen erkennbar sind! Bei den Autoren handelt es sich beide Male um Nicht-Mediziner.

 

Die Politik hat also die Empfehlungen, welche ohne wissenschaftliche Basis begründet wurden dafür genommen eine allgemeine Maskenpflicht für quasi da gesamte öffentliche Leben einzuführen. Auch für die Bereiche, wo ein „face-to-face-Kontakt“ mit dem notwendigen Sicherheitsabstand oder nur kurzem Kontakt besteht, wo das Risiko einer Erregerübertragung sehr unwahrscheinlich ist, gilt diese Maskenpflicht. Das RKI weist richtigermaßen auch eindringlich daraufhin, dass „der Einsatz von MNB die zentralen Schutzmaßnahmen, wie die (Selbst-) Isolation Erkrankter, die Einhaltung der physischen Distanz von 1,5m, die Hustenregeln und die Händehygiene zum Schutz vor Ansteckung nicht ersetzen kann. Diese zentralen Schutzmaßnahmen müssen also weiterhin strikt eingehalten werden“. (Epidemiologisches Bullettin 16/2020).

 

Zu Beginn habe ich die notwendigen Hinweise zur Handhabung des MNS aufgelistet. Doch wie sieht es denn im Alltag aus? Man sieht regelmäßig, wie die Leute sich die Maske mit den Händen zurechtrücken. Oft wird die Maske nur über dem Mund mit hervorschauender Nase getragen. Als Brillenträger ist das Beschlagen der Brillengläser bekannt. Durch das wiederholte Korrigieren der Brillenposition berührt man unweigerlich den MNS. Gerade im Sommer ist das Schwitzen unter dem MNS ein Problem, da immer wieder mit den Händen an die Maske oder sogar darunter gefasst wird. Auf der Straße wird die Maske oft unter dem Kinn oder an einem Ohr getragen, oder einfach in die Hosentasche gesteckt. Was früher das Duftbäumchen am Rückspiegel im Auto war, ist heute der MNS. Das empfohlene Händewaschen ist im öffentlichen Raum ebenfalls meist nicht möglich. Da der MNS bei einem infektiösen Virusträger kontaminiert ist und eine Übertragung mittels Kontakt nicht ausgeschlossen ist und es keinen wissenschaftlichen Beleg für den Nutzen des MNS im öffentlichen Raum gibt, stellt da das Tragen des MNS theoretisch ein erhöhtes Infektionsrisiko dar. Zudem wird jede Maske nach längerem Tragen durch die Ausatemluft durchfeuchtet und verliert ihre Barrierewirkung durch Steigerung der Durchlässigkeit. Viele Infektionserreger aus dem Nasen-Rachenraum finden sich bei einem durchfeuchteten MNS auch der Innen- und Außenseite! Es wurde ein MNS nach 8 h Tragezeit am 16.08.2020 zur mikrobiologischen Untersuchung eingeschickt. Es fanden sich darauf 82 KbE/25 ccm Bakterien und 4 KbE Schimmelpilze (KbE = Koloniebildenden Einheit). (Labor für Mikrobiologie und Hygiene, Hoyerswerda, Prüfbericht 26910 vom 26.08.2020).

Das Wichtigste zum Schutz vor Infektionen ist und bleibt: Abstand halten, niemanden anrotzen und Hände waschen!

 

Daher möchte ich diese Ausführung mit folgendem Zitat von Frau Prof. Dr. Kappstein beenden: „Der Gebrauch von Masken im öffentlichen Raum ist schon allein aufgrund des Fehlens von wissenschaftlichen Daten fragwürdig. Zieht man dazu noch die erforderlichen Vorsichtsmaßnahmen in Betracht, müssen Masken nach den aus Krankenhäusern bekannten Regeln im öffentlichen Raum sogar als ein Infektionsrisiko betrachtet werden.“ („Mund-Nasen-Schutz in der Öffentlichkeit: Keine Hinweise für eine Wirksamkeit“, Ines Kappstein, Krankenhaushygiene up2date 2020). 

 

19.09.2020

 

 

 

 

Der Impfstoff

Weltweit werden größte Anstrengungen unternommen einen Impfstoff gegen SARS-CoV2 zu entwickeln. Die Bundesregierung geht sogar soweit das Pandemieende direkt mit der Verfügung eines solchen Impfstoffes zu verknüpfen. Zunächst jedoch dazu wie ein Impfstoff entwickelt wird.

Im Durchschnitt beträgt die Entwicklung eines Impfstoffes zehn Jahre. Und manchmal, wie bei Hepatitis C und HIV gibt es auch nach mehr als 30 Jahren Forschung noch keinen Impfstoff. Zunächst muss man den Erreger identifizieren und genau charakterisieren. Hierzu muss man die spezifischen Antigene, die eine schützende Immunantwort auslösen, erkennen. Als erstes wird in der sogenannten präklinischen Phase im Tierversuch Informationen über die Wirksamkeit, das Auslösen einer Immunantwort und die Sicherheit des Impfstoffkandidaten gesammelt. Nach Abschluss dieser Phase testet man in der ersten klinischen Phase (Phase I) am Menschen. Das Ziel dieser Phase I ist es Erkenntnisse zu Sicherheit und Verträglichkeit zu bekommen. In der Regel sind es nur wenige, ca. 30 Probanden. Nach der Auswertung dieser Phase schließt die Phase II an. Dabei nehmen meist mehrere hundert Probanden teil. Darin werden die Immunogenität und Sicherheit des Impfstoffes getestet. Hier bekommt man auch Information zur Dosis-, Applikations- und Impfschema-Optimierung. Diese beiden Phasen dauern jeweils ein bis eineinhalb Jahre. Diese beiden Phasen müssen nicht zwangsweise getrennt voneinander durchgeführt werden. Anschließend kommt die Phase III, welche bis zu vier Jahre dauern kann. Dabei werden mehrere tausend Probanden bezüglich dem Nachweis eines positiven Nutzen-Risiko-Profils getestet. Schließlich in der Phase IV mit üblicherweise mehr als 10 000 Teilnehmern werden mit dem bereits zugelassenen Impfstoff Studien zum Sicherheitsprofil gemacht, da seltenere Nebenwirkungen auch in der Phase III nicht sicher erfasst werden können.

 

Bei der Entwicklung der Impfstoffe gegen SARS-CoV2 werden diese einzelnen Phasen stark abgekürzt und teilweise parallel durchgeführt.

 

Das Prinzip des RNA-Impfstoffes ist es, dass die Virus-RNA in die menschliche Zelle gebracht wird. Dort wird außerhalb des Zellkerns die RNA von den sogenannten Ribosomen ausgelesen und Virusproteine produziert. Diese werden dann von MHC-Proteinen (major histocompatibility complex) auf der Zelloberfläche präsentiert und können dann von der Immunabwehr erkannt werden, so dass Antikörper gegen diese Virusproteine produziert werden.

 

 

 

Der momentan aussichtsreichste Kandidat für einen Impfstoff gegen SARS-CoV2 wird von der Firma Vaccitec, welche von Universitätsmitarbeiter der Uni Oxford gegründet wurde, zusammen mit der Pharmafirma Astra Zeneca entwickelt. Er befindet sich bereits in der Phase III der Impfstoffentwicklung. Es handelt sich dabei um einen DNA-Impfstoff, welcher die DNA mittels einem Schimpansen-Adenovirus-Vektor in den Körper bringen soll. Deutschland, Frankreich, Italien und die Niederlanden haben bereits einen ersten Vertrag über mindestens 300 Millionen Impfdosen von diesem Impfstoff geschlossen!

 

In der präklinischen Phase wurde der Impfstoffkandidat an Rhesusaffen getestet. Die geimpften Affen waren in der Folge besser geschützt vor schweren Lungenschäden, allerdings zeigte sich kein Unterschied bezüglich der Infektiösität. Die geimpften, wie auch die nichtgeimpften Affen waren nach einer Infektion gleichermaßen ansteckend, da jeweils die gleiche Menge an Viren im Nasensekret gefunden wurden. („Doubts over Oxford vaccine as it fails to stop coronavirus in animal trials.“, The Telegraph, 18.05.2020; „ChAdOx1 nCoV-19 vaccine prevents SARS-CoV-2 pneumonia in rhesus macaques“, N. van Doremalen, Nature, 30.07.2020). Daraus wurde geschlussfolgert, dass die durch den Impfstoff induzierte Immunabwehr nicht ausreichend funktioniert. („Did the Oxford Covid vaccine work in monkeys? Not really.“, W. Haseltine, 16.05.2020). Die klinische Phase I und II wurden schon begonnen, als noch keine endgültige Auswertung der präklinischen Phase vorlag. In der vorläufigen Auswertung dieser beiden ersten klinischen Phasen, welche vom 23.04. bis 21.05.2020 mit 1077 Probanden mit einem Durchschnittalter von 35 Jahren stattfand, stellte sich eine signifikante Häufung an Nebenwirkungen dar. Es wurde der sogenannte Oxford-Impfstoff (ChAdOx1 nCoV-19) mit einem Meningokokken-Konjugat-Impfstoff (MenACWY) als Kontrolle getestet. Lokale und systemische Reaktionen waren signifikant häufiger in der ChAdOx1 nCoV-19 Gruppe, teilweise bei bis zu 70% der Probanden und viele wurden durch die Verwendung durch die Gabe von Paracetamol vor der Impfung reduziert, einschließlich Schmerzen, Fiebergefühl, Schüttelfrost, Muskelschmerzen, Kopfschmerzen und Unwohlsein. Es gab keine schwerwiegenden unerwünschten Ereignisse im Zusammenhang mit ChAdOx1 nCoV-19. Das Ergebnis der Auswertung war, dass ChAdOx1 nCoV-19 ein akzeptables Sicherheitsprofil und eine homologe Steigerung der Antikörperreaktionen zeigte. Die ChAdOx1 nCoV-19 Impfung führte zu einem deutlichen Anstieg der SARS-CoV-2 spike-spezifischen Effektor T-Zell-Antworten bereits am 7. Tag, Spitzenwert an Tag 14 und gehalten bis zum Tag 56. Jedoch, ein Anstieg der zellulären Reaktionen wurde nicht beobachtet, nach der zweiten ChAdOx1 nCoV-19 Dosis. („Safety and immunogenicity of the ChAdOx1 nCoV-19 vaccine against SARS-CoV-2: a preliminary report of a phase 1/2, single-blind, randomised controlled trial“, P. Folegatti, The lancet, 15.08.2020). Für viele Autoren dieser Arbeit bestand ein Interessenskonflikt mit verschiedenen an dem Impfstoff beteiligten Firmen.

 

Es zeigte sich nun in der Phase III eine schwere Nebenwirkung bei einem Probanden. Es wird berichtet, dass er eine „Transverse Myelitis“ bekam. Diese Erkrankung besteht aus einer Entzündung des gesamten Querschnitts (Transverse) des betroffenen Rückenmarks (Myelitis). Der Signalübermittlung von z.B. den Extremitäten und dem Gehirn wird dadurch gestört. Es handelt sich dabei um eine seltene (ca. 1 : 250 000 Personen), durch Viren ausgelöste Erkrankung, welche aber auch mit Impfungen in Verbindung gebracht wird. Darauf wurde die weitere Testung am 06.09.2020 zunächst gestoppt. („A leading coronavirus vaccine trial is on hold: scientists react“, Nature, 09.09.2020). Es ist anzunehmen, dass die Testung wieder aufgenommen wird. Nachtrag: Am 12.09.2020 berichtet die Tagesschau, dass die Impfstofftests wieder fortgesetzt werden. Die Universität Oxford teilte mit, dass es sich um einen nicht diagnostizierten Fall von Mulitpler Sklerose handeln würde und nicht mit dem Impfstoff in Zusammenhang steht. (Astra Zeneca (UK), Pressemitteilung 12.09.2020). Das US-amerikanische NIH (National Institute of Health) ist "sehr besorgt", da die Abklärung ob es sich um eine zufällig auftretende Erkrankung oder ein Impfschaden handelt sehr komplex und schwierig ist. (Allen, A.; NIH: "Very Concerned" about serious side effect in coronavirus vaccine, Trial. Medscape, 15.09.2020)

 

Durch die stark verkürzte Entwicklungszeit können nicht so viele Sicherheitsdaten gesammelt werden, wie auch der Lobbyverband der pharmazeutischen Industrie berichtet. Daher sollen die Staaten statt die Pharmaindustrie die Haftung übernehmen. („Covid-19 vaccine makers lobby EU for legal protection“, Financial Times, 26.08.2020). In der Westdeutschen Zeitung stand am 27.08.2020 in dem Artikel: „Steuerzahler sollen Impfstoff-Hersteller-Risiken mittragen“ folgendes: „Aus Sicht des Bundesverbands der Pharmazeutischen Industrie sind solche staatlichen Zusagen zur „Risikoverteilung“ Voraussetzung dafür, dass rasch Impfstoffe zur Verfügung stehen. „Die Politik muss in dieser Situation die Verantwortung für etwaige Risiken mittragen“, erklärte der BPI. „Andernfalls kann es in kurzmöglichster Zeit keinen Covid-19 Impfstoff geben.““

 

Astra Zeneca kündigte an, bereits im September / Oktober 2020 30 Millionen Impfdosen an Großbritannien und 300 Millionen Impfdosen an die USA zu liefern. Daher wird der Impfstoff bereits industriell produziert, während die klinischen Erprobungsphasen noch nicht abgeschlossen sind und keine Zulassung vorliegt. Es besteht die Gefahr, dass diese produzierten Impfstoffe gegebenenfalls entsorgt werden müssen. (vfa: Impfstoffe zum Schutz vor COVID-19, der neuen Coronavirus-Infektion. Stand 22.09.2020). Eine solche Strategie ist nur durch staatliche Subventionierung mittels Steuergelder möglich und durch den öffentlichen Druck schnellstmöglich einen Impfstoff zu liefern.

 

Auch bei anderen Impfstoffkandidaten sieht die Situation ähnlich aus.

 

Insgesamt ist diese rasante Entwicklung der Impfstoffe auch kritisch zu sehen, denn die Langzeitfolgen wie z.B. das Auftreten von Autoimmunerkrankungen oder auch Karzinomerkrankungen kann nicht abgeschätzt werden. Der Nutzen des Impfstoffes bei der gesunden Bevölkerung muss noch bewertet werden und scheint bis jetzt nicht gegeben zu sein. Das Risiko-Nutzen-Profil ist momentan als schlecht anzusehen, da eine relativ schlechte Verträglichkeit des Impfstoffes scheinbar besteht und die Infektiösität nicht oder nur wenig beeinflusst wird. Daher ist meines Erachtens das Vorhaben die gesamte Bevölkerung zu impfen und nicht nur die Risikogruppe, welche wohl doch davon profitieren könnte, nochmals zu überdenken. Denn das erste Gebot des Hippokratischen Eides ist es niemandem zu schaden.

 

13.09.2020, aktualisiert 30.09.2020

 

 

Die PCR - Eine Zusammenfassung

Nun möchte ich mal ausführlich auf die PCR eingehen mit der die gesamte Welt getestet wird. Inzwischen gibt es in Europa schon fast 500 verschiedene PCR-Teste. Zunächst zu dem zeitlichen Ablauf: Am 30.12.2019 wurde von 7 SARS positive-Fälle in einem chinesischen Krankenhaus in Wuhan via whatsapp durch Augenarzt Li Wenliang berichtet. Am Tag drauf, dem 31.12.2019 entsendete die Regierung in Peking eine „Eingreiftruppe“ aus Virologen und Epidemiologen in dieses besagte Krankenhaus. Inwieweit es sich um ein Standardverfahren der chinesischen Regierung bei einem Auftreten von 7 Infektionen eine Eingreiftruppe zu entsenden handelt, kann ich nicht beurteilen. Am 01.01.2020 beginnt Herr Prof. Drosten die Entwicklung eines PCR-Tests zur Identifizierung dieses neuen Virus. Dies geschieht bevor Berichte aus China veröffentlicht sind. Er sagte er habe am 01.01.2020 ein genetisches Nachweisverfahren entwickelt mit dem er die Anwesenheit des neuen Coronavirus beim Menschen zuverlässig nachweisen kann. Am 21.01.2020 reichte Herr Prof. Drosten seine Arbeit „Detection of 2019 novel coronavirus (2019-nCoV) by real-time RT-PCR“ bei Euro Surveill ein. Am 23.01.2020 wurde sie veröffentlicht. Er beschreibt in seiner Arbeit wie er seinen Test entwickelte: „Before public release of virus sequences from cases of 2019-nCoV, we relied on social media reports announcing detection of a SARS-like virus. We thus assumed that a SARS-related CoV is involved in the outbreak. We downloaded all complete and partial (if > 400 nt) SARS-related virus sequences available in GenBank by 1 January 2020. The list (n = 729 entries) was manually checked and artificial sequences (laboratory-derived, synthetic, etc), as well as sequence duplicates were removed, resulting in a final list of 375 sequences. … Upon release of the first 2019-nCoV sequence at virological.org, three assays were selected based on how well they matched to the 2019-nCoV genome. The alignment was complemented by additional sequences released independently on GISAID, confirming the good matching of selected primers to all sequences. “ (Übersetzt: Vor der Veröffentlichung von Virussequenzen aus Fällen von 2019-nCoV, verließen wir uns auf Social-Media-Berichte, die den Nachweis eines SARS-ähnlichen Virus ankündigten. Wir gingen daher davon aus, dass eine SARS-bezogene CoV an dem Ausbruch beteiligt ist. Wir haben alle vollständigen und teilweise (wenn > 400 nt) SARS-bezogenen Virussequenzen heruntergeladen, die bis zum 1. Januar 2020 in der Gendatenbank verfügbar waren. Die Liste (n = 729 Einträge) wurde manuell überprüft und künstliche Sequenzen (Labor-abgeleitet, synthetisch, etc.) sowie Sequenzduplikate entfernt, was zu einer endgültigen Liste von 375 Sequenzen führte. … Nach der Veröffentlichung der ersten 2019-nCoV-Sequenz am virological.org wurden drei Assays ausgewählt, die darauf basierten, wie gut sie zum 2019-nCoV-Genom passten. Die Anordnung wurde durch zusätzliche Sequenzen ergänzt, die unabhängig auf GISAID (eine Initiative zum schnellen Austausch von Daten aller Influenzaviren und SARS-CoV2) veröffentlicht wurden, was die gute Abstimmung ausgewählter Primer auf alle Sequenzen bestätigt.) Weiterhin steht in der Studie: „In the present case of 2019-nCoV, virus isolates or samples from infected patients have so far not become available to the international public health community. We report here on the establishment and validation of a diagnostic workflow for 2019-nCoV screening and specific confirmation, designed in absence of available virus isolates or original patient specimens. Design and validation were enabled by the close genetic relatedness to the 2003 SARS-CoV, and aided by the use of synthetic nucleic acid technology.“ (Übesetzung: Im vorliegenden Fall von 2019-nCoV sind Virusisolate oder Proben von infizierten Patienten der internationalen Gemeinschaft für das öffentliche Gesundheitswesen bisher nicht zugänglich. Wir berichten hier über die Einrichtung und Validierung eines diagnostischen Arbeitsablaufs für das 2019-nCoV-Screening und die spezifische Bestätigung, der in Ermangelung verfügbarer Virusisolate oder Original-Patientenproben entwickelt wurde. Design und Validierung wurden durch die enge genetische Verwandtschaft mit dem SARS-CoV von 2003 ermöglicht und durch den Einsatz der synthetischen Nucleinsäuretechnologie unterstützt.)

 

Es wurden also keine Patientenproben mit dem neuen Virus untersucht, sondern sich an dem SARS-CoV von 2003 orientiert und im Labor ein Modell eines neuen Virusgenoms erstellt, zusammen mit Downloads aus social media. Unter social media ist hier natürlich ein Netzwerk zu verstehen, in welches Wissenschaftler ihre Ergebnisse teilen!

 

Die WHO hat diesen Test bereits am 21.01.2020, also am Tag der Einreichung der Arbeit, freigegeben.

 

Zu diesem Zeitpunkt gab es noch keine einzige Publikation aus China zu dem neuen Coronavirus. Diese kam erst am 24.01.2020: aus China im New England Journal of Medicine „A novel coronavirus from patients with pneumonia in China, 2019“. Darin steht: „Although our study does not fulfill Koch’s postulates, our analyses provide evidence implicating 2019-nCoV in the Wuhan outbreak.“ (Übersetzung: Obwohl unsere Studie die Kochschen Postulate nicht erfüllen, implizieren unsere Studien dass das 2019-nCoV in der Verbreitung in Wuhan beteiligt war.) Eine kurze Erklärung des Begriffs „implizieren“, es bedeutet, dass aufgrund einer getroffenen Aussage zusätzliche Rückschlüsse gezogen werden können. So z.B. wenn jemand berichtet, dass er heute weniger Eier eingesammelt habe, diese Aussage impliziert, dass er Hühner besitzt.

 

Das nächste Problem ist, dass es für diese Tests keinen Goldstandard gibt. Damit man die Sensitivität und Spezifität eines Tests bestimmen kann, muss dieser Test mit der genausten Methode welche zur Verfügung steht verglichen werden. Diesen Test nennt man den sogenannten Goldstandard. Da es keine Covid-19 spezifischen Symptome gibt, kann die Diagnose von Covid-19 auch nicht als valider Goldstandard für die PCR-Tests verwendet werden. Es müsste demnach als Goldstandard ein direkter Virusnachweis erfolgen, denn nur so kann der Nachweis gelingen, dass die getestete RNA auch wirklich von dem entsprechenden Virus stammt. Meiner Recherche nach gibt es bisher noch keine einzige Studie in der SARS-CoV-2 isoliert und schließlich vollständig gereinigt worden ist. Eine amerikanische Studie ("Analytical sensitivity and efficiency comparisons of SARS-CoV2 qRT-PCR assays", 26.04.2020) verglich 9 PCR-Tests aus den USA, China, Hongkong und Deutschland. Alle untersuchten Tests konnten SARS-CoV2-Erbgut nachweisen, aber die Aussage war von dem viralen Substrat und dem Verdünnungsgrad der Proben sehr unterschiedlich. Insgesamt hatte der sogenannte "Drosten-Test" eine Spitzenposition, zusammen mit dem Test aus Hongkong. Von den amerikanischen Autoren wird der der Test der Charité hingegen als unzuverlässig bei winzingen Virusmengen eingestuft.

 

In der Veröffentlichung „CDC 2019-Novel Coronavirus (2019-nCoV) Real-Time RT-PCR Diagnostic Panel“ vom 30. März 2020 stellt die US-Seuchenbehörde CDC und die US-Medikamentenzulassungsbehörde FDA fest, dass „Detection of viral RNA may not indicate the presence of infectious virus or that 2019-nCoV is the causative agent for clinical symptoms“ (übersetzt: Der Nachweis viraler RNA deutet möglicherweise nicht auf das Vorhandensein eines infektiösen Virus hin oder dass 2019-nCoV der Erreger für klinische Symptome ist) und „This test cannot rule out diseases caused by other bacterial or viral pathogens“ (übersetzt: Dieser Test kann Krankheiten, die durch andere bakterielle oder virale Krankheitserreger verursacht werden, nicht ausschließen.). Weiter schreibt die FDA „positive results… do not rule out bacterial infection or co-infection with other viruses. The agent detected may not be the definite cause of disease“ (übersetzt: positive Ergebnisse...schließen eine bakterielle Infektion oder Koinfektion mit anderen Viren nicht aus. Das nachgewiesene Agens ist möglicherweise nicht die definitive Krankheitsursache.) Dass in den Gebrauchsanweisungen der PCR-Tests der Hinweis steht, dass diese nicht zur Diagnostik geeignet sind, habe ich weiter unten bereits erwähnt. In der Gebrauchsanweisung des RT-qPCR-Tests von Creative Diagnostics steht auch noch ausdrücklich drin, dass dieser Test auf viele Keime „anschlagen“, darunter „Influenza A Virus (H1N1), Influenza B Virus (Yamagata), Respiratory Syncytial Virus (type B), Respiratory Adenovirus (type 3, type 7), Parainfluenza Virus (type 2), Mycoplasma Pneumoniae, Chlamydia Pneumoniae“.

 

Auch kann die PCR nicht messen wie viele Viren sich im Körper befinden, die sogenannte Viruslast. Es wird nun der sogenannte Ct-Wert (threshold cycle) herangezogen. Dieser gibt an wieviel Zyklen die PCR laufen muss, bis er positiv wird. Es wird angenommen, dass nach 10 bis 15 Zyklen der Test anschlägt, wenn eine hohen Viruslast im Körper ist und bei einer geringen Viruslast mehr als 30 Zyklen benötigt um die RNA zu erkennen (Tagesschau, 06.09.2020). Wohlgemerkt: Es wird angenommen. Der Begriff Viruslast hierbei zu verwenden ist irreführend, da bei der PCR keine Viren, sondern nur RNA-Fragmente nachgewiesen werden.

 

In den MIQE-Richtlinien (Minimum Information for Publication of Quantitative Real-Time PCR Experiments) steht „Cq values higher than 40 are suspect because of the implied low efficiency and generally should not be reported“ (übersetzt: Cq-Werte über 40 sind aufgrund des implizierten geringen Wirkungsgrades verdächtig und sollten im Allgemeinen nicht veröffentlicht werden.) Der Cq-Wert (Cycle Quantification) entspricht dem Ct-Wert. Diese Richtlinien sollen gewährleisten, dass Studien zur PCR solide Ergebnisse abliefern. „If you have to go more than 40 cycles to amplify a single-copy gene, there is something seriously wrong with your PCR“: Michael A. Innis et al. PCR Protocols. A Guide to Methods and Applications, Academic Press, 1990. (übersetzt: Wenn Sie mehr als 40 Zyklen benötigen, um ein Single-Copy-Gen zu verstärken, ist etwas ernsthaft falsch mit Ihrer PCR.) Viele PCR-Tests haben einen Ct von > 35, einige, so auch der sogenannte „Drosten-Test“ haben sogar einen Ct von 45!

 

Eine besondere Stilblüte (ich hoffe, dass es nur eine Stilblüte ist) hat die RKI-Pressestelle am 19.08.2020 gebracht: Auf die Anfrage „Kann dieser Test SARS-CoV2 / Covid-19 nachweisen, oder nicht?“ kam folgende Antwort des RKI: „Ja, mit dem PCR-Test wird das Virus direkt nachgewiesen.“ (Veröffentlicht von Samuel Eckert). Dass der Nachweis von Virus-RNA-Teilstücken eben kein direkter Nachweis des Virus ist, müsste dem Leser allerdings nun schlüssig sein.

 

06.09.2020

 

 

 

 

Studie zu psychologischen Beschwerden durch den MNS:

Studie zu psychologischen und psychovegetativen Beschwerden durch die aktuellen Mund-Nasenschutz-Verordnungen in Deutschland (Stand Juni/Juli 2020); Daniela Prousa, PsychArchives, 20.07.2020

 

„Abstract: Diese deutschlandweit erste umfangreiche und abgeschlossene „Research-Gap“-Studie mit merkmalsspezifisch ausreichender Repräsentativität und einer Stichprobengröße von 1.010 fokussiert Belastungen, Beschwerden und bereits eingetretene Folgeschäden im Rahmen der aktuellen Mund-Nasenschutz-Verordnungen.  Basis der Datenerhebung war der spezifisch konstruierte, reliable Fragebogen „FPPBM“ mit 35 Items. Insbesondere mehrere Fragen mit völlig freien Antwortmöglichkeiten verleihen eine besondere Validität. Die populationsbeschreibende Untersuchung operiert statistisch vor allem mit dem erwartungstreuen, konsistenten, effizienten und suffizienten Schätzer P (Prozentwert) und konfidenzintervall-basierten Aussagen über die Grundgesamtheit: die sich durch die aktuellen Mund-Nasenschutz-Verordnungen nennenswert belastet erlebenden Menschen. Als in den Rahmen der Attributionstheorie und des biopsychologischen Modells einordnebares Ergebnis steht zum einen der statistisch signifikante Zusammenhang eines solchen Belastungsempfindens mit den Merkmalen „hohes Gesundheitsbewusstsein“, „hohe kritische Geisteshaltung“, „sehr geringe Erkrankungsangst“ und „Hochsensibilität/Hochsensitivität“. Zum anderen hat „die Maske“ das Potenzial, über entstehende Aggression starke psychovegetative Stressreaktionen zu bahnen, die signifikant mit dem Grad belastender Nachwirkungen korrelieren. Depressives Selbsterleben wird hingegen weniger direkt ausgelöst/verstärkt, sondern über ein als beeinträchtigt erlebtes Selbst- und Körperempfinden. Allgemeiner „Corona-Stress“ hingegen löst häufiger direkt depressives Erleben statt Aggression aus bzw. verstärkt dies. Die Tatsache, dass ca. 60% der sich deutlich mit den Verordnungen belastet erlebenden Menschen schon jetzt schwere (psychosoziale) Folgen erlebt, wie eine stark reduzierte Teilhabe am Leben in der Gesellschaft aufgrund von aversionsbedingtem MNS-Vermeidungsbestreben, sozialen Rückzug, herabgesetzte gesundheitliche Selbstfürsorge (bis hin zur Vermeidung von Arztterminen) oder die Verstärkung vorbestandener gesundheitlicher Probleme (posttraumatische Belastungsstörungen, Herpes, Migräne), sprengte alle Erwartungen der Untersucherin. Die Ergebnisse drängen auf eine sehr zeitnahe Prüfung der Nutzen-Schaden-Relation der MNS-Verordnungen.“

 

Interessant ist, dass die Bevölkerungsgruppe welche in dieser Studie die Attribute „hohes Gesundheitsbewusstsein“, „hohe kritische Geisteshaltung“, „sehr geringe Erkrankungsangst“ und „Hochsensibilität/Hochsensitivität“ als Merkmale hat, in der Öffentlichkeit als „Covidioten“ oder als „Gefährder der Allgemeinheit“ dargestellt werden.

 

 

 

Bedrohlicher Anstieg der Neuinfektionen?

 Ich habe festgestellt, dass viele Leute von dem PCR-Test noch eine falsche Vorstellung haben. Daher gehe ich kurz auf diesen Test ein. Die sogenannte Polymerase-Kettenreaktion (PCR) ist ein enzymabhängiges Verfahren zur Vervielfältigung bestimmter Gensequenzen. Bei Covid-19 wird ein RNA-Segment, was beim SARS-CoV2 vorhanden ist gemessen. RNA (Ribonukleinsäure) ist das Erbgut des Virus. Dieses RNA-Fragment wird apparativ exponentiell vervielfältigt und dann gemessen. Es ist kein Nachweis des Virus selbst! Es kann mit diesem Test auch keine Aussage getroffen werden über die Infektiösität der Person. Im übrigen wird in den Gebrauchsanweisungen der PCR-Hersteller ausdrücklich darauf hingewiesen, dass diese Tests nicht zur Diagnostik geeignet sind, z.B. bei den LightMix Modular SARS-CoV2-Assays der Firma Roche heißt es: „These assays are not intended for use as an aid in the diagnosis of coronavirus infection“ und „For research use only. Not for use in diagnostic procedures“.

 

Nun erleben wir, dass das Robert-Koch-Institut in den letzten Tagen einen Anstieg von „Neuinfektionen“ meldet, heute am 19.08.2020 insgesamt 1510. Dies veranlasst die Politik zu weiteren Maßnahmen. So sagte die Bundeskanzlerin Merkel, dass alles daran gesetzt werden müsse „das Infektionsgeschehen im Zaume zu halten“. Darum müssten „die Zügel angezogen“ und Regeln „konsequent durchgesetzt werden“ (Tagesschau, 18.08.2020).

 

Ein Ansteigen der Neuinfektionen könnte tatsächlich ein Hinweis für eine weitere Verbreitung von SARS-CoV2 sein. Doch ist dem wirklich so? Dazu müssen wir uns die ganzen Zahlen und Hintergründe genauer anschauen.

 

Wie bereits weiter unten veranschaulicht werden bewusst uns nur die absoluten Zahlen an positiv getesteten Personen genannt. Da aber die Zahl der Tests weiterhin extrem hochgefahren wird kommt es zu einem falschen Eindruck. Je mehr ich suche, desto mehr finde ich auch. Ich möchte hier ein schönes Beispiel zitieren: Wenn ich am Tag eins 10 Menschen untersuche wie viele Frauen darunter sind, so bekomme ich fünf raus. Am nächsten Tag untersuche ich 20 Menschen und finde 10 Frauen heraus und am dritten Tag untersuche ich 100 Menschen und finde darunter 50 Frauen. So habe ich innerhalb von drei Tagen einen extremen Anstieg der Frauen von 5 auf 10 und schließlich auf 50! Doch was ist in der Zwischenzeit in der untersuchten Gruppe passiert: Gar nichts. Ich habe nur mehr gemessen.

 

Denn wenn ich die Prozentrate der positiv Getesteten anschaue erkennt man, dass sich gar nichts ändert!

 

 

Ein weiterer Fehler in der Darstellung der „Neuinfektionen“ ist die Tatsache, dass die Ergebnisse der positiv Getesteten nicht um die falsch-positiven Ergebnisse bereinigt werden. Weiter unten habe ich bereits an der Berechnung von Samuel Eckert gezeigt, dass es bei der aktuellen Virusaktivität zu sehr vielen falsch-positiven Messungen kommt. Ich habe in die Tabelle mal zwei Szenarien eingegeben: Wenn man die in der Kalenderwoche 31 durchgeführten Tests (Anzahl laut RKI) eingibt, mit einer angenommenen Durchseuchung von 1% mit der von Corretiv errechneten Sensitiviät und Spezifität, so erhält man 19882 falsch-positive Testungen, also deutlich mehr wie von dem RKI angegebenen 5551 positiven Tests.

 

Wenn man nun ein zweites Szenario berechnet, indem man die Sensitivität und Spezifität auf je 99% hochsetzt, was in der Realität so gar nicht möglich wäre und eine Durchseuchung auf 0% setzt, also es gar kein Virus mehr gäbe, so erhält man bei den durchgeführten PCR-Tests noch insgesamt 5738 falsch-positive Tests. Interessanterweise entspricht diese Anzahl in etwa den positiven Testergebnissen, welche das RKI angegeben hat. Daraus könnte man die Schlussfolgerung ziehen, dass es sich bei den "Neuerkrankungen" ausschließlich um falsch-positive Ergebnisse handelt!

 

 

Noch ein Fehler, der die Vergleichbarkeit der Messungen erschwert, ist der Ort wo getestet wird. Mal wird in den Altenheimen getestet, dann in Kitas und nun werden die Reiserückkehrer getestet. Es handelt sich hierbei um jeweils statistisch nicht miteinander vergleichbaren Gruppen.

 

Bei den „Neuinfektionen“ handelt es sich in der Regel um gesunde Personen! Die Krankenhausbelegung und vor allem die freien Intensivbetten zeigen uns ebenfalls keinen Anstieg an schweren Erkrankungen!

 

Wenn man dann die Anzahl der mit Covid-19-Patienten belegten Intensivbetten graphisch darstellt, so ergibt sich die unten dargestellte Kurve. Es wurden in die Grafik noch die Zeitpunkte der Maskenpflicht, die großen Demonstrationen bei denen die Abstandsregeln nicht eingehalten wurden und der Fall des Ausbruches bei der Fleischfabrik Tönnies (weiter unten bin ich bereits ausführlich darauf eingegangen). Man erkennt, dass diese Ereignisse keinerlei Auswirkung auf die Belegung der Intensivbetten hatte!

 

Auch den Blick auf die Verstorbenen mit einem positiven PCR-Tests ergibt sich keinen Hinweis auf ein erneutes Ansteigen. Zweifelsohne ist jeder Todesfall schrecklich, das gilt aber unabhängig von der Ursache. Aber die Kurve einer todbringenden Seuche sieht anders aus.

 

 

Wenn man all diese Fakten betrachtet, so kommt man zu dem Schluss, dass das bedrohliche Bild bei weitem nicht so bedrohlich ist wie es uns vermittelt wird! Eine wichtige Frage stellt sich: Warum wird dies von Seiten der Politik, Standesvertreter und Medien nicht beachtet? 

 

 

Tagesschau, 20.08.2020: „RKI: Mehr Fälle nicht nur wegen mehr Tests. Als einer Erklärung für steigende Fallzahlen wird häufig die Erhöhung der Testkapazitäten angeführt - von 364.000 Tests in der Woche vom 20. bis zum 26. April auf mehr als 875.000 zwischen 10. und 16. August. Die Rate positiver Ergebnisse lag damals bei fünf Prozent, derzeit liegt sie bei knapp einem Prozent. Da anfangs die Testkapazitäten knapp waren, wurden im April überwiegend Menschen getestet, die Corona-Symptome zeigten. Die steigenden Fallzahlen seien nicht nur durch mehr Tests zu erklären, hatte das RKI erklärt. Auch der Epidemiologie-Professor Gérard Krause vom Helmholtz Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig sagte: "Der Anstieg der positiven Tests ist nicht allein dem Anstieg der Testungen geschuldet."“

 

Was möchte uns die Tagesschau damit sagen? Im April war die Rate der positiv-getesteten Personen höher wie jetzt, da dort nur Kranke getestet worden sind. Nun liegt sie bei einem Prozent. Also geringer wie im April. Die Überschrift lautet allerdings: Mehr Fälle nicht nur wegen mehr Tests. Auch wenn man den Artikel ganz liest wird keine Erklärung gegeben an was es nun liegen soll, dass es mehr Fälle gibt. Auch der zitierte Epidemiologe Prof. Krause gibt keine Erklärung ab. Handelt es sich bei seiner Aussage um eine Mutmaßung? Weiter unten in der Rubrik „Auf das Verhältnis kommt es an!“ ist die Tabelle der Positivrate abgebildet. Dort erkennt man, dass ab der Kalenderwoche 22 die Positivrate konstant zwischen 1,1 und 0,6% schwankt. Aber nun haben wir „mehr Fälle“, bei konstanter Positivrate! Nochmals zu meinem obigen Beispiel mit den Frauen in der untersuchten Personengruppe. Die Positivrate lag immer bei 50%, allerdings gab es einen Anstieg von 5 auf 10 und dann auf 50 Frauen. Aber die Tagesschau würde dann berichten, dass der Anstieg der gezählten Frauen nicht nur an der größeren Menge gezählter Personen liegt. Das Einzige was man aus dem Tagesschauartikel erkennen kann, ist dass es durchaus bekannt ist, dass man eine Erhöhung der Fallzahl durch Erhöhung der Messungen bekommt. Und genau dies aber als Hauptursache ausschließt, aber keine andere Erklärung liefert. Das erinnert mich an den Klassiker der sinnlosen Dialoge: „Warum ist das so?“- „Darum!“

 

08/2020, aktuallisiert 18.09.2020

 

 

 

Strategien zum überdenken!

„Die Coronapandemie endet, wenn ein Impfstoff für die Bevölkerung zur Verfügung steht.“ So hat es die Bundesregierung am 03.06.2020 beschlossen (siehe auch weiter unten bei „Wann ist die Pandemie zu Ende?“.

Inzwischen sind die Daten eindeutig, dass für über 80% der Covid-19-Patienten diese Erkrankung ohne oder nur mit milden Symptomen verläuft. Also für 80% stellt diese Erkrankung kein Problem dar. Da muss die Frage gestellt werden, warum denn die ganze Bevölkerung geimpft werden soll und nicht nur die Risikogruppe, für die eine solche Infektion tatsächlich schwer verlaufen kann? Ist es vertretbar eine große Bevölkerungsgruppe mit einem im Schnellverfahren zugelassenen Impfstoff (sofern es einen geben wird) zu impfen, wobei man die Risiken des Impfstoffes noch nicht absehen kann, im Wissen, dass für diese Bevölkerungsgruppe von der Erkrankung kein Risiko ausgeht? Am 14.07.2020 wurden in dem „New England Journal of Medicine“ die Ergebnisse einer Phase I-Studie eines RNA-Impfstoffes einer US-Firma veröffentlicht. Nach der zweiten Impfstoffgabe in den mittel- und hochdosierten Gruppen reagierten 80% der Probanden, welche im Durchschnitt 33 Jahre alt und gesund waren, mit moderaten bis schweren Nebenwirkungen. Als Reaktion darauf las man in Children´s Health Defense am 21.07.2020: „Letter to WV Legislators—The Moderna COVID-19 vaccine is likely to make more people sick than COVID-19“.

Hier ist es geboten die Strategie zu überprüfen.

 

Eine weitere Strategie der Bundesregierung im Rahmen der Behandlung von Covid-19-Patienten besteht darin infizierte Patienten in häusliche Quarantäne ohne Behandlung zu isolieren und den Spontanverlauf abzuwarten, bis gegebenenfalls Komplikationen auftreten und eine stationäre Behandlung oder intensivmedizinische Maßnahmen notwendig werden. Inzwischen gibt es eine Reihe an Studien, welche einen positiven Effekt einer frühzeitigen Behandlung von Risikopatienten in Bezug auf Entwicklung von Komplikationen und Krankenhauseinweisung haben. Hier wäre ein Überdenken der Strategie bei der Risikogruppe angeraten. Im Folgenden eine Auswahl an den entsprechenden Studien bezüglich den möglichen Wirkstoffen:

 

Zink

 

1.    Study: Effect of Zinc Salts on Respiratory Syncytial Virus Replication (Suara & Crowe, AAC, 2004)

 

2.    Study: Zinc Inhibits Coronavirus and Arterivirus RNA Polymerase Activity In Vitro and Zinc Ionophores Block the Replication of These Viruses in Cell Culture (Velthuis et al, PLOS Path, 2010)

 

3.    Study: Zinc for the common cold (Cochrane Systematic Review, 2013)

 

4.    Study: Hydroxychloroquine and azithromycin plus zinc vs hydroxychloroquine and azithromycin alone: outcomes in hospitalized COVID-19 patients (Carlucci et al., MedRxiv, May 2020)

 

5.    Review: Does zinc supplementation enhance the clinical efficacy of chloroquine/ hydroxychloroquine to win today’s battle against COVID-19? (Derwand & Scholz, MH, 2020)

 

6.    Review: Zinc supplementation to improve treatment outcomes among children diagnosed with respiratory infections (WHO, Technical Report, 2011)

 

7.    Article: Can Zinc Lozenges Help with Coronavirus Infections? (McGill University, March 2020)

 

Hydroxychloroquin

 

1.    Studies: Overview of more than 50 international HCQ studies (C19Study.com)

 

2.    Study: Chloroquine is a potent inhibitor of SARS coronavirus infection and spread (Vincent et al., Virology Journal, 2005)

 

3.    Study: Chloroquine Is a Zinc Ionophore (Xue et al, PLOS One, 2014)

 

4.    Study: Physicians work out treatment guidelines for coronavirus (Korean Biomedical Review, February 2020)
Study: Expert consensus on chloroquine phosphate for the treatment of novel coronavirus pneumonia (Guangdong Health Commission, February 2020)

 

5.    Study: Clinical Efficacy of Chloroquine derivatives in COVID-19 Infection: Comparative meta-analysis between the Big data and the real world (Million et al, NMNI, June 2020)

 

6.    Study: Treatment with Hydroxychloroquine, Azithromycin, and Combination in Patients Hospitalized with COVID-19 (Arshad et al, Int. Journal of Infect. Diseases, July 2020)

 

7.    Study: COVID-19 Outpatients – Early Risk-Stratified Treatment with Zinc Plus Low Dose Hydroxychloroquine and Azithromycin (Scholz et al., Preprints, July 2020)

 

8.    Study: Effectiveness of HCQ in COVID-19 disease (Monforte et al., IJID, July 2020)

 

9.    Protocol: Advisory on the use of HCQ as prophylaxis for SARS-CoV-2 infection (Indian Council of Medical Research, March 2020)

 

10. Review: White Paper on Hydroxychloroquine (Dr. Simone Gold, AFD, July 2020)

 

11. Article: The Key to Defeating COVID-19 Already Exists. We Need to Start Using It. (Professor Harvey A. Risch, Newsweek, July 2020)

 

12. Article: Using Hydroxychloroquine and Other Drugs to Fight Pandemic (Yale School of Medicine)

 

13. Article: Morocco’s Chloroquine Success Reveals European Failures (Morocco World News, June 2020) Prof. Zemmouri believes 78% of Europe’s coronavirus-related deaths could have been avoided if European states had mirrored Morocco’s chloroquine strategy.

 

14. Article (IT): Covid: none of my patients are dead, and only 5% had to be hospitalized (Italia Oggi, June 2020) Dr. Cavanna treated the affected by the virus by intervening promptly and at home.

 

Hinweis: Die WHO nimmt weiterhin die gefälschte Studie „Hydroxychloroquine or chloroquine with or without a macrolide for treatment of COVID-19: a multinational registry analysis“, Mandeep R Mehra, The lancet, 22.05.2020 als Anlass von Hydroxychloroquin Abstand zu nehmen. Der den Betrug aufdeckende Artikel: „A Study Out of Thin Air“, James M Todaro, MD, 29.05.2020

 

Quercetin

 

1.    Study: Small molecules blocking the entry of severe acute respiratory syndrome coronavirus into host cells (Ling Yi et al., Journal of Virology, 2004)

 

2.    Study: Zinc Ionophore Activity of Quercetin and Epigallocatechin-gallate: From Hepa 1-6 Cells to a Liposome Model (Dabbagh et al., JAFC, 2014)

 

3.    Study: Quercetin as an Antiviral Agent Inhibits Influenza A Virus Entry (Wu et al, Viruses, 2016)

 

4.    Study: Quercetin and Vitamin C: An Experimental, Synergistic Therapy for the Prevention and Treatment of SARS-CoV-2 Related Disease (Biancatelli et al, Front. in Immun., June 2020)

 

5.    Protocol: EVMS Critical Care Covid-19 Management Protocol (Paul Marik, MD, June 2020)

 

Bromhexin

 

1.    Study: TMPRSS2: A potential target for treatment of influenza virus and coronavirus infections (Wen Shen et al., Biochimie Journal, 2017)

 

2.    Letter: Repurposing the mucolytic cough suppressant and TMPRSS2 protease inhibitor bromhexine for the prevention and management of SARS-CoV-2 infection (Maggio and Corsini, Pharmacological Research, April 2020)

 

3.    Study: Potential new treatment strategies for COVID-19: is there a role for bromhexine as add-on therapy? (Depfenhart et al., Internal and Emergency Medicine, May 2020)

 

4.    Study: Bromhexine Hydrochloride: Potential Approach to Prevent or Treat Early Stage COVID-19 (Stepanov and Lierz, Journal of Infectious Diseases and Epidemiology, June 2020)

 

5.    Study: TMPRSS2 inhibitors, Bromhexine, Aprotinin, Camostat and Nafamostat as potential treatments for COVID-19 (Arsalan Azimi, Drug Target Review, June 2020)

 

6.    Trial: Effect of bromhexine on clinical outcomes and mortality in COVID-19 patients: A randomized clinical trial (Ansarin et al., BioImpacts, July 2020): “There was a significant reduction in ICU admissions (2 out of 39 vs. 11 out of 39), intubation (1 out of 39 vs. 9 out of 39) and death (0 vs. 5) in the bromhexine treated group compared to the standard group.”

 

Heparin

 

1.    Commentary: The versatile heparin in COVID19 (Thachil, JTH, April 2020)

 

2.    Study: Anticoagulant Treatment Is Associated With Decreased Mortality in Severe Coronavirus Disease 2019 Patients With Coagulopathy (Tang et al, JTH, May 2020)

 

3.    Study: Autopsy Findings and Venous Thromboembolism in Patients With COVID-19 (Wichmann et al., Annals of Internal Medicine, May 2020)

 

4.    Article: Anticoagulation Guidance Emerging for Severe COVID-19 (Medpage Today)

 

5.    Article: Aspirin may prevent blood clots in COVID-19, study shows (Knowridge Science)

 

(swprs)

 

 

Fall-Verstorbenen-Anteil und Sterblichkeit – Nicht verwechseln!

 

Eine Patientin machte mich darauf aufmerksam, dass sie in einem Facebookeintrag gelesen habe, dass die Sterblichkeit von Covid-19 in unserem Landkreis bei 8% läge und doch von der Angabe auf meiner Homepage stark abweiche. Ich solle dies mal erklären. Das mache ich natürlich sehr gerne.

 

Diese vermeintliche Sterblichkeit kam wie folgt zustande: In unserem Landkreis gab es bis zum 07.08.2020 insgesamt 559 gemeldete Covid-19 Fälle und insgesamt 43 SARS-CoV2-positive Todesfälle. Dies ergibt einen Wert von 7,7%.

 

Allerdings ist dies nicht die Sterblichkeit, sondern der sogenannte Fall-Verstobenen-Anteil (CFR, case fatality rate). Hier werden laborbestätigte Fallzahlen mit den Covid-19-Verstorbenen verglichen. Die Anzahl der gemeldeten Fälle ist bei weitem kleiner wie die tatsächliche Anzahl der mit SARS-CoV2-Infizierten – das Robert-Koch-Institut geht von einem Faktor 4,5-11,1 aus. Dadurch ist die Letalität grundsätzlich niedriger als der Fall-Verstorbenen-Anteil. Auch bei den erfassten Todesfällen wird keine Unterscheidung gemacht zwischen „an“ oder „mit“-Covid-19-Verstorbenen. Wie weiter unten aufgeführt zeigen die Obduktionsergebnisse hier auch eine Überschätzung dieser Anzahl, was nochmals zu einem Absinken der tatsächlichen Sterblichkeit führt. Für eine genaue Letalitätsberechnung müssen noch deutlich mehr Parameter einberechnet werden.

 

Also die gemeldeten Fälle mit den Todesfällen zu vergleichen und dies als Sterblichkeit (Letalität) zu bezeichnen ist nicht korrekt. Solche Missverständnisse führen dann doch zu mehr Angst und dienen nicht zur sachlichen Aufklärung bei!

 

 

Positive PCR und Infektiosität!?!

 

Am 22.07.2020 macht die US-Gesundheitsbehörde CDC auf folgende Fakten aufmerksam (Duration of Isolation and Precautions for Adults with COVID-19):

 

Die Konzentrationen von SARS-CoV2-RNA in Proben des oberen Respirationstrakts waren nach Beginn der Symptomatik rückläufig. (CDC, unpublished data, 2020; Midgley et al., 2020; Young et al., 2020; Zou et al., 2020; Wölfel et al., 2020; van Kampen et al., 2020).

 

Die Wahrscheinlichkeit replikationsfähige, also infektiöse Virenpartikel zu entdecken war ebenso nach Beginn der Symptomatik stark rückläufig. Bei Patienten mit leichter bis moderater Covid-19-Symptomatik waren infektiöse Virenpartikel 10 Tage nach Symptombeginn nicht mehr nachweisbar. (CDC, unpublished data, 2020; Wölfel et al., 2020; Arons et al., 2020; Bullard et al., 2020; Lu et al., 2020; personal communication with Young et al., 2020; Korea CDC, 2020).

 

Infektiöse Virenpartikel wurden zwischen 10 bis 20 Tage nach Symptombeginn bei einigen Patienten mit schwerer Covid-19-Symptomatik gefunden. (van Kampen et al., 2020).

 

Jedoch wurde in dieser Patientenreihe geschätzt, dass 88% bzw. 95% der Patienten nach 10 bzw. 15 Tagen nach Symptombeginn keine infektiösen Viruspartikel mehr besitzen.

 

Eine große Kontaktverfolgungsstudie zeigte, dass bei Hochrisikokontakten im Haushalt und Krankenhaus keine Ansteckung verursacht wurde, wenn die erkrankte Kontaktperson schon länger als 6 Tage erkrankt war. (Cheng et al., 2020).

 

Obwohl 3 Wochen nach Symptombeginn keine infektiösen Viruspartikel mehr isoliert werden konnten, wurde bei den Patienten bis zur 12. Woche SARS-CoV2-RNA in deren oberen Respirationstrakt gefunden. (Korea CDC, 2020; Li et al., 2020; Xiao et al, 2020).

 

Bei einer Untersuchung von 285 RNA-dauerpositiven Patienten, wobei davon 126 Patienten mit wiederkehrender Symptomatik waren, wurde keine Übertragung bei 790 zurechenbaren Kontakten mit diesen Patienten gesehen. Es wurde bei 108 Patienten versucht infektiöse Virenpartikel zu isolieren, was bei keinem Einzigen erfolgreich war. (Korea CDC, 2020).

 

In Proben von Patienten welche sich von der initialen Covid-19-Erkrankung erholt hatten und anschließend neue Symptome entwickelten und bleibend eine positive RNA-PCR hatten wurden keine infektiösen Viruspartikel gefunden. (Korea CDC, 2020; Lu et al., 2020).

 

Diese Studienergebnisse, dass sich bei den meisten Covid-19-Patienten 10-15 Tage nach Symptombeginn keine replikationsfähigen Viruspartikel mehr nachweisen lassen, allerdings bis zu drei Monate nach Symptombeginn sich noch SARS-CoV2-RNA nachweisen lässt, ist bezüglich der aktuellen Handhabung der PCR-Tests hochproblematisch. Es werden demnach viele Menschen positiv auf SARS-CoV2 getestet, die längst nicht mehr ansteckend sind. Entsprechend unnötige Quarantäne- und lockdown-Maßnahmen sind die Folge!

 

 

 

 

 

Dexamethason bei Covid-19

Aufgrund von Patientenanfragen betreffs einer Therapie mit Dexamethason stelle ich die vorläufigen Ergebnisse der RECOVERY-Studie der Universität Oxford vor. Sie wurden am 16.06.2020 via Pressemitteilung und am 22.06.2020 in den Preprint-Server eingestellt. Das Peer-Review steht noch aus. Die Gesamtmortalität lag unter Dexamethason 3% niedriger als unter der üblichen Standardtherapie. Am meisten haben die Patienten profitiert, welche invasiv beatmet waren (Sterblichkeit 29% vs 41%). Bei Patienten unter Sauerstofftherapie kam es ebenfalls zu einer Senkung der Sterblichkeit (21,5% vs 25%). Hingegen nahm die Mortalität bei Erkrankten ohne respiratorische Unterstützung sogar zu (17% vs 13%). Zusammenfassend kann man sagen, dass bei intensivpflichtigen Patienten mit Sauerstoffbedarf oder invasiver Beatmung das Dexamethason eine erfolgversprechende Therapie darstellen kann. Patienten, die nicht beatmet sind und keinen Sauerstoff benötigen, sollten nicht mit diesem Medikament behandelt werden! Im ambulanten Bereich stellt es keine Therapieoption dar!

 

 

Die Diskrepanz zwischen positiv Getesteten und Todesfällen weltweit:

Täglich werden wir überschwemmt mit Nachrichten über eine neue "Rekordinfizierung" in verschiedenen Ländern. Und immer wird nur die Zahl der positiv getesteten Personen genannt. Was nicht genannt wird ist die Tatsache, dass die PCR-Abstriche extrem ansteigen. Wie weiter unten auch mehrfach erklärt, führt dies natürlich zu einem entsprechenden Anstieg der positiven Ergebnisse. Die Todesfälle, welche einen positiven Abstrich hatten, werden ebenfalls nur in absoluten Zahlen genannt. Wenn man die Todesfälle in Relation zu den positiv getesteten Personen betrachtet, fällt einem auf, dass die Kurve der Todesfälle nicht entsprechend den positiv getesteten Fällen ansteigt. Dies kann nur zwei mögliche Erklärungen geben: Zum einen, dass es sich bei SARS-CoV2 um ein deutlich harmloseres Virus handelt, da die Sterblichkeit in Wirklichkeit sehr viel geringer ist, da nun auch die asymptomatischen Virusträger erfasst werden. Oder zum anderen, dass hier die Anzahl der falsch positiven Messungen extrem ansteigen durch das massive Steigern der Messungen.

Wie groß ist die Durchseuchung?

 

Das Institut für Immunologie der Universitätsklinik Zürich (Onur Boyman et al) veröffentliche Ende Mai eine Studie als preprint, die nachwies, dass die üblichen Tests auf Antikörper gegen SARS-CoV2 (IgG und IgM) in Blut höchstens ca. 20% aller Infektionen mit SARS-CoV2 erkennen. Der Grund dafür ist, dass SARS-CoV2 bereits durch auf den Schleimhäuten befindlichen IgA-Antikörper oder durch die zellulär vermittelte Immunantwort durch T-Zellen bereits bekämpft wird und sich daher keine oder nur milde Symptome zeigen. Das hieße allerdings, dass SARS-CoV2 wahrscheinlich viel mehr verbreitet ist als bisher angenommen und daher die Sterblichkeit nochmals deutlich niedriger als die bisher berechnete 0,1% liegt.

 

Eine schwedische preprint-Studie ergab, dass Personen mit milder oder asymptomatischer Erkrankung das Virus oftmals mit T-Zellen neutralisieren, ohne Antikörper ausbilden zu müssen. Die T-Zellen-Immunität war etwa doppelt so häufig wie die Antikörper-Immunität („Robust T cell immunity in convalescent individuals with asymptomatic or mild COVID-19“, Takuya Sekine, 29.06.2020).

 

Eine umfangreiche spanische Studie ergab, dass weniger als 20% der symptomatischen Personen und ca. 2% der getesteten asymptomatischen Personen IgG-Antikörper hatten („Prevalence of SARS-CoV-2 in Spain (ENE-COVID): a nationwide, population-based seroepidemiological study“, Prof Marina Pollán, MD, The Lancet, 06.07.2020).

 

Eine deutsche Studie ergab, dass 81% der Personen, die noch keinen Kontakt mit dem neuen Coronavirus hatten, bereits über kreuzreaktive T-Zellen und damit über eine gewisse Hintergrundimmunität verfügen. Der Grund dafür dürfte der Kontakt mit bisherigen Coronaviren (Erkältungsviren) sein („SARS-CoV-2 T-cell epitopes define heterologous and COVID-19-induced T-cell recognition“, Annika Nelde, 16.06.2020).

 

Eine chinesische Studie ergab, dass bei 40% der asymptomatischen Personen und bei 12.9% der symptomatischen Personen nach der Erholungsphase keine IgG-Antikörper mehr nachweisbar sind („Clinical and immunological assessment of asymptomatic SARS-CoV-2 infections“, Quan-Xin Long, Nature, 18.06.2020).

 

Eine weitere chinesische preprint-Studie mit knapp 25,000 Klinikmitarbeitern in Wuhan ergab, dass höchstens ein Fünftel der vermutlich infizierten Mitarbeiter IgG-Antikörper aufwiesen („Prevalence of IgG antibodies to SARS-CoV-2 in Wuhan - implications for the ability to produce long-lasting protective antibodies against SARS-CoV-2“, Tao Liu, Sanyun Wu, 16.06.2020).

 

Eine Untersuchung im österreichischen Skiort Ischgl, einem der ersten europäischen “Corona-Hotspots”, fand Antikörper bei 42% der Bevölkerung. 85% der Infektionen blieben “unbemerkt” (d.h. sehr mild), ca. 50% der Infektionen verliefen ganz ohne (spürbare) Symptome. Der hohe Antikörperwert von 42% in Ischgl ergab sich, weil in Ischgl auch auf IgA-Antikörper im Blut getestet wurde (statt nur auf IgM/IgG), und dies relativ zeitnah bereits im April. Wäre zusätzlich auf der mukosalen IgA und auf T-Zellen getestet worden, hätte sich zweifellos eine nochmals deutlich höhere Immunität im Bereich der Herdenimmunität ergeben. In Ischgl kam es zu zwei Corona-Todesfällen (beides vorerkrankte Männer über 80 Jahren), was einer rohen Sterblichkeit von 0.26% entspricht. Angepasst an die Gesamtbevölkerung und die tatsächliche Immunität dürfte die Covid-19-Letalität auch in Ischgl bei unter 0.1% liegen.

 

Michael Mina, Immunologe der Universität Harvard erklärte, dass das von einigen Medien als dramatisch bezeichnete Abfallen der Antikörper-Konzentration nach einer Covid-19-Erkrankung "völlig normal" und "wie im Lehrbuch sei. Der Körper stellt die längerfristige Immunität durch T-Zellen und Gedächtniszellen sicher, die bei Bedarf rasch neue Antikörper erzeugen können. (New York Times, 22.07.2020 "Can You Get Covid-19 Again? It’s Very Unlikely, Experts Say")

 

Aufgrund der eher geringen Letalität fällt Covid-19 höchstens in die Stufe 2 des von den US-Gesundheitsbehörden entwickelten fünfstufigen Pandemie-Plans. Für diese Stufe ist lediglich die “freiwillige Isolierung kranker Personen” als Hauptmaßnahme vorgesehen. Weitergehende Maßnahmen wie Mundschutzpflicht, Schulschließungen, Abstandsregeln, Kontaktverfolgung, Impfungen und Lockdowns ganzer Gesellschaften sind hingegen nicht angezeigt.

 "Pandemic Severity Index" (PSI), 01/2007, Severity level is initially based on case-fatality ratio (CFR):

Category 1, CFR of less than 0.1%

Category 2, CFR 0.1% to 0.5%

Category 3, CFR 0.5% to 1%

Category 4, CFR 1% to 2%

Category 5, CFR 2% or higher

 

Quelle: swprs

 

 

Was läuft hier schief?

 

Ich möchte nun in einer Zusammenfassung einige Dinge im Zusammenhang mit der Corona-Krise verdeutlichen.

Vorneweg einfach mal die Karten der Aktivität akuter respiratorischer Erkrankungen in Deutschland (ARE-Aktivität). Die Karten werden generiert mit den wöchentlichen Daten der AGI-Sentinelpraxen. Sie zeigen die regionale ARE-Aktivität auf Bevölkerungsebene, die im ambulanten Bereich erfasst werden kann. 

links die Saison 2017/18, in der Mitte die Saison 2018/19 und rechts die aktuelle Saison 2019/20

Farblich dargestellt ist die Aktivität von respiratorischen Erkrankungen, rot ist eine hohe Aktivität, blau eine geringe Aktivität, jede einzelne Landkarte steht für einen Monat.

Quelle: Robert-Koch-Institut

 

 

Ein ganz interessanter Abschnitt ist in dem Epidemiolgischen Bulletin 16/2020 von dem Robert-Koch-Institut zu lesen. "...Seit der 13. KW nimmt auch eine randomisierte Stichprobe von etwa 200 GrippeWeb-Teilnehmern an einer mikrobiologischen Überwachung teil (GrippeWeb-Plus), in Analogie zu einer im Jahr 2016 durchgeführten Machbarkeitsstudie. Dabei entnehmen die Teilnehmer bei sich selbst Proben aus der Nase und dem Gaumen und schicken diese an das RKI, wo sie auf 22 verschiedene Erreger, darunter auch SARS-CoV-2, getestet werden. Über GrippeWeb-Plus sind bisher sogenannte Null-Proben (die zu Beginn abgenommen werden) von 138 Teilnehmern eingegangen; in keiner der Proben wurde SARS-CoV2 nachgewiesen. ..."

 

 

 

Nun gehen wir auf einige Begrifflichkeiten ein. Es wird letztlich ja nur noch von „Infizierten“ gesprochen. Hierbei wird kein Unterschied gemacht, ob die Infizierten erkrankt oder komplett ohne Symptome sind. Daher sollte eigentlich besser von „positiv Getesteten“ gesprochen werden. Über die Testqualität des PCR-Abstriches gehe ich ein einer Rubrik weiter unten ausführlich ein.

 

Auch müssen wir uns die Verstorbenen mal besser anschauen: Die Sterberate = Zahl der Gestorbenen : Zahl der Infizierten. Dadurch kommt es zu einer Überschätzung der Sterberate, da die Anzahl der Personen mit positivem Abstrich, nicht die Anzahl der Erkrankten genommen wird. Die Zahl der Gestorbenen umfasst alle zum Zeitpunkt des Todes mit positivem SARS-CoV2-Test, unabhängig von den Umständen des Todes. Hier werden auch infektionsunabhängige Fälle, wie z.B. Verkehrstote, Krebstote oder andere Todesfälle eingerechnet, welche zum Zeitpunkt des Todes zusätzlich einen positiven Abstrich hatten. Dadurch kommt es nochmals zu einer Überschätzung der Sterberate.

 

 

 

In der öffentlichen Darstellung kommt es oft zu einer bewusst dramatischeren Darstellung durch Auswahl von Grafiken ohne Berechnung der Bezugsgröße. So erhält man keinen exponentiellen Anstieg der Infektionskurve, wenn man die Anzahl der durchgeführten Tests mit einbezieht. 

Hier zeigt sich in der unteren Grafik, dass wenn man das Verhältnis zu den durchgeführten Tests berücksichtig keine gefährlich anmutende Kurve entsteht.

 

 

 

Bezüglich den plötzlich auftretenden Hotspot in einem großen Fleischereibetrieb im Juni gibt es ebenfalls viel Unklarheiten: Bei mehr als 1500 Arbeitern eines Fleischereibetriebs in Gütersloh wird ein positiver Abstrich auf SARS-CoV2 gemacht. Davon sind 19 Personen erkrankt, zwei davon schwer. Da wir inzwischen wissen, dass über 80% der Infektionen sehr mild verlaufen, müssten allerdings doch ca. 300 Personen eigentlich merkbar erkrankt sein. Auch sieht man auf der Infektionskurve des RKI nach dem Peak durch Gütersloh keinen weiteren Anstieg an Infektionen. Nun ist es auch bekannt, dass es bei den Tieren sogenannte tierpathogenen Coronaviren gibt, welche keine Erkrankung beim Menschen auslösen. Der verwendete PCR-Abstrich erkennt allerdings diese tierpathogenen Coronaviren fälschlich als SARS-CoV2. Dies wurde von Herrn Prof. Drosten in einem NDR-Podcast auch bestätigt, allerdings mit dem Hinweis, dass diese tierpathogenen Coronaviren in der Bevölkerung nicht aufträten. Dies ist richtig, jedoch treten diese in Schlachthöfen auf. Nun besteht der dringende Verdacht, dass bei diesen Messungen ein hoher Anteil an falsch-positiven Tests vorliegt. Um diesen Verdacht auszuräumen wurde von der unabhängigen Ärzteorganisation „Mediziner und Wissenschaftler für Gesundheit, Freiheit und Demokratie e.V.“ angeboten diese 1500 Personen mittels einem anderen PCR-Abstrich, welcher die Unterscheidung tierpathogene Coronaviren und SARS-CoV2 kann, nochmals zu testen. Die dafür anfallenden Kosten würden von der Ärzteorganisation übernommen werden. Denn falls die ganzen Maßnahmen wie der erneute Lockdown aufgrund von falschen Messergebnissen zustande käme, wäre dies eine Katastrophe. Leider wurde weder von Seiten der Landesregierung, der Stadt Gütersloh noch dem Robert-Koch-Institut eine Antwort gegeben. Dieses Angebot wird schlichtweg ignoriert! Warum dieses Angebot nicht angenommen wird ist nicht begreiflich!

 

 

Ist SARS-CoV2 wirklich schlimmer als die Influenza?

 

Man hört in der Regel die folgenden drei Hauptargumente dafür, dass Covid19 deutlich gefährlicher als eine Grippe ist: es ist tödlicher, ansteckender ist und es gibt keinen Impfstoff gibt.

 

Bezüglich dem Argument "tödlicher": Auf die Fehler in der Berechnung bin ich weiter oben ja bereits eingegangen. Durchschnittliche Letalität aller Studien ergibt für SARS-CoV2 einen Wert 0,1-0,2% und liegt somit im Bereich der Influenza! Das Durchschnittsalter aller Verstorbenen mit einer SARS-CoV2-Infektion liegt in den meisten Ländern, auch in Italien, bei über 80 Jahren. In Schweden sogar bei 86 Jahren. Nur bis ca. 4% der Verstorbenen hatten keine ernsthaften Vorerkrankungen. Das Sterbeprofil dieser Patienten entspricht dem der normalen Sterblichkeit und zeigt keine außergewöhnlichen Profile.

  

Bezüglich dem Argument "ansteckender": Die Daten die wir inzwischen haben zeigt, dass SARS-CoV2 nicht wesentlicher ansteckender wie Influenza ist (R-Wert Influenza ca. 2, R-Wert SAR-CoV2 ca 2-2,5). Zum Vergleich ist der R-Wert bei Masern bei 15.

  

Bezüglich dem Argument "fehlender Impfstoff": Richtig. Es gibt noch keinen Impfstoff gegen SARS-CoV2. Die Entwicklung ist in vollem Gange. Über die Wirksamkeit geht man bei dem zu erwartenden Impfstoff von der Wirksamkeit wie bei dem Influenza-Impfstoff aus, da die Coronaviren ebenfalls eine starke Mutationsneigung haben. Der Influenza-Impfstoff ist eine Mischung der in der vorangegangenen Saison häufigsten Influenzastämmen und der Wahrscheinlichkeitsberechnung der Kreuzreaktion gegen das aktuelle Influenzavirus. Die durchschnittliche Impfeffektivität von 2013-2019 lag im Durchschnitt bei 10%! In den Saisonen 2016-2019 bestand sogar ein erhöhtes Risiko bei Personen über 60 Jahren an einer Influenza zu erkranken. Also stellt sich die Frage, ob ein Impfstoff alleine die Wunderwaffe ist.

 

 

 

Aber weshalb ist im Ausland die Situation so viel schlimmer als in Deutschland?

 

Dieser Vergleich wird ständig gebetsmühlenartig wiederholt und ist in der Gesamtbetrachtungsweise nicht möglich. Es müssen immer viele Varianten beachten werden, so hat Deutschland im Vergleich das deutlich bessere Gesundheitswesen und deutlich mehr Kapazitäten für Intensivbetten.

 

Fotos von überlasteten Krankenhäuser im Ausland implizieren die Annahme, dass diese Krankenhäuser in den letzten Jahren nicht überlastet gewesen wären. Hier das Beispiel USA: Tagesspiegel 31.01.2018: „Saisonale Influenza. Grippewelle trifft USA härter als Europa. In Kalifornien werden Patienten in Zelten isoliert, weil dort aggressive Influenzaviren kursieren. Time, 18.01.2018: „Hospitals Overwhelmed by Flu Patients Are Treating Them in Tents“, 21CBS, Dallas, 08.01.2018: „Hospital Overrun By Flu Cases Having To Turn Them Away“

Oder das Beispiel Spanien: El Pais, 14.01.2015: „Colapso en los hospitales. La saturación de las urgencias por la gripe obliga a Sanidad a abrir 150 camas. Los trabajadores culpan de la situación al cierre de plazas y la reducción de personal“, Elmundo, 12.01.2017: „La gripe colapsa los hospitales de media España“. Huffpost, 13.01.2017: „Por qué la gripe significa colapso en los hospitales españoles?“

Oder Italien: Milano corriere, 10.01.2018: „Milano, terapie intensive al collasso per l’influenza: già 48 malati gravi molte operazioni rinviate“.

Oder Frankreich: Spiegel, 11.01.2017: „Grippewelle führt zu Engpässen in Krankenhäusern. Mehr als hundert französische Krankenhäuser haben Probleme, Betten für alle Patienten zu finden. Geplante Operationen könnten verschoben werden. Ursache ist die aktuelle Grippewelle.“

 

Auch hier wird von den Medien der Eindruck erweckt, dass erst durch SARS-CoV2 die Gesundheitssysteme in den anderen Ländern überlastet seien. Dies ist nicht der Fall, vielmehr ist dies ein fast alljährlicher Zustand.

 

Und immer der Vergleich mit Schweden: Schweden hat keinen Lockdown gemacht. Es wird immer wieder auf die in Schweden höhere Anzahl an Verstorbenen mit positivem SARS-CoV2-Test hingewiesen und als Beleg für die Richtigkeit des Lockdowns in Deutschland genannt. Auch hier ist die monokausale Denkweise irreführend. Wenn man die Statistik der Todesfälle in Zusammenhang mit dem Coronavirus (COVID-19) je Millionen Einwohner in ausgewählten Ländern anschaut, so ist dieses Argument bereits entkräftet, denn z.B. in Belgien, was einen Lockdown durchgeführt hat kommt es zu noch viel mehr Todesfällen. (Quelle: Statista, Stand: 3. Juli 2020) 

In der folgenden Grafik wird die Covid-19-Sterblichkeit in Schweden mit der Covid-19-Sterblichkeit in England verglichen. Auch in diesem Verlauf, vor allem auf die zeitliche Achse gesehen, wird kein Unterschied im Verlauf der SARS-CoV2-Pandemie ersichtlich! Der Beginn des Lockdowns in England (23.03.2020: Ausgangsbeschränkungen, man darf das Haus nur für wichtige Erledigungen und Sport verlassen. Gemeinsamer Sport nur mit Mitglieder des selben Haushaltes. Versammlungen im öffentlichen Raum von mehr als zwei Personen wurde verboten.) ist in die Kurve eingetragen und man erkennt, dass die Kurve den gleichen Verlauf wie die Kurve in Schweden ohne Lockdown nimmt.

 

 

Das primäre Ziel der Maßnahmen war es ja die Krankenhäuser nicht zu überlasten. Diese Ziel hat auch Schweden erreicht! Auch die WHO erkennt inzwischen den Weg Schwedens als vorbildlich an. Michael Ryan WHO, 30.04.2020: „Sweden’s Policy of Individual Responsibility “a Model” for the Rest of World“.

 

 

 

Was war eigentlich das ursprüngliche Ziel Bundesregierung bei der Bekämpfung von SARS-CoV2?

 

Ursprüngliches Ziel: Verhinderung der Überlastung der Krankenhäuser.

Als klar war, dass dies nie der Fall sein wird, wurde das Ziel geändert: Verdopplungszeit über 10 Tage, als dies erreicht war hieß es: Verdopplungszeit über 14 Tage. Als dies erreicht war wurde es auf den Reproduktionsfaktor < 1 geändert. Dieser war bereits < 1 als der Lockdown eingeführt wurde (siehe viel weiter unten). Dann wurde erneut das Ziel geändert: Die Pandemie ist beendet, sobald ein Impfstoff zur Verfügung steht. Hier wurden also ständig die selbst gesteckten Ziele, nach deren Erreichen die Maßnahmen beendet werden können, geändert und die Pandemie aufrecht erhalten.

 

In einem nur für den internen Gebrauch gedachten Strategiepapier des Bundesinnenministeriums (18.03.2020) wird festgelegt, dass die Behörden eine „Schockwirkung“ erzielen müssen, um die Auswirkungen der Corona-Pademie zu verdeutlichen:

 „…4. Schlussfolgerungen für Maßnahmen und offene Kommunikation

4 a. Worst case verdeutlichen!

Wir müssen wegkommen von einer Kommunikation, die auf die Fallsterblichkeitsrate zentriert ist. Bei einer prozentual unerheblich klingenden Fallsterblichkeitsrate, die vor allem die Älteren betrifft, denken sich viele dann unbewusst und uneingestanden: Naja, so werden wir die Alten los, die unsere Wirtschaft nach unten ziehen, wir sind sowieso schon zu viele auf der Erde, und mit ein bisschen Glück erbe ich so schon ein bisschen früher. Diese Mechanismen haben in der Vergangenheit sicher zur Verharmlosung der Epidemie beigetragen. Um die gewünschte Schockwirkung zu erzielen, müssen die konkreten Auswirkungen einer Durchseuchung auf die menschliche Gesellschaft verdeutlicht werden: 1) Viele Schwerkranke werden von ihren Angehörigen ins Krankenhaus gebracht, aber abgewiesen, und sterben qualvoll um Luft ringend zu Hause. Das Ersticken oder nicht genug Luft kriegen ist für jeden Menschen eine Urangst. Die Situation, in der man nichts tun kann, um in Lebensgefahr schwebenden Angehörigen zu helfen, ebenfalls. Die Bilder aus Italien sind verstörend. 2) "Kinder werden kaum unter der Epidemie leiden": Falsch. Kinder werden sich leicht anstecken, selbst bei Ausgangsbeschränkungen, z.B. bei den Nachbarskindern. Wenn sie dann ihre Eltern anstecken, und einer davon qualvoll zu Hause stirbt und sie das Gefühl haben, Schuld daran zu sein, weil sie z.B. vergessen haben, sich nach dem Spielen die Hände zu waschen, ist es das Schrecklichste, was ein Kind je erleben kann. 3) Folgeschäden: Auch wenn wir bisher nur Berichte über einzelne Fälle haben, zeichnen sie doch ein alarmierendes Bild. Selbst anscheinend Geheilte nach einem milden Verlauf können anscheinend jederzeit Rückfälle erleben, die dann ganz plötzlich tödlich enden, durch Herzinfarkt oder Lungenversagen, weil das Virus unbemerkt den Weg in die Lunge oder das Herz gefunden hat. Dies mögen Einzelfälle sein, werden aber ständig wie ein Damoklesschwert über denjenigen schweben, die einmal infiziert waren. Eine viel häufigere Folge ist monate- und wahrscheinlich jahrelang anhaltende Müdigkeit und reduzierte Lungenkapazität, wie dies schon oft von SARS - Überlebenden berichtet wurde und auch jetzt bei COVID-19 der Fall ist, obwohl die Dauer natürlich noch nicht abgeschätzt werden kann. Außerdem sollte auch historisch argumentiert werden, nach der mathematischen Formel: 2019 = 1919 + 1929…“

  

Hier wird bewusst mit Urängsten gearbeitet und gezielt Angst in der Bevölkerung verbreitet. Den Kindern einzureden, sie seien für den Tod von Angehörigen verantwortlich ist meines Erachtens ethisch in keinem Fall vertretbar und hinterlässt schwere psychische Schäden!

 

 

Ich hoffe ich kann Ihnen durch meine Aufarbeitung ein bisschen von dieser Angst nehmen! 

 

 

 

Von den Schülern und den Schulen!

Ein Thema was mich als Vater zweier schulpflichtiger Kinder natürlich sehr beschäftigt. Die Abbildung links ist aus dem Buch "Das Narrenschiff" von Sebastian Brant aus dem Jahre 1494. Ein wunderbares Buch und immer noch brandaktuell!

Im Folgenden ist eine kleine Auswahl der Hygienevorgaben des Gymnasiums Kenzingen stellvertretend für alle Schulen aufgelistet: „Im Schulgebäude und auf dem Schulgelände ist das Abstandsgebot einzuhalten. Es gilt ein Mindestabstand von 1,50 m. Die Türen der Klassenräume bleiben offen, um eine bessere Durchlüftung zu gewährleisten und zu verhindern, dass sich über die Handkontaktflächen der Türgriffe Infektionen ausbreiten. Maskenpflicht: Vor Unterrichtsbeginn am Morgen, in den großen Pause und nach Unterrichtsschluss gilt im gesamten Schulgebäude die Pflicht, eine Mund-Nasenbedeckung zu tragen. Praktischer Sportunterricht darf aus Gründen des Infektionsschutzes nicht stattfinden. Im Musikunterricht darf, sofern er stattfindet, nicht gesungen werden. Blasinstrumentedürfen nicht gespielt werden. In den Toiletten besteht eine Zugangsbeschränkung. Maximal drei Schüler*innen dürfen sich gleichzeitig in den Toiletten des Hauptgebäudes aufhalten. In den Toiletten im Altbau und im Atrium sind maximal zwei Schüler*innen zugelassen. In den Toiletten besteht Maskenpflicht. Die Toilettengänge sollten nach Möglichkeit während der Unterrichtsstunden erfolgen, um einen zu großen Andrang in den Pausen zu vermeiden. Während der Pausen muss das Abstandsgebot unbedingt beachtet werden. Wir werden bestimmte Pausenbereiche für den Aufenthalt sperren. Um das Abstandsgebot beachten zu können, sind im Schulgebäude in Teilen Laufwege ausgewiesen (Einbahnstraßensystem). Diese Laufwege müssen eingehalten werden. Auf allen Gängen muss am rechten Rand gelaufen werden. Schüler*innen dürfen nicht nebeneinander laufen. Bei deutlichen Verstößen gegen diese Hygienevorschriften werden Maßnahmen nach §90 SchG ergriffen.“

 

Zahlreiche Studien (z.B. „Characteristics and Outcomes of Children With Coronavirus Disease 2019 (COVID-19) Infection Admitted to US and Canadian Pediatric Intensive Care Units“; Lara S. Shekerdemian et al, JAMA Pediatr. 11.05.2020) haben inzwischen belegt, dass Kinder an Covid19 kaum erkranken und das Virus nicht oder kaum übertragen ("Prevalence of COVID-19 in children in Baden-Württemberg", Uniklinik Ulm / Freiburg / Heidelberg / Tübingen, 16.06.2020), was bereits vom SARS-Ausbruch von 2003 bekannt war („School closure and management practices during coronavirus outbreaks including COVID-19: a rapid systematic review“, Prof Russell M Viner, PhD et al., The Lancet, 06.04.2020). Für die Schließung von Schulen gab es deshalb zu keinem Zeitpunkt einen medizinischen Grund. („Interventions to mitigate early spread of SARS-CoV-2 in Singapore: a modelling study“, Joel R Koo et al, The Lancet, 23.03.2020).

Bei einer britischen preprint-Studie ergab sich, dass bis zu 60% der Kinder und Jungendlichen, sowie etwa 6% der Erwachsenen durch den Kontakt mit den bisherigen Coronaviren, bereits kreuzreaktive Antikörper gegen SARS-CoV2 besitzen. Dies bestätigt erneut die geringe Krankheitsraten bei Kindern und Jugendlichen. („Pre-existing and de novo humoral immunity to SARS-CoV-2 in humans“ Kevin W. Ng, 23.07.2020) 

Dementsprechend registrierten all jene Länder, z.B. Dänemark („Reopening schools in Denmark did not worsen outbreak, data shows“ Reuters), die ihre Schulen bereits im Mai wieder öffneten, keine Zunahme an Infektionsfällen („Back to School? Tracking COVID Cases as Schools Reopen“, Center for global development 29.05.2020). Länder wie Schweden, die ihre Grundschulen ohnehin nie schlossen, hatten damit ebenfalls keine Probleme.

Zu dem Ergebnis, dass sich die Infektionsraten bei Kindern in Schweden – keine Schließung der Grundschulen – und Finnland – mit Schließung der Grundschulen – nicht voneinander unterscheiden ergab eine gemeinsame Auswertung. („Sweden's health agency says open schools did not spur pandemic spread among children“, Reuters, 15.07.2020)

Eine Preprint-Studie des Top-Virologen Drosten („An analysis of SARS-CoV-2 viral load by patient age“, April 2020) argumentierte, die Ansteckungsgefahr durch Kinder sei doch vergleichbar mit Erwachsenen und Schulen sollten deshalb geschlossen bleiben. Mehrere Forscher wiesen jedoch methodische Fehler in der Studie nach. Drosten nahm die Empfehlung bzgl. Schulschließungen daraufhin zurück.

Die Medizinische Fakultät der Technischen Universität Dresden machte eine Studie über die Verbreitung des Coronavirus in Kindergärten, Schulen und Familien. Es konnte kein Beleg dafür gefunden werden, dass SARS-CoV2 sich in Schulen besonders schnell verbreitet. Ebenso konnte nicht gezeigt werden, dass es durch Kinder besonders häufig übertragen wird. Der Studienleiter Prof. Dr. Reinhard Berner, Direktor der Poliklinik für Kinder und Jugendmedizin des Dresdner Universitätsklinikums, sagte am 13.07.2020: „Es ist eher das Gegenteil der Fall. Kinder wirken eher als Bremsklötze der Infektion. Nicht jede Infektion, die bei ihnen ankommt, wird auch weitergegeben.“

In einigen Schulen, beispielsweise in Frankreich und Israel, soll es dennoch zu angeblichen “Corona-Ausbrüchen” gekommen sein („After Reopening Schools, Israel Orders Them To Shut If COVID-19 Cases Are Discovered“; 03.06.2020). Es dürfte sich dort jedoch um Übertragungen von Lehrern auf Schüler handeln, die zu ihrem Leidwesen regelmäßig getestet werden, obschon sie kaum Symptome zeigen und selbst kaum oder gar nicht ansteckend sind.

Der britische Epidemiologe Professor Mark Woolhouse erklärte am 21.07.220 in „The times“, dass es weltweit keinen einzigen bestätigten Fall einer Ansteckung eines Lehrers durch einen Schüle gäbe.

Zum Thema Kawasaki-Krankheit kritisierte die britische Kawasaki Disease Foundation erneut die unseriöse und reißerische Medienberichterstattung. Tatsächlich gebe es bisher keine signifikante Zunahme an Kawasaki-Fällen und keinen belegten Zusammenhang mit Covid-19. Allgemeine entzündliche Reaktionen in einzelnen Kindern seien auch von anderen Vireninfektionen bekannt, die Anzahl der bisher gemeldeten Fälle sei indes äußerst gering.

Auch deutsche medizinische Verbände (Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene, die Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie, die Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendmedizin und der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte in Deutschland) veröffentlichten eine Entwarnung: Covid-19 verlaufe bei nahezu allen Kindern unmerklich oder sehr mild. Schulen und Kitas seien deshalb umgehend und ohne Einschränkungen zu öffnen, d.h. es brauche keine Kleingruppen, Abstandsregeln oder Masken.

(swprs)

 

Diese oben genannten Maßnahmen in den Schulen dienen nicht „zum Schutz der Kinder“ wie so oft angemerkt wird. Es sind vielmehr Auswüchse eines vollkommen sinnentkoppelten Absicherungsdenken: Der Lehrer hat Angst vor Sanktionen durch die Schulleitung, die Schulleitung hat Angst vor Sanktionen durch das Schulamt und dieses hat Angst vor Sanktionen von der Landesregierung. So kann jeder sagen, dass in der Schule nichts passiert sein kann. Und wenn die Kinder sich mittags zum spielen treffen, so ist das außerhalb des Schulbereichs und damit egal!

Doch es ist ein gutes Zeichen, dass die Landesregierung in Baden-Württemberg aufgrund der Ergebnisse der Eltern-Kind Covid-19-Studie der Unikliniken Ulm / Freiburg / Heidelberg / Tübingen ab dem 29.06.2020 den Regelbetrieb in den Grundschulen wieder aufnehmen.

 

Tagesschau 02.07.2020: "Lehrerverbände kritisieren die Corona-Teststrategie der Landesregierung, weil Lehrkräft und Erzieher in Baden-Württemberg nicht regelmäßig getestet werden sollen."

Da die Aussagekraft von Abstrichen bei Gesunden auf SARS-CoV-2 sehr gering ist - in der Rubrik "Warum die Pandemie nie enden wird!" veranschauliche ich dies ausführlich - macht eine regelmäßige Testung von asymptomatischen Lehrern und Schülern überhaupt keinen Sinn. Bei einem positiven Vorhersagewert eines solchen Testes von weniger als 15% ist dies wissenschaftlich nicht vertretbar. Es würden zu viele falsch positive Test erzeugt werden mit all den Konsequenzen unnötiger Schulschließungen und Quarantänemaßnahmen. Ich hoffe, dass die Mathelehrer diesen Sachverhalt ihren Lehrerverbänden erklären können.

 

 

 

Warum die Pandemie nie enden wird!

 

Wie ich bereits weiter unten schon ausgeführt habe wird die PCR-Testung auf SARS-CoV-2 deutlich ausgeweitet. Inzwischen werden Reihentestungen in z.B. Altersheimen (Bewohner und Angestellte), sowie Abstriche von klinisch gesunden Personen durchgeführt. Dennoch bleibt die Anzahl der positiven Test auf einem sehr niedrigen Niveau. Die Problematik mit der Testung ist ein stochastisches. Bei einer hohen Anzahl von Infektionen bringt der Test eine hohe Aussagekraft. Allerdings bei einer geringen Anzahl von Infektionen, wie es seit einiger Zeit besteht, kommt eine starke Ungenauigkeit heraus. Um dies zu erklären muss man zunächst ein paar Begriffe erklären. Die Sensitivität gibt an, wieviel Prozent der Erkrankten richtig erkannt werden. Sie ist der Quotient aus richtig positiven Tests und der Summe aus richtig positiven und falsch negativen Tests. Die Spezifität gibt an, wieviel Prozent der Gesunden auch als gesund erkannt werden. Sie wird definiert als der Quotient aus richtig negativen Tests und der Summe aus falsch positiven und richtig negativen Testergebnissen – also allen Testergebnissen, denen tatsächlich keine Erkrankung zugrunde lag. Der positive prädiktive Wert oder positive Vorhersagewert gibt an, wie viele Personen, bei denen eine bestimmte Krankheit mittels eines Testverfahrens festgestellt wurde, auch tatsächlich krank sind. Der negative prädiktive Wert oder negative Vorhersagewert gibt an, wie viele Personen, bei denen eine bestimmte Krankheit mittels eines Testverfahrens nicht festgestellt wurden, auch tatsächlich gesund sind. Dies kann man in einer Vierfeldertafel veranschaulichen.

 

Bezüglich dem PCR-Test auf SARS-CoV-2 sind verschiedene Angaben über die Spezifität im Umlauf. Correctiv als gemeinnütziges Recherchezentrum hat sich dieser Frage angenommen und berichtet, dass die Spezifität sicher im Bereich von >95/98% liegen (Alexander Dalpke, Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene der Technischen Universität Dresden) bzw. im niedrigen Virusbereich erkrankte Patienten zu 95%, bei höheren Virus-Konzentrationen liegt die Sensitivität bei annähernd 100% (Corinne Klett vom Zentralinstitut für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin des Klinikums Stuttgart).

 

Wenn man nun das Rechenbeispiel von Samuel Eckert was das aktuelle Szenario gut beschreibt durchführt, ergibt sich Folgendes: Unter der Berücksichtigung der bis heute durchgeführten PCR-Tests mit ca. 4,6 Millionen und der vom RKI angegebene Anzahl der bisher Infizierten, kommt man auf eine Durchseuchung der Bevölkerung von ca. 0,6%. Wenn man dann eine Sensitivität von 97,5% und eine Spezifität von 96,5% wie von Correctiv ermittelt annimmt ergibt sich folgende Vierfeldertafel: 

 

Dadurch ergibt sich einen positiv prädiktiver Wert (PPV) von 14,39%! Das heißt, dass in fast 85% der Fälle der Test falsch liegt! Das liegt daran, dass die Durchseuchung in der Bevölkerung mit 0,6% sehr gering ist. In Zukunft ist damit zu rechnen, dass die Infektionszahl weiter fällt und wenn die Tests zudem noch ausgeweitet werden wird die Aussagekraft noch weiter fallen. Das heißt aber auch, dass es immer einen Nachweis von SARS-CoV-2 geben wird und die Pandemie daher nie enden kann. Es handelt sich hierbei um eine klassische Laborpandemie!

Mich würde es allerdings auch nicht wundern wenn die Stochastik und Mathematik nun von offizieller Seite auch zu den Verschwörungstherorien gezählt werden.

 

Nachtrag: 

Bundesgesundheitsminister Spahn in "Nachricht aus Berlin" (ARD) am 14.06.2020: „Ich finde eines wichtig wenn ich immer lese wir müssten drei, vier, fünf Millionen jetzt flächendeckend jeden Tag testen, oder so. Also sie müssen eins sehen, dadurch dass wir, toi, toi, toi, die Zahlen so runtergebracht haben, haben wir momentan eine Positivtestung von unter 1%, bei gleichbleibend konstanter Testzahl in den letzten Wochen. Und wir müssen jetzt aufpassen, dass wir nicht nachher durch zu umfangreiches testen – das klingt jetzt total, muss da erst mal immer um zwei Ecken denken – durch zu umfangreiches testen zu viele Falsch-Positive haben. Weil die Tests ja nicht 100% genau sind, sondern auch eine kleine, aber auch eine Fehlerquote haben. Und wenn sozusagen insgesamt das Infektionsgeschehen immer weiter runter geht und sie gleichzeitig das Testen auf Millionen ausweiten, dann haben sie auf einmal viel mehr Falsch-Positive als tatsächlich Positive!...“

 

Diese Aussage des Gesundheitsministers steht in direktem Gegensatz zu der Teststrategie der Bundesregierung nach dem Motto: "Testen, testen, testen!"

 

 

 

Das Präventionsparadox - Umgedeutet im Sinne der Coronakrise

Der Begriff Präventionsparadox wird aktuell in der Diskussion um die getroffenen Maßnahmen in der Coronakrise sehr häufig benutzt, um Kritiker dieser Maßnahmen zu widerlegen. Die Definition des Begriffes durch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung  (18.04.2018) ist Folgende: 

„Das sogenannte Präventionsparadox wurde Anfang der 1980er Jahre vom britischen Epidemiologen Geoffrey Rose am Beispiel der koronaren Herzkrankheiten beschrieben. Es stellt ein grundlegendes Dilemma der bevölkerungs- und risikogruppenbezogenen Prävention und Krankheitsprävention dar. Seine Kernaussage ist: Eine präventive Maßnahme, die für Bevölkerung und Gemeinschaften einen hohen Nutzen bringt, bringt dem einzelnen Menschen oft nur wenig - und umgekehrt.“ 

Wenn man allerdings die Definition bei Wikipedia anschaut liest man: „Besonders während der Covid-19-Pandemie von 2019 und 2020 wurde der Begriff „Präventionsparadoxon“ benutzt, um die paradoxe Situation zu beschreiben, dass Maßnahmen zur Verhinderung der Ausbreitung der Pandemie angezweifelt wurden, mit der Begründung, eine prophezeite Ausbreitung des Virus habe nicht stattgefunden, obwohl die Präventionsmaßnahmen diese Ausbreitung verhinderten.“ Diese Definition wurde am 09.06.2020 durch den User „Grim“ durchgeführt. Auf seinem Profilbild findet man folgendes Zitat: „Empörung ist das Gefallen der Dummen“. Als Quelle für seine Definition gibt er einen Focus-online-Artikel (02.05.2020) an: „Präventions-Paradox: Drosten schickt Warnung an alle Lockdown-Kritiker. …Die Intensivstationen deutscher Krankenhäuser sind nicht einmal halb gefüllt. Das löst bei vielen Menschen das Gefühl aus, das Virus sei nicht so schlimm, Maßnahmen wie der Lockdown sinnlos. Virologe Drosten erklärt, warum diese Menschen falsch liegen. Dahinter steckt das „Präventions-Paradox“....“ Es wird in diesem Artikel gesagt, dass es so ist, allerdings fehlen jegliche Argumente oder Belege in diesem Artikel!

Hier wird der Begriff Präventionsparadox umgedeutet und dafür verwendet, um die Maßnahmen in der Coronakrise zu rechtfertigen. Dafür ist der Begriff allerdings nicht gedacht. Jede Maßnahme muss immer auch kritisch überprüft werden, zumal auch ein Schaden durch die Maßnahmen entstehen kann. Die Schlussfolgerung, da es in Deutschland z.B. weniger Tote gibt, obwohl es hätten mehr sein können und deswegen die Maßnahmen berechtigt sind, ist wissenschaftlich nicht haltbar, da der Beweis der Kausalität nicht erbracht wurde. Als Beispiel zum Vergleich: Man geht von einem deutlichen Anstieg der Überfälle aus, daher beschließt man eine Ausgangssperre ab 19:00 Uhr. Der Anstieg der Überfälle bleibt aus. Ist die Ausgangssperre dafür verantwortlich? Kann sein, kann aber auch nicht sein! Es bestehen viele Variablen und bei einem solchen monokausalem Denken kann die Antwort nicht gegeben werden.

 

 

Als Lösung des Präventionsparadoxes empfiehlt die WHO seit Anfang der 2000er Jahre eine „richtige Balance“ zwischen Bevölkerungs- und Teilpopulationsstrategie (BS) und Hoch-Risiko-Strategie (HRS). Die BS wird differenziert umgesetzt unter Berücksichtigung epidemiologischer und sozialökologischer Mediatorvariablen (z.B. Alter, Geschlecht, sozialer Status und Bildungsstatus, Lebensweise, Gesundheitsverhalten, präventivmedizinischer Risikostatus). Das Krankheitsrisiko einer oder eines Einzelnen steht nicht im Mittelpunkt. Primär ist die Intervention gegen gesicherte Ursachen, Vorläufer und Risikofaktoren von Krankheitsinzidenzen bei möglichst vielen Menschen. Maßnahmen der BS müssen für jeden gelten und anwendbar sein, und sie sollten ohne schädliche Nebenwirkungen sein. Die HRS hingegen beinhaltet das Suchen und die gezielte Behandlung von Risikoträgern und -trägerinnen bzw. Patientinnen und Patienten mit hohem Risiko. Solche Personen machen nur einen geringen Prozentsatz aus, profitieren aber aufgrund ihres hohen absoluten Risikos sehr stark von auch aufwendigen präventiven Maßnahmen. Eine absolute Gegenüberstellung der Idealtypen (BS vs. HRS) erscheint nicht sinnvoll. Nützlicher ist die Annahme eines Kontinuums, in dem Zwischenstufen zwischen beiden Extremen bestehen - in Abhängigkeit vom jeweiligen Krankheitsrisiko. Daher ist es mittlerweile üblich, im HRS-Ansatz zwischen einer Risikogruppenstrategie und einer Hochrisikopersonenstrategie zu differenzieren (siehe Abbildung). (BzgA)

Das bedeutet, je universeller die Maßnahmen sind, desto höher ist die Interferenz mit Nichtbetroffenen und desto geringer ist die Akzeptanz. In der Umkehr, je indizierter die Maßnahmen sind, desto weniger Interferenz mit Nichtbetroffenen besteht und desto höher ist die Akzeptanz auch der Betroffenen.

 

Dr. Maria van Kerkhove, Technische Leiterin der MERS-CoV-Abteilung bei der WHO in Genf sagte in einem Interview am 08.06.2020, dass asymptomatische Personen selten die Erkrankung auf andere Personen übertragen. (“From the data we have, it still seems to be rare that an asymptomatic person actually transmits onward to a secondary individual.“). Am 09.06.2020 rudert sie allerdings zurück mit der Aussage, dass asymptomatische Ausbreitung eine sehr komplexe Fragestellung ist und noch viel unbekannt ist. („Asymptomatic spread is a really complex question and much is still unknown.“). Der Praxisalltag bestätigt jedoch die Aussage vom 08.06.2020. In Bezug auf die Lösungsmöglichkeiten des Präventionsparadox würde eine Hochrisikopersonenstrategie zu überlegen sein.

 

 

Wann ist die Pandemie zu Ende?

Der Koalitionsausschuss der Bundesregierung hat am 3. Juni 2020 in seinem Schreiben „Corona-Folgen bekämpfen, Wohlstand sichern, Zukunftsfähigkeit stärken“ unter Punkt 53 festgelegt: „Die Corona-Pandemie endet, wenn ein Impfstoff für die Bevölkerung zur Verfügung steht.“

 

Zunächst einmal zur Definition einer Pandemie: "Eine Pandemie ist eine weltweite Epidemie. Dabei tritt eine Infektionskrankheit über einen begrenzten Zeitraum stark gehäuft auf. Während eine Epidemie sich auf einzelnen Regionen beschränkt, breitet sich eine Pandemie über Ländergrenzen und Kontinente hinweg aus." Im April 2009 hat die WHO im Rahmen der Schweinegrippe die Definition der Pandemie abgeschwächt und die Passage, in der eine "beträchtliche Zahl von Toten" vorausgesetzt wird, weggelassen. Dies hatte damals für starke Kritik gesorgt, da bei der Ausarbeitung Experten beteiligt waren, welche einen Interessenskonflikt mit der Pharmaindustrie hatten (arznei-telegramm 2010; 41: 59-60).

 

Doch wann ist eine Pandemie zu Ende?

Eine Pandemie zu beenden kann auf drei Weisen erreicht werden: 

1) Es besteht eine Herdenimmunität in der Bevölkerung durch Durchseuchung.

2) Das Virus stellt seine Reproduktion ein durch veränderte Umweltbedingungen.

3) Es wird ein Impfstoff entwickelt, der vor Neuansteckung schützt.

 

Zum Punkt der Herdenimmunität hat Herr Prof. Drosten am 06.03.2020 gesagt: „Bei einer Gesamtbevölkerung von 83 Millionen wären zwei Drittel fast 56 Millionen Menschen, die sich infizieren müssten, um die Ausbreitung zu stoppen. Bei einer Mortalität von 0,5 Prozent wäre in dem Fall mit 278.000 Corona-Todesopfern zu rechnen“. Allerdings schränkt er seine Aussage ein, da dabei der Zeitfaktor nicht berücksichtigt sei.

Wenn man die aktuelle Anzahl der Todesfälle in diesem Jahr auf etwa 10 000 extrapoliert und eine jährliche gleichbleibende Virusaktiviät voraussetzten würde, dann wären mehr als 27 Jahre notwendig, um auf diese Todesziffer zu kommen!

07.06.2020 Prof. Streeck: „Es besteht eine Chance, dass wir über den Sommer die Anzahl der Personen mit Teilimmunität erhöhen können.“

 

Zum Punkt 2) stelle ich die aktuellen Zahlen des Robert-Koch-Instituts ein:

Am 07.06.2020: Covid-19-Fälle: 183 979, Covid-19-Todesfälle: 8 668, Covid-19-Genesene: 169 100. Damit befinden sich am 07.06.2020 in Deutschland infizierte Personen: 6 211 (0,0075% der Gesamtbevölkerung)!

Quelle: Robert-Koch-Institut, Covid-19-Dashboard

 

Der Kurvenverlauf der Covid-19-Erkrankungsfälle zeigt einen typischen, mit anderen Infektionserkrankungen vergleichbaren, Verlauf. Alle Daten weisen daraufhin, dass die Infektionswelle am auslaufen ist.

 

Damit stellt sich die Frage, ob ein Impfstoff überhaupt notwendig sein wird, wenn sich die Pandemie bereits durch den natürlichen Verlauf beendet hat. Die von der Bundesregierung erlassene Definition zum Pandemieende ignoriert die beiden anderen wichtigen Möglichkeiten zu einer Pandemiebeendigung.

 

In der links stehenden Abbildung aus dem Epidemiologischen Bulletin des Robert-Koch-Instituts erkennt man, dass auch durch das Steigern der Abstriche auf SARS-CoV-2 bis einschließlich Kalenderwoche 18 (27.04. bis 03.05.2020) der Anteil der postiven Abstriche prozentual absinkt. In den bisher noch nicht veröffentlichten aktuellen Zahlen ist, trotz weiterer Ausdehnung der Abstriche (Reihenabstriche in Altersheimen etc.) nochmals ein deutliches Absinken der anteiligen positiven Testergebnissen zu verzeichnen.

Auch dies ist ein deutlicher Hinweis auf ein Auslaufen der Infektionswelle. 

Zudem zeigen die Ergebnisse, dass über 80% der Infektionen asymptomatisch verlaufen, d.h. dass die Patienten keine oder kaum Beschwerden haben. Allen Anschein nach wird es die erste Pandemie der Weltgeschichte sein, die erst durch einen Impfstoff für ein Virus welches dann schon gar nicht mehr in relevanter Anzahl vorhanden sein wird, beendet wird.

 

 

 

MASKENPFLICHT!

 

Es gilt nun die allgemeine Maskenpflicht beim Einkaufen, im öffentlichen Nahverkehr und überall wo der Mindestabstand nicht eingehalten werden kann! 

 

Michael Ryan, WHO-Nothilfedirektor (31.03.2020): "Unser Rat: wir raten davon ab, Mundschutz zu tragen, wenn man nicht selbst krank ist!" 

 

Prof. Dr. F. Montgomery, Weltärztepräsident (23.04.2020): "Ich trage selber eine Maske aus Höflichkeit und Solidarität, halte eine gesetzliche Pflicht aber für falsch! ... Wer eine Maske trägt, wähnt sich sicher, er vergisst den allein entscheidenden Mindestabstand .... Aber was will man gegen dem Überbietungswettbewerb föderaler Landespolitiker mit rationalen Argumenten tun?"

 

American Medical Association (27.05.2020): "Gesichtsmasken sollten nicht von gesunden Personen getragen werden, um sich vor Atemwegsinfektionen zu schützen, da es keine Belege dafür gibt, dass Gesichtsmasken, die von gesunden Personen getragen werden, wirksam vor Krankheiten schützen können."

 

Eine ländervergleichende Untersuchung der Universität von East Anglia kam zum Ergebnis, dass eine Maskenpflicht keinen Nutzen brachte und das Infektionsrisiko sogar erhöhen könnte. „Impact of non-pharmaceutical interventions against COVID-19 in Europe: a quasi-experimental study“ (01.05.2020)

 

Eine Studie vom April 2020 in der Fachzeitschrift Annals of Internal Medicine kam zum Ergebnis, dass weder Stoffmasken noch chirurgische Masken die Verbreitung des Covid19-Virus durch Husten verhindern können. „Effectiveness of Surgical and Cotton Masks in Blocking SARS–CoV-2: A Controlled Comparison in 4 Patients“ (06.04.2020)

 

Ein Artikel im New England Journal of Medicine vom Mai 2020 kommt ebenfalls zum Ergebnis, dass Atemschutzmasken im Alltag keinen oder kaum Schutz bieten. Der Ruf nach einer Maskenpflicht sei ein “irrationaler Angstreflex”. „Universal Masking in Hospitals in the Covid-19 Era“ (21.05.2020)

 

Eine Studie aus Deutschland zeigte, dass es nach der Einführung von Masken in der Stadt Jena zu einer deutlichen Reduktion an Infektionen führt, doch Jena führte zeitgleich sehr strenge Quarantänevorschriften ein. In den anderen verglichenen Städten und Regionen war dieser Effekt nicht zu beobachten. „Face Masks Considerably Reduce COVID-19 Cases in Germany: A Synthetic Control Method Approach“ (06/2020) (siehe Grafik aus der genannten Studien entnommen).

 

Doch leider wird nur das Teilergebnis aus Jena in den Medien erwähnt:

 

Tagesschau (08.06.2020): „Coronavirus: Studie bestätigt Schutzwirkung von Masken“

 

SWR (08.06.2020): „Die Pflicht zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes trägt einer Studie der Johannes Gutenberg-Universität Mainz zufolge deutlich zur Eindämmung der Corona-Pandemie bei. Bei der Studie wurden die Infektionszahlen in Jena mit denen in anderen Städten verglichen.“

 

aerzteblatt (08.06.2020): „COVID-19: Jena hat durch frühe Maskenpflicht viele Infektionen vermieden“

 

Dies sind wieder schöne Beispiele, wie man mit der Nennung eines Teilaspektes unter Weglassen des Rests, welchen diesen Teilaspekt widerlegt, ein falsches Bild in der Öffentlichkeit erzeugen kann. (Siehe auch ganz unten bei "Übersterblichkeit durch Corona?")

 

Und das sagt das BfArM (Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte) zu den Mund-Nasen-Schutzmasken: Träger der Mund-Nasen-Bedeckungen können sich nicht darauf verlassen, dass diese sie oder andere vor einer Übertragung von SARS-CoV-2 schützen, da für diese Masken keine entsprechende Schutzwirkung nachgewiesen wurde. 

 

Selbstverständlich halten wir uns an die gesetzlichen Vorgaben, ob sie nun Sinn machen oder nicht! Daher weisen wir Sie als Patient darauf hin, dass Sie eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen sollen, wenn Sie in unsere Praxis kommen - sofern es Ihr Gesundheitszustand zulässt!

 

Weiter unten bei der Rubrik "Coronavirus" gehe ich nochmals ausführlich und objektiv auf das Thema Mundschutz ein.

 

 

 

CORONAVIRUS!

Es ist wichtig sich als Patient und Angehöriger zu informieren. Das Wichtigste dabei ist sich seine eigene Meinung zu bilden. Um sich in der Flut von Beiträgen von Experten und solchen die es gerne sein würden besser zurechtzufinden, liste ich hier die Namen von wirklichen Experten auf.

Das Handeln der Bundesregierung wird hauptsächlich von

Herrn Prof. Dr. L. H. Wieler (Veterinärmediziner und Fachtierarzt für Mikrobiologie, Präsident des Robert-Koch-Instituts) und

Herrn Prof. Dr. C. Drosten (Virologe, Institutsdirektor der Charité in Berlin)

beeinflusst. 

Bitte machen Sie sich mit den Einschätzungen dieser beiden Experten vertraut.

 

"Öffentliche Meinung ist etwas, worauf sich hauptsächlich solche Politiker berufen, die keine eigene Meinung haben." -Amintore Fanfani

 

Um sich eine eigene Meinung zu bilden, ist es allerdings auch unbedingt notwendig sich mit weiteren Fachleuten auseinander zu setzen. Hierzu zählen unter anderem:

Prof. Dr. M. Wittkowski (Epidemiologe)

Dr. W. Wodarg (Pneumologe)

Prof. em. Dr. S. Bhakdi (Mikrobiologe, Infektionsepidemiologe)

Prof. Dr. P. Vernazza (Infektiologe)

Prof. Dr. H. Streeck (Virologe, Epidemiologe, Direktor des Virologieforschungsinstituts Uni Bonn)

Dr. B. Schiffmann (HNO-Arzt, Schwindelambulanz Sinsheim)

Prof. Dr. C. Scheller (Virologe, Uni Würzburg)

Prof. Dr. K. Püschel (Rechtsmediziner, Direktor der Hamburger Rechtsmedizin)

Prof. M.T. Osterholm (Epidemiologe, Direktor des Infektionsforschungszentrum, Uni Minnesota)

Prof. Dr. F. U. Montgomery (Radiologe, ehem. Präsident der Bundesärztekammer)

Prof. Dr. K. Mölling (Virologin, Uni Zürich und Max-Planck-Institut)

Prof. Dr. A. Lohse (Infektiologe, Direktor der Infektiologie Uniklinik Hamburg)

Prof. Dr. G. Krause (Epidemiologe)

Dr. C. Köhnlein (Internist)

Prof. D. L. Katz (Arzt, Ernährungswissenschaftler, Direktor des Präventionsforschungszentrum Uni Yale)

Prof. J. P. A. Ioannidis (Arzt, Direktor des Präventionsforschungszentrum Uni Stanford)

Prof. Dr. S. Hockertz (Immunologe, Toxikologe)

Prof. Dr. M. Haditsch (Virologe, Mikrobiologe, Infektionsepidemiologe)

Prof. Dr. P. Goldschmidt (Virologe)

Prof. M. R. Gismondo (Mikrobiologin)

Prof. Dr. Dr. D. v. Wachter (Religionsphilosoph, Direktor der Internat. Akademie für Philosophie, Liechtenstein)

 

 

Im Folgenden habe ich ein paar wichtige Informationen rund um das Coronavirus aufgelistet:

 

Wie wird das Coronavirus übertragen?

Das neuartige Coronavirus (COVID-19) ist von Mensch zu Mensch übertragbar. Der Hauptübertragungsweg ist die Tröpfcheninfektion. Dies kann direkt durch von Mensch-zu-Mensch über die Schleimhäute der Atemwege geschehen oder auch indirekt über Hände, die dann mit Mund- oder Nasenschleimhaut sowie die Augenbindehaut in Kontakt gebracht werden. Es wurden auch Fälle bekannt, in denen sich Personen bei Betroffenen angesteckt haben, die nur leichte oder unspezifische Symptome gezeigt hatten.

 

Welche Symptome werden durch das Coronavirus ausgelöst?

Vorneweg: Es gibt kein Leitsymptom an dem ich Covid-19 von anderen Infekten wie Influenza oder den banalen Schnupfen unterscheiden kann. Wie andere respiratorische Erreger kann eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus zu Symptomen wie Husten, Schnupfen, Halskratzen und Fieber führen, einige Betroffene leiden auch an Durchfall und einen Geschmacksverlust. Die Inkubationszeit beträgt im Mittel 5-6 Tage, kann aber bis zu 14 Tagen dauern. Basierend auf realen Daten wurde geschätzt, dass Patienten bereits 2,5 Tage vor Symptombeginn infektiös waren. Das Ende der infektiösen Periode ist momentan nicht sicher anzugeben. In einer Studie mit neun (!) Patienten wurde die Ausscheidungsdynamik vermehrungsfähiger Viren aus Proben von Rachen und Sputum untersucht. Abstrichproben vom Rachen enthielten vermehrungsfähige Viren bis zum vierten, aus dem Sputum bis zum achten Tag nach Symptombeginn.

 

Demografische Daten und Symptome/Manifestationen COVID-19-Erkrankter in Deutschland (Stand 09.07.2020)

Überblick zu Daten aus Deutschland
Demografie
Geschlechterverhältnis 52 % weiblich
Altersmedian 49 Jahre
Altersverteilung < 10 Jahre: 2,3 %
10-19 Jahre: 4,6 %
20-49 Jahre: 43 %
50-69 Jahre: 31 %
70-89 Jahre: 16 %
≥ 90 Jahre: 2,9 %
Häufig genannte Symptome/Manifestationen
Husten 48 %
Fieber 41 %
Schnupfen 21 %
Störung des Geruchs- und/oder Geschmackssinns* 15 %
Pneumonie 3,0 %
Weitere Symptome: Halsschmerzen, Atemnot, Kopf- und Gliederschmerzen, Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust, Übelkeit, Bauchschmerzen, Erbrechen, Durchfall, Konjunktivitis, Hautausschlag, Lymphknotenschwellung, Apathie, Somnolenz.

 

* Seit der 17. KW wird für die COVID-19-Fälle auch Geruchs- und Geschmacksverlust als Symptom erfasst. Die deutlich höhere Prozentzahl in Abbildung 1 resultiert vermutlich aus der intensiveren Ermittlung solcher Symptome im Rahmen von Studien im Vergleich zum Meldewesen.

 

Co-Infektionen: Nicht selten leiden COVID-19-Patienten unter weiteren Infektionen: Bei 5–40 % der Patienten kam es zu Co-Infektionen. Häufig nachgewiesene Erreger bei Co-Infektionen waren Mycoplasma pneumoniae, Candida albicans und Aspergillus spp. Zudem wurden in einigen Fällen Superinfektionen mit multiresistenten Bakterien (z. B. Klebsiella pneumoniae und Acinetobacter baumannii) festgestellt. Co-Infektionen waren in einer Studie mit einem schwereren Verlauf assoziiert.

Schwere Verläufe sind eher selten, können aber auch bei Personen ohne bekannte Vorerkrankung auftreten und werden auch bei jüngeren Patienten beobachtet. Die folgenden Personengruppen haben, basierend auf der aktuellen Studienlage, ein erhöhtes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf:

  • ältere Personen (mit stetig steigendem Risiko für schweren Verlauf ab etwa 50–60 Jahren; 87 % der in Deutschland an COVID-19 Verstorbenen waren 70 Jahre alt oder älter [Altersmedian: 82 Jahre])
  • Raucher (schwache Evidenz)
  • stark adipöse Menschen
  • Personen mit bestimmten Vorerkrankungen:

    • des Herz-Kreislauf-Systems (z. B. koronare Herzerkrankung und Bluthochdruck)
    • chronische Lungenerkrankungen (z. B. COPD)
    • chronische Lebererkrankungen
    • Patienten mit Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
    • Patienten mit einer Krebserkrankung
    • Patienten mit geschwächtem Immunsystem (z. B. aufgrund einer Erkrankung, die mit einer Immunschwäche einhergeht oder durch die regelmäßige Einnahme von Medikamenten, die die Immunabwehr beeinflussen und herabsetzen können, wie z. B. Cortison.

Atypische Manifestationen, Komplikationen, Folgeerkrankungen

Es wird angenommen, dass etwa 81% der diagnostizierten Personen einen milden, etwa 14% einen schwereren und etwa 5% einen kritischen Krankheitsverlauf zeigen. COVID-19 kann sich in vielfältiger Weise und nicht nur in der Lunge, sondern auch in anderen Organsystemen manifestieren. Die Manifestationsorte sind u. a. von der Dichte der ACE-2 Rezeptoren in den Geweben abhängig, die dem Virus den Eintritt in die Zelle ermöglichen. Neben direkten zytotopathischen Effekten werden überschießende Immunreaktionen sowie Durchblutungsstörungen in Folge einer Hyperkoagulopathie beobachtet. Aufgrund der Neuartigkeit des Krankheitsbildes lassen sich keine zuverlässigen Aussagen zu Langzeitauswirkungen und (irreversiblen) Folgeschäden durch die Erkrankung bzw. ihre Behandlung (z.B. in Folge einer Langzeitbeatmung) treffen.

 

Pulmonale Erkrankungen
SARS-CoV-2 verursacht sehr häufig Atemwegsinfektionen. Meist in der zweiten Krankheitswoche kann sich eine Pneumonie entwickeln, die in ein beatmungspflichtiges ARDS fortschreiten kann, das u.U. eine extrakorporale Membranoxygenierung (ECMO) erforderlich macht.

 

Neurologische Symptome und Erkrankungen
Als neurologische Symptome wurden Kopfschmerzen, Schwindel und andere Beeinträchtigungen beschrieben, die neuroinvasive Eigenschaften des Virus vermuten lassen. Dazu zählen auch neuropsychiatrische Symptome bzw. Krankheitsbilder sowie einzelne Fälle möglicherweise SARS-CoV-2-assoziierter akuter nekrotisierender hämorrhagischer Enzephalopathie und Meningitis. Darüber hinaus sind Fälle eines Guillain-Barré- und Miller-Fisher-Syndroms beschrieben worden.  

 

Gastrointestinale Symptome
Eine COVID-19 Infektion kann mit gastrointestinalen Symptomen (Übelkeit, Appetitlosigkeit, Erbrechen, abdominelle Schmerzen, Durchfälle) und Leberfunktionsstörungen einhergehen.

 

Herz-Kreislauf-Symptome und Erkrankungen
Eine kardiale Beteiligung ließ sich anhand erhöhter Herzenzyme bzw. Troponin bei einem Teil der Patienten nachweisen, darunter auch Kinder und Patienten mit mildem oder moderatem Verlauf. Insbesondere bei schweren Infektionen der Atemwege erleidet eine Reihe von Patienten kardiovaskuläre Erkrankungen, einschließlich Myokardschädigungen, Myokarditis, akutem Myokardinfarkt, Herzinsuffizienz, Herzrhythmusstörungen und venösen thromboembolischen Ereignissen. Die pathologisch erhöhte Blutgerinnung geht bei schweren COVID-19-Verläufen mit einem erhöhten Risiko für Thromboembolien, u. a. in den unteren Extremitäten, sowie Lungenarterien- und zerebrovaskulären Embolien  und möglichen Folgeschäden einher.

 

Nierenerkrankungen
Insbesondere bei schwer erkrankten beatmungspflichtigen COVID-19-Patienten wird das Auftreten von akutem, u.U. dialysepflichtigem, Nierenversagen beobachtet.

 

Dermatologische Manifestationen
Es ist eine relativ große Bandbreite an dermatologischen Manifestationen beschrieben, die jedoch insgesamt selten sind (0,2-1,2%). Dazu zählen juckende, morbilliforme Ausschläge, Papeln, Rötungen und ein Nesselsucht-ähnliches Erscheinungsbild sowie Hautbläschen und Frostbeulen-ähnliche Hautläsionen. In seltenen Fällen sind schwere Durchblutungsstörungen in den Akren bis hin zum Gangrän beschrieben. Das Auftreten dieser Hautmanifestationen wird sowohl am Anfang des Krankheitsverlaufs (noch vor anderen bekannten Symptomen) als auch im späteren Erkrankungsverlauf beobachtet. Da viele der berichteten Hauterscheinungen auch bei anderen Erkrankungen vorkommen, ist derzeit noch unklar, ob bestimmte dermatologische Erkrankungsmuster eine COVID-19 Diagnose erleichtern können.

20.04.2020 beschreibt eine durch die Obduktionen festgestellte generalisierte Entzündung der inneren Gefäßhaut (Endotheliitis) wodurch schwere Störungen der Mikrozirkulation entstehen und den Sauerstoffaustausch vermindert. Dies erklärt auch, warum die Hypertonie als einer der Hauptrisikofaktoren gilt, da durch die Hypertonie- und altersbedingte Schädigung des Endothels dieses wohl anfälliger für eine solche Komplikation sind.

 

Wie tödlich ist Covid-19?

Die Letalität beschreibt die Anzahl der verstorbenen Fälle als Anteil der Zahl der (tatsächlich) erkrankten Fälle. Dazu liegen keine verlässlichen Daten vor, weil die tatsächliche Anzahl erkrankter Menschen unbekannt ist und möglicherweise deutlich höher liegt als die Zahl der gemeldeten Erkrankungsfälle. Wenn tatsächlich die Zahl der erkrankten Fälle um einen Faktor 4,5–11,1 unterschätzt ist, dann beträfe das vermutlich v. a. die Zahl der (leichter) Erkrankten, die nicht durch das Überwachungssystem erfasst werden würden. Damit würde sich auch die (näher an der Wirklichkeit liegende) Letalität vermutlich um einen ähnlichen Faktor senken. (Robert-Koch-Institut)

Ergebnisse von Obduktionen von Covid-19-Verstorbenen geben deutliche Hinweise auf eine nochmals geringere Letalität als bisher angenommen. Das Hauptproblem ist, dass man für einen Virus (hier SARS-CoV-2) eigentlich gar keine Letalität berechnen kann. Eine Letalität kann man berechnen für Erkrankungen wie z.B. eine Pneumonie, da man hier nahezu vollständig alle Erkrankungsfälle erfassen kann und genau berechnen kann wie viele dieser Patienten an dieser Erkrankung versterben. Covid-19 ist die Bezeichnung für Krankheitssymptome bei SARS-CoV-2-positiven Patienten. Da sehr viele der Erkrankungen symptomlos verlaufen, liegen keine verlässlichen Zahlen der Gesamtinfizierten vor. Zudem zeigen die Obduktionen, dass alle Covid-19-Verstorbenen an mindestens einer schweren Grunderkrankung litten. 

Diese Frage wurde bereits weiter oben schon mit aktuellen Zahlen erörtert.

 

Quelle: Robert-Koch-Institut

 

Gefährdung durch ACE-Hemmer und Sartane (AT-II-Blocker)?

Vor einigen Wochen haben Hypothesen für Verunsicherung gesorgt, dass Patienten welche mit einem ACE-Hemmer oder AT-II-Blocker behandelt werden ein erhöhtes Erkrankungsrisiko und einen schlechteren Krankheitsverlauf hätten. Jetzt werden mehrere größere Beobachtungsstudien veröffentlicht die gegen eine Gefährdung durch diese Antihypertensiva sprechen. Es gibt bisher keine Belege für einen schädlichen Effekt dieser Medikamentengruppen.

 

Quelle: arznei-telegramm 2020, Jg. 51, Nr. 5

 

Wie kann ich mich vor einer Infektion schützen?

Wie bei allen Infektionserkrankungen gilt es auf eine möglichst gute Händehygiene zu achten. Sie sollten sich oft die Hände waschen, ganz besonders nach dem husten oder niesen. Generell sollten Sie nicht in die Hand, sondern in die Ellenbeuge husten oder niesen. Halten Sie einen ausreichenden Abstand zu Personen (1-2 m) mit Infektzeichen ein und wenn Sie selbst Infektzeichen an sich bemerken, meiden Sie Menschenansammlungen und geben Sie niemandem die Hand. Diese allgemeine Maßnahmen gelten wie gesagt für alle Infektionserkrankungen, insbesondere auch für die Influenza, welche in dem Medienhype um das Coronavirus gänzlich untergeht.

 

Was bringt die Pneumokokkenimpfung?

Die Pneumokokken-Impfung schützt nicht vor COVID-19. Allerdings können Pneumokokken-Infektionen zu schweren Lungenentzündungen und Sepsis führen und die Versorgung der Patienten auf einer Intensivstation ggf. mit Beatmung erfordern. Dies gilt es gerade bei einem ohnehin schon über die Maßen belasteten Gesundheitssystem zu vermeiden. Die STIKO empfiehlt – unabhängig von der COVID-19-Pandemie - für alle Personen, die ein erhöhtes Risiko für Pneumokokken-Erkrankungen haben, eine entsprechende Impfung. Es ist zudem plausibel, dass die Pneumokokken-Impfung eine bakterielle Superinfektion durch Pneumokokken bei Patienten mit COVID-19 verhindern kann. Bei Influenza-Erkrankungen sind bakterielle Superinfektionen durch Pneumokokken eine bekannte Komplikation. Die aktuelle Datenlage ist jedoch unzureichend um einzuschätzen, wie häufig solche Superinfektionen bei COVID-19 Patienten vorkommen.

Aktuell sind Pneumokokken-Impfstoffe in Deutschland nur sehr eingeschränkt verfügbar. In unserer Region ist momentan kein Impfstoff lieferbar! Daher sollten zurzeit prioritär Personen geimpft werden, die ein besonders hohes Risiko für Pneumokokken-Erkrankungen haben. Prioritär geimpft werden sollen: Säuglinge und Kleinkinder bis zum Alter von 2 Jahren mit Prevenar 13 oder Synflorix, Personen mit Immundefizienz, Senioren ab 60 Jahren und Personen mit chronischen Atemwegserkrankungen (z.B. Asthma oder COPD) mit Pneumovax 23. Oberste Priorität für Senioren und Personen mit chronischen Grunderkrankungen hat im Moment die Kontaktreduzierung (z.B. zu Hause bleiben). Diese schützt nicht nur vor COVID-19, sondern auch vor der Übertragung anderer Infektions­erkrankungen, wie zum Beispiel Pneumokokken-Infektionen. 

  

Wann muss ich in Quarantäne?

Eine Quarantäne wird dann behördlich angeordnet, wenn ein hohes Risiko besteht, dass man sich angesteckt hat:

  • wenn man innerhalb der letzten zwei Wochen engen Kontakt zu einem Erkrankten mit einer laborbestätigten COVID-19-Diagnose hatte. Ein enger Kontakt bedeutet entweder, dass man mindestens 15 Minuten mit dem Erkrankten gesprochen hat bzw. angehustet oder angeniest worden ist, während dieser ansteckend gewesen ist.
  • immer, wenn das Gesundheitsamt dies anordnet.

Bei medizinischem Personal gibt es die Möglichkeit, die Empfehlungen bei Personalmangel anzupassen.

 

Wenn man beispielsweise in den letzten zwei Wochen nur im gleichen Raum mit einem COVID-19-Erkrankten war und keinen engen Kontakt hatte, wird keine Quarantäne angeordnet, da dann ein geringeres Ansteckungsrisiko besteht. Wer mit Menschen mit Vorerkrankungen arbeitet (Krankenhaus, Altenpflege etc.), sollte aber in jedem Fall seinen Betriebsarzt informieren. Und für alle gilt: tägliche Selbstkontrolle auf Krankheitszeichen.

Wer Kontakt zu einer Person in der Familie, im Freundes- oder Bekanntenkreis hatte, die wiederum Kontakt zu einem im Labor bestätigten COVID-19-Patienten hatte, aber völlig gesund ist, muss ebenfalls nicht in Quarantäne. In diesem Fall ist man keine Kontaktperson, hat kein erhöhtes Risiko für eine COVID-19-Erkrankung und kann auch niemanden anstecken.

 

Quelle: Robert-Koch-Institut

 

Ist eine Krankmeldung auszustellen, wenn der Patient noch keine Krankheitssymptome aufweist, aber der Arbeitgeber ihn prophylaktisch freistellt oder der Patient aus Eigeninitiative prophylaktisch nicht zur Arbeit geht?

Nein. In diesem Fall ist keine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung auszustellen. Für das Ausstellen einer AU-Bescheinigung muss zwingend eine Krankheit vorliegen. Erkrankte Mitarbeitende sollten unbedingt der Arbeit fernbleiben und haben aufgrund ihrer Arbeitsunfähigkeit Anspruch auf Lohnfortzahlung. Bleibt jemand aus Angst vor Ansteckung zuhause, ohne dass dies behördlich angeordnet oder mangels arbeitgeberseitiger Schutzmaßnahmen gerechtfertigt ist, so besteht für diese Zeit mangels Arbeitsunfähigkeit kein Anspruch auf Lohn.

Rücksprache mit dem Gesundheitsamt: 

Der Patient, der noch keine Symptome hat, kann sich beim Gesundheitsamt melden und schildern, warum er der Ansicht ist, dass er besser nicht zur Arbeit gehen sollte. Das Gesundheitsamt gibt dann gegebenenfalls die Empfehlung, prophylaktisch vom Arbeitsplatz fernzubleiben. Diese mündliche Empfehlung hat keinerlei rechtsverbindlichen oder anordnenden Charakter. Das Gesundheitsamt stellt in diesem Fall keine Bescheinigung aus. Der Arbeitgeber des betreffenden Patienten, der von dieser Empfehlung des Gesundheitsamtes erfährt, kann dann entscheiden, den Patienten freizustellen. Er zahlt dann das übliche Arbeitsentgelt weiter. Ein Entschädigungs­anspruch nach dem Bundes­infektionsschutz­gesetz besteht in diesem Fall nicht. Hiervon ist die Situation zu entscheiden, die zurzeit deutlich seltener vorkommt: Wenn das zuständige Gesundheitsamt bei entsprechend konkreten Verdachtsfällen ein sogenanntes Tätigkeitsverbot ausspricht (§ 31 Infektionsschutzgesetz), stellt das einen Verwaltungsakt dar, der wiederum bezüglich des Verdienstausfalls Entschädigungsansprüche auslöst (§ 56 Infektionsschutzgesetz).

 

Quelle: KV Baden-Württemberg

 

Bin ich nach einer Infektion immun?

Studien haben gezeigt, dass Personen nach durchgemachter SARS-CoV-2-Infektion spezifische Antikörper entwickeln, die gegen das N- oder S-Protein gerichtet sind. Bei der Mehrzahl der Patienten findet diese Serokonversion in der zweiten Woche nach Symptombeginn statt. Erste Studien zu neutralisierenden Antikörpern, die auf eine protektive Immunität hindeuten, zeigen, dass diese am Ende der zweiten Woche nach Symptombeginn nachweisbar sind. Unklar ist zum jetzigen Zeitpunkt noch, wie regelhaft, robust und dauerhaft dieser Immunstatus aufgebaut wird. Die Erfahrungen mit anderen Coronaviren-Infektionen (SARS und MERS) deuten darauf hin, dass die Immunität bis zu drei Jahre anhalten könnte. Um dies genauer zu bestimmen, sind serologische Längsschnittstudien erforderlich, die die Immunität der Patienten über einen längeren Zeitraum beobachten. Durch Tierversuche an Rhesusaffen, früheren Erkenntnissen zu SARS sowie Plausibilitätsannahmen gehen Experten davon aus, dass genesene Patienten ein nur sehr geringes Reinfektionsrisiko haben.

 

Quelle: Robert-Koch-Institut

 

Kann ich mich auf Antikörper testen lassen, um festzustellen ob ich eine Immunität habe?

Bei den nun vielfach angebotenen Antikörpertests werden, wie der Name schon sagt, nicht das Virus selbst, sondern die vom Körper dagegen produzierte Antikörper gemessen. Es gibt verschiedene Antikörperklassen, die der Körper in verschiedenen Zeitabständen herstellt. Je nach Abnahme des Blutes zur Testung, kann es daher auch zu falsch-negativen Testergebnissen kommen. Das heißt, dass keine Antikörper nachweisbar sind, weil einfach zu früh getestet wurde. Ein weiteres Problem mit diesen Tests ist, dass es hier noch eine Kreuzreaktion mit Antikörper gegen andere Coronaviren gibt und es daher häufig zu falsch-positiven Testergebnissen kommt. Das heißt, dass eine Immunität vorgetäuscht wird, wo keine besteht. Zudem dürfen die Hersteller ihre Tests laut EU-Verordnung noch bis Mai 2022 selbst zertifizieren. Es fehlt daher an allgemein anerkannten Qualitätsstandards und einer Prüfung durch eine unabhängige Stelle. Aufgrund diesen Faktoren empfehle ich im Augenblick nicht eine solche Testung. Auf Wunsch können wir natürlich eine solche Blutentnahme durchführen und in ein entsprechendes Labor einsenden. Die Kosten für die Antikörpertestung werden allerdings nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.

Und das sagt das arznei-telegramm (2020; Jg. 51, Nr.6) dazu: Außerhalb der Forschung haben Tests auf Antikörper gegen SARS-CoV-2 derzeit nur eine sehr begrenzte Indikation. In bestimmten Situationen können sie bei typischer COVID-19-Symptomatik die Diagnose stützen. Goldstandard ist hier die PCR, die aber im späteren Krankheitsverlauf weniger sensitiv ist. Von der individuellen Testung ohne direkten Bezug auf eine spezifische klinische Symptomatik ist abzuraten. Ob die Infektion bereits (unbemerkt) durchgemacht wurde, können die Tests wegen der hohen Rate falsch-positiver Befunde angesichts der geringen Prävalenz der Erkrankung in Deutschland nicht zuverlässig beantworten. Schnelltests sollten überhaupt nicht verwendet werden.

In einer peer review-Veröffentlichung wurde herausgefunden, dass nur bei 20% aller Covid-19-Erkrankten Antikörper im Blut gefunden werden können und diese mit der Schwere des Krankheitsbilds korrelieren ("Systemic and mucosal antibody secretion specific to SARS-CoV2 during mild versus severe Covid-19", C.  Cervia et al, 21.05.2020).

 

 

 

Quelle: emedicine.medscape, 30.06.2019
Quelle: emedicine.medscape, 30.06.2019

Die Reproduktionszahl und sind die Maßnahmen der Regierung notwendig und erfolgreich?

Die Reproduktionszahl beschreibt wie viele Menschen eine infizierte Person im Mittel ansteckt. Im folgenden Diagramm vom Robert-Koch-Institut sind zum einen die Reproduktionszahl und die Zeitpunkte der einzelnen Maßnahmen der Regierung aufgezeichnet. Am 09.03.2020: Absage aller Großveranstaltungen über 1000 Personen in einzelnen Bundesländern, 16.03.2020: Bund-Länder-Vereinbarung zu Leitlinien gegen die Ausbreitung des Coronavirus, 23.03.2020: Bundesweit umfangreiches Kontaktverbot ("lock down").

Das Abfallen der Reproduktionszahl ab dem 10.03.2020 wird von dem Robert-Koch-Institut folgendermaßen erklärt: "...Die Tatsache, dass die Reproduktionszahl seit Anfang März unter der Basisreproduktionszahl (R0) zwischen 2,4 und 3,3  liegt, ist eine Konsequenz der Maßnahmen, die zur Eindämmung des Virus getroffen wurden. Wichtige Meilensteine sind hierbei die Absage großer Veranstaltungen (> 1.000 Teilnehmer) in verschiedenen Bundesländern vom 9. März, die Bund-Länder-Vereinbarung vom 16. März sowie die Einführung eines bundesweiten Kontaktverbots vom 23. März. Die verschiedenen Maßnahmen ergänzen und verstärken sich gegenseitig...." 

Wenn man die Inkubationszeit von 5-6 Tagen heranzieht, steckt sich die Bevölkerung bis zum 09.03.2020 weiterhin mit SARS-CoV-2 an. Das würde bedeuten, dass die Reproduktionszahl mindestens 5-6 Tage weiter ansteigen, oder zumindest auf dem gleichen Stand bleiben hätte müssen und dann erst abfallen, wenn der erste wichtige Meilenstein eine Wirkung auf die Reproduktionszahl gehabt hätte. Dies ist nicht der Fall! Auf dem Diagramm erkennt man, dass die Maßnahmen keinerlei Auswirkung auf die Reproduktionszahl haben. Man muss daher sich die Frage stellen, ob der "lock down" schließlich wirklich notwendig war, da die Reproduktionszahl zu diesem Zeitpunkt bereits unter 1 lag. Meines Erachtens nicht!

Das RKI berichtet über einen erneuten Anstieg der Reproduktionszahl auf 1,1 am 09.05.2020 nach langsamem Beginn der Lockerungsmaßnahmen. Das bedeutet, dass ein Infizierter wieder mehr als 1 Person ansteckt. In der am 04.05.2020 veröffentlichten Heinsbergstudie von Prof. Dr. H. Streeck der Universität Bonn, wurde das Ansteckungsrisiko von Mitbewohnern eines an Covid-19 Erkrankten in einem 2-Personen-Haushalt mit 44%, einem 3-Personen-Haushalt mit 36% und bei einem 4-Personen-Haushalt mit 18% ermittelt. Dies würde heißen, dass die Reproduktionszahl immer unter 1 ist und steht im direkten Widerspruch zu der geschätzten Reproduktionszahl vom RKI!

Im Oktober 2019 veröffentlichte die WHO das Dokument "Non-pharmaceutical public health measures for mitigating the risk and impact of epidemic and pandemic influenza". Darin untersuchte sie verschiedene Maßnahmen in künftigen Grippe-Epidemien und -Pandemien:

1.  Personenbezogene Schutzmaßnahmen wie Handhygiene, spezielle Nies- und Hustenverhalten und den Einsatz von Schutzmasken.

2.  Umgebungsbezogenen Maßnahmen wie Oberflächenreinigung, den Einsatz von UV-Licht oder Belüftungstechniken.

3.  Social-Distancing-Maßnahmen wie Contact Tracing, Isolation von Kranken und Quarantäne von Riskogruppen, Schul- und Arbeitsplatzschließungen und die Meidung großer Menschenmassen.

4. Reisebezogene Maßnahmen wie Reisewarnungen, Screenings von Flugreisenden, Inlandsreiseverbote und Grenzschließungen.

Dieser Katalog liest sich wie die durchgeführten Maßnahmen der Regierungen bei der SARS-CoV-2-Pandemie.

Tatsächlich kommt die WHO zu dem Ergebnis, dass die Qualität der Belege für die Wirksamkeit fast aller damals untersuchten Maßnahmen als niedrig oder sehr niedrig einzuschätzen ist. Lediglich bei der Handhygiene und Maskennutzung, hauptsächlich im Gesundheitswesen, kommt die WHO zu einem moderaten bis hohen Nutzen.

Demnach berichtet die WHO im Oktober 2019, dass es kaum bis keine verlässlichen Hinweise für die Wirksamkeit des lock downs gibt! Dennoch wurden diese Maßnahmen empfohlen und von den meisten Regierungen strikt durchgeführt.

 

Die wichtigsten Maßnahmen bei Verhinderung der Ausbreitung einer Infektionserkrankung sind die basishygienische Maßnahmen, wie ich bereits oben mehrfach erwähnt habe. Zudem sollten, wie es auch richtig gemacht wurde, Infizierte isoliert und die Risikogruppen besonders geschützt werden.

Meine Feststellung soll in keinster Weise die Erkrankung Covid-19 verharmlosen, sondern sich kritisch zu den getroffenen Maßnahmen äußern. SARS-CoV-2 wie auch Influenza können schwere Erkrankungen hervorrufen, die auch tödlich verlaufen können! Der Vergleich mit SARS-CoV-2 mit einer schweren Influenza ist durchaus gerechtfertigt, wie uns alle Zahlen eindrücklich zeigen. Leider wird eine solche Aussage von Politiker und Medien oft als "Verschwörungstheorie" diffamiert. Ich bin Arzt und kein Politiker und meine Aussagen beziehen sich nur auf die Erkrankung durch SARS-CoV-2. Es handelt sich um meine persönliche Meinung, denn als Facharzt für Allgemeinmedizin und Notfallmedizin bin ich, wie man bei uns landläufig sagt, auch nicht auf der Nudelsuppe dahergeschwommen! Eine politische Bewertung der Vorgänge und Maßnahmen wird von mir nicht vorgenommen.

 

05/2020

 

TERMINSPRECHSTUNDE!

   

Seit dem 01.07.2019 haben wir, aufgrund des stoßweisen hohen Patientenaufkommens, eine Terminsprechstunde eingeführt!

Es gibt Sprechzeiten für planbare Patienten und Sprechzeiten für akute Fälle. In der Sprechstunde für akute Fälle wird ein Termin am gleichen, spätestens am darauffolgenden Arbeitstag vergeben. Allerdings ist das Zeitfenster hierfür kürzer gehalten wie in der Sprechstunde für planbare Fälle. Wir bitten daher immer um telefonische Anmeldung.

Dadurch sind die teilweise sehr lange Wartezeiten verkürzt worden!

Vielen Dank!